04.11.2003 · Millionen Menschen in Deutschland sind überschuldet. Handyrechnungen und Kleinkredite führen vor allem junge Menschen zunehmend in die Schuldenfalle.
Handyrechnungen und Kleinkredite führen vor allem junge Menschen zunehmend in die Schuldenfalle. Das sind die Ergebnisse einer bundesweiten Untersuchung, die das Kredit-Auskunftsunternehmen Schufa in einem Schulden-Kompaß zusammengestellt und am Dienstag in Wiesbaden präsentiert hat. Insbesondere die 20- bis 24jährigen könnten häufig ihre Rechnungen nicht zahlen, sagte der Schufa-Vorsitzende Rainer Neumann.
Arbeitslosigkeit, Trennung, Naivität
Hauptursachen der Überschuldung sind Arbeitslosigkeit, Trennung oder Scheidung, Unerfahrenheit gegenüber Kredit- und Konsumangeboten, dauerhaft niedrige Einkommen und zu hohe Kreditbelastung. Oft steht eine Kombination dieser Faktoren am Beginn einer Schuldnerkarriere. Darüber hinaus haben laut Schufa die Klienten bei den Schuldnerberatungen überwiegend eine niedrige Schuldbildung. Die Mehrheit habe einen Hauptschulabschluß, während ein Fünftel über überhaupt keinen Abschluß verfüge.
Die durchschnittliche Kredithöhe lag im vergangenen Jahr bei 8.300 Euro. Damit ist sie seit 1999 um 1.300 Euro gestiegen.
Junge Erwachsene gefährdet
Junge Erwachsene sind die Hauptproblemgruppe. Über 60 Prozent der ausgefallenen Kredite entfallen auf die Altersgruppe zwischen 20 und 34 Jahren. Dabei nahmen in den vergangenen Jahren vor allem die Rückzahlungsschwierigkeiten bei den 20- bis 24jährigen zu. Hier vermuten die Experten, daß vor allem die übermäßige Handy-Nutzung viele Jugendliche in die Schuldenfalle treibt. So wurden der Schufa 2002 in dieser Altersgruppe von Telefonanbietern rund 275.000 Zahlungsausfälle gemeldet. Drei Jahre zuvor hatte die Zahl noch bei rund 100.000 gelegen.
Bei der Altersgruppe von 40 bis 54 Jahren kam es zwischen 1999 und 2002 gleichfalls zu mehr Zahlungsproblemen. Hier geht die Schufa davon aus, daß die steigende Arbeitslosigkeit vielen Menschen diesen Alters Probleme bereitet: Sie könnten die Kreditverpflichtungen nach dem Verlust des Jobs häufig nicht mehr erfüllen.
„Zunahme der Zahlungsstörungen“
Arbeitslosigkeit allein muß aber nicht zwangsläufig zu mehr Schuldnerproblemen führen. Dies zeigt ein Vergleich der Schufa von den Regionen mit der höchsten Arbeitslosenquote - vor allem in Ostdeutschland - mit den Gebieten mit den höchsten Zahlungsausfällen. Diese sind nicht deckungsgleich. Vor allem in ländlichen Gebieten sei der oft vermutete Zusammenhang zwischen Jobverlust und Überschuldung nicht zwangsläufig. Allerdings registrieren die Experten in den vergangenen Jahren eine Zunahme der Zahlungsstörungen in den neuen Bundesländern, wo die Arbeitslosenquote am stärksten ist.
Bei Bankkrediten, die nicht zurückgezahlt werden konnten, dominierten im vergangenen Jahr weiter die 35- bis 39jährigen (mehr als 300.000 Fälle). Insgesamt machten Zahlungsprobleme bei Bankdarlehen die Hälfte aller gemeldeten Fälle aus. Danach folgten Telefonfirmen mit rund 39 Prozent, Handelsunternehmen mit acht Prozent und Kreditkartenfirmen mit drei Prozent.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2461 | −0,22% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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