Home
http://www.faz.net/-gqe-761eu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Schuldenkrise Banken zahlen EZB Krisenhilfe früher zurück als erwartet

Es ist ein kleines Zeichen der Entspannung in der Schuldenkrise: Die Banken des Euroraums wollen der Europäischen Zentralbank mehr Krisenhilfe schon jetzt zurückzahlen als erwartet.

© dapd Das Euro-Zeichen vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

Die Banken des Euroraums wollen der Europäischen Zentralbank (EZB) deutlich mehr an Krisenhilfe zurückzahlen als erwartet. In einer ersten Runde sollen der Notenbank insgesamt 137,2 Milliarden Euro zufließen, wie die EZB am Freitag in Frankfurt mitteilte. Bankanalysten hatten mit einem Rückfluss zwischen etwa 50 und 100 Milliarden Euro gerechnet.

An den Finanzmärkten wurden die Zahlen positiv aufgenommen.Bei den zurückfließenden Mitteln handelt es sich um Gelder aus der Ende 2011 gewährten Langfristhilfe der EZB.

Die „dicke Bertha“

EZB-Präsident Mario Draghi hatte die Hilfen in einem F.A.Z.-Interview damals scherzhaft als “Dicke Bertha“ bezeichnet - in Anspielung an ein schwere Kanone im ersten Weltkrieg und weil schon zuvor in der Schuldenkrise martialische Metaphern wie etwa „Bazooka“ (Panzerfaust) verwendet wurden.

Das Refinanzierungsgeschäft wurde seinerzeit mit einer ungewöhnlich langen Laufzeit von bis zu drei Jahren aufgelegt. Zusammen mit einem zweiten derartigen Geschäft im Februar 2012 hatte die EZB insgesamt gut eine Billion Euro an die Geschäftsbanken ausgereicht. Grund war die drohende Eskalation der Euro-Schuldenkrise.

Wie die EZB weiter mitteilte, wollen insgesamt 278 Banken von der Möglichkeit Gebrauch machen, einen Teil der Nothilfen vorzeitig zurückzahlen. Die Rückzahlungen werden am kommenden Mittwoch (30. Januar) fällig. Da hohe Rückzahlungsbeträge prinzipiell auf eine Entspannung im Bankensektor hindeuten, sorgten die Zahlen für positive Reaktionen an den Finanzmärkten. Der Euro legte zu und stieg mit 1,3464 US-Dollar auf den höchsten Stand seit etwa elf Monaten. Sichere Anlagen wie deutsche Staatsanleihen gerieten entsprechend unter Druck.

Von nun an haben die Banken jede Woche die Möglichkeit, Mittel vorzeitig zurückzuzahlen

Dass sich die Geschäftsbanken bereits jetzt von einem Teil der Krisenhilfe entledigen können, war von Beginn an vorgesehen. Experten schätzen, dass vor allem Banken aus robusten Kernländern wie Deutschland von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Ausschlaggebend ist die deutliche Entspannung in der Schuldenkrise, nachdem die EZB Mitte 2012 zugesichert hatte, den Euro unter allen Umständen verteidigen zu wollen. Kreditinstitute aus Krisenländern wie Spanien oder Italien dürften hingegen einen Großteil der Krisenhilfe aus Sicherheitsgründen behalten haben.

Beobachter erwarten, dass in den nächsten Monaten sukzessive weitere Krisengelder an die EZB zurückfließen. Von nun an haben die Geschäftsbanken jede Woche die Möglichkeit, nicht mehr benötigte Mittel aus den dreijährigen Geschäften vorzeitig an die EZB zurückzuzahlen. Bankanalysten waren im Vorfeld der EZB-Zahlen davon ausgegangen, dass bis zur Jahresmitte etwa 200 Milliarden Euro an die Notenbank zurückfließen. Aufgrund der nunmehr überraschend hohen Rückzahlung in der ersten Runde könnte der Betrag aber höher ausfallen.

Quelle: FAZ.NET/DPA-AFX

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Ausblick auf Montag Die Börsen erzittern vor Griechenland

Der drohende Staatsbankrott Griechenlands kann die Aktienkurse am Montag in die Tiefe schicken. Die ersten Signale sind nicht ermutigend. Mehr

28.06.2015, 18:33 Uhr | Wirtschaft
Geldpolitik EZB startet eine Billion Euro schweres Kaufprogramm

Mit einem eine Billion Euro schwerem Kaufprogramm will EZB-Präsident Mario Draghi der Konjunktur in der Euro-Zone auf die Sprünge helfen und die Inflation wieder in Richtung der angepeilten Zielmarke von knapp zwei Prozent hieven. Mehr

06.03.2015, 17:06 Uhr | Wirtschaft
Kommt der Grexit? Jetzt läuft es nach Plan B

Griechenlands Pleite kommt. Die Frage ist nur, wie sie kommen wird. Hier ist die Vorlage für den Grexit. Mehr Von Christian Siedenbiedel

27.06.2015, 19:22 Uhr | Wirtschaft
EZB-Anleihenkäufe 60 Milliarden Euro monatlich

Die Europäische Zentralbank will einer Deflation vorbeugen und bis September 2016 60 Milliarden Euro pro Monat in Staats- und Unternehmensanleihen pumpen. Dies gab EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt bekannt. Mehr

22.01.2015, 16:22 Uhr | Wirtschaft
Griechische Schuldenkrise EZB untersucht 470-Millionen-Kredit der Athener Notenbank

Die Regierung in Athen hat Ende Juni auch ein Darlehen der griechischen Notenbank über eine halbe Milliarde Euro nicht getilgt. Für die Europäische Zentralbank ist das delikat. Sie muss nun entscheiden, ob die griechische Notenbank dadurch verbotene Staatsfinanzierung leistet. Mehr Von Philip Plickert

02.07.2015, 21:59 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 25.01.2013, 12:33 Uhr

Maut-Schaden

Von Manfred Schäfers

Die Freude des Verkehrsministers über das Maut-Gesetz währte nur kurz. Tatsächlich rollt nun das Geld, dummerweise in die falsche Richtung: aus dem Verkehrsetat, statt hinein. Mehr 31 21


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Der Zuckerkonsum wächst

Die Weltbevölkerung wird in den kommenden Jahren mehr Zucker konsumieren. Vor allem in Entwicklungsländern wird ein starkes Wachstum erwartet. Mehr 2