Home
http://www.faz.net/-gqe-6y2mt
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Schuldenkrise Die Bundesbank fordert von der EZB bessere Sicherheiten

In der Bundesbank rumort es: Der größte Posten in der Bilanz sind Forderungen von zuletzt knapp 500 Milliarden Euro gegenüber Notenbanken finanzschwacher Länder, die über das Target-Zahlungsverkehrssystem aufgelaufen sind. Ein Brief von Bundesbankpräsident Weidmann zeugt von großer Sorge.

© Röth, Frank Vergrößern Das Euro-Logo spiegelt sich in den Scheiben der EZB-Zentrale in Frankfurt

Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat Mario Draghi, den Präsidenten der Europäischen Zentralbank, vor den wachsenden Risiken im Eurosystem gewarnt und eine Rückkehr zu den Sicherheitenregeln vorgeschlagen, die vor dem Beginn der Finanzkrise galten. In einem Brief, dessen Inhalt der F.A.Z. bekannt ist, nimmt Weidmann ausdrücklich auf die wachsenden Target-Forderungen Bezug. Er schlägt eine Besicherung dieser Forderungen der EZB gegenüber den finanzschwachen Notenbanken des Eurosystems vor, die einen Wert von mehr als 800 Milliarden Euro erreicht hätten. Die Vorschläge zur Sicherheitenpolitik könnten zu neuerlichen Auseinandersetzungen in der EZB führen, kurz nachdem sie im zweiten Langfristtender den Banken am Mittwoch 530 Milliarden Euro für die außergewöhnlich lange Laufzeit von drei Jahren verschafft hat.

Der Brief zeugt von der wachsenden Unruhe in der Bundesbank, deren über das Target-Zahlungsverkehrssystem aufgelaufene Forderung mit knapp 500 Milliarden Euro der mit Abstand größte Posten in der Bilanz ist. Weidmann warnt in dem Brief an Draghi vor einem Reputationsverlust und regt eine Debatte über die Risiken an. Sollte ein Teil dieser Forderungen ausfallen, könnten die Notenbanken des Eurosystems die Verluste möglicherweise nicht tragen und die Eurostaaten würden sie möglicherweise nicht ausgleichen, schreibt Weidmann.

Infografik / Bilanzsumme des Eurosystems Noch mehr Geld: Durch die riesigen Summen der beiden dreijährigen Finanzierungsgeschäfte hat sich die Geldmenge weiter ausgedehnt. Inzwischen hat … © F.A.Z. Bilderstrecke 

Die EZB hat jüngst die Anforderungen an die Sicherheiten bei geldpolitischen Geschäften gelockert. So dürfen die Notenbanken nun auch einzelne Unternehmenskredite als Pfand akzeptieren. Weidmann ist darüber beunruhigt. Er fordert eine Rückkehr zur Standardgeldpolitik und wieder einheitlich geltende Sicherheitenanforderungen mit den Qualitätsstandards, die vor der Krise üblich gewesen seien. Es solle geprüft werden, in welchem Ausmaß in der Zwischenzeit die Risikoposition der EZB durch die Einreichung von Sicherheiten verbessert werden könne. Aus dem Zusammenhang lässt sich ableiten, dass Weidmanns Vorschlag zusätzlicher Sicherheiten auf die Target-Forderungen zielt.

Die Frage nach den Sicherheiten in Weidmanns Brief könnte geeignet sein, auf den Finanzmärkten Verunsicherung auszulösen. Denn gerade haben die EZB und die 17 nationalen Notenbanken am Mittwoch beim zweiten langfristigen Finanzierungsgeschäft mit der langen Laufzeit von drei Jahren weitere 530 Milliarden Euro an die Banken verliehen. Beim ersten Geschäft dieser Art waren es im Dezember 489 Milliarden Euro. Insbesondere die große Beteiligung beim zweiten Tender ist den Banken nur deshalb möglich gewesen, weil die EZB zuvor die Anforderungen an die Pfänder gelockert hatte. So dürfen neuerdings auch einzelne Kreditforderungen beliehen werden, und die nationalen Notenbanken können die Regeln dafür selbst setzen und brauchen sie nur vom EZB-Rat genehmigen zu lassen.

Mehr zum Thema

Würde der EZB-Rat den Vorschlägen des Bundesbankpräsidenten folgen, wäre diese Lockerung in der Pfänderpolitik nur von kurzer Dauer. Auch andere Notmaßnahmen, die zur Stabilisierung des Finanzsystems beigetragen haben, müssten dafür zurückgenommen werden. Allerdings nennt Weidmann keinen zeitlichen Rahmen für seine Forderungen. Dass die Lockerungen in der Geldpolitik zeitlich begrenzt sind und zurückgenommen werden müssen, sobald sich die wirtschaftliche Lage und die Stabilität des Bankensystems verbessert, wird von anderen Notenbanken und innerhalb der EZB nicht bestritten. Auf die Frage, ob es eine weitere Ausweitung des Sicherheitenrahmens geben sollte, falls sich die Lage des Bankensystems noch einmal verschlechtert, antwortete EZB-Präsident Mario Draghi vor einigen Tagen im Interview mit der F.A.Z: „Wir haben genug getan. Die Regeln für die Sicherheiten sollten nicht weiter gelockert werden.“ Künftig werde es eher darum gehen, die Anforderungen wieder zu verschärfen.

Aus dem Umfeld des EZB-Direktoriums hieß es am Mittwoch im Zusammenhang mit dem zweiten Langfristtender, auch eine Debatte über die Ungleichgewichte und den Umgang mit den TargetForderungen sei notwendig.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Preisauftrieb Das Gespenst der Inflation

Wer hatte uns nicht alles erzählt, dass die Politik des billigen Geldes zu Inflation führt. Bislang ist jedoch nichts passiert. Die Inflation sinkt immer weiter, obwohl viele mit dem Gegenteil gerechnet hatten. Mehr

17.08.2014, 19:53 Uhr | Finanzen
Termine des Tages Endlich wieder Fußball

Die Bundesliga hat ihren ersten Spieltag der 52. Saison, das Bundesministerium der Finanzen veröffentlicht den Monatsbericht August und vom Statistischen Bundesamt kommt die jährliche Krankenhausstatistik. Mehr

21.08.2014, 07:28 Uhr | Wirtschaft
Finanzierungen Wie riskant ist der Hauskauf ohne eigenes Geld?

Für ein neues Haus verlangen manche Banken noch nicht einmal eigenes Kapital. Klingt wunderbar, hat aber viele Tücken. Mehr

20.08.2014, 12:27 Uhr | Finanzen

Neue Reisefreiheit

Von Kerstin Schwenn

Auf deutschen Autobahnen sind so viele Fernbusse unterwegs wie noch nie - und üben damit heftigen Druck auf die Deutsche Bahn aus. Auch auf Kosten der Umwelt. Das zeigt: der Verbraucher tickt eher ökonomisch als ökologisch. Mehr 24 7


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Deutschland, Telekom-Entwicklungsland

Die digitale Agenda ist offenbar wirklich nötig: Die Telekommunikationsbranche trägt hierzulande nur 2,25 Prozent zum BIP bei - weniger als etwa in Spanien, Frankreich oder Italien. Mehr 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden