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Schokolade Lindt & Sprüngli muß seine Goldhasen bereits schützen

06.04.2004 ·  Schon wieder zweistellige Gewinnsteigerung / Größtes Wachstum in Amerika / Bald Aktienrückkauf?

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Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli, Kilchberg. Die Firmengruppe Lindt & Sprüngli hat wieder einmal bewiesen, daß sie eine der erfolgreichsten Schweizer Marken ist. Der Schokoladenhersteller, der in den vergangenen zehn Jahren mit seinem guten Ruf den Umsatz verdoppelte, steigerte den Nettogewinn 2003 um 20 Prozent (siehe Tabelle) auf 122 Millionen Franken (78 Millionen Euro). Damit hat es Lindt & Sprüngli nicht zum ersten Mal geschafft, in dem weitgehend gesättigten Schokoladenmarkt Europas den Branchendurchschnitt weit zu übertreffen. Schon in den Vorjahren war der Gewinn zweistellig gestiegen. Die Eigenkapitalrendite erreichte 2003 beachtliche 18 Prozent, was der Rentabilität Schweizer Banken entspricht.

Konzernchef Ernst Tanner zeigte sich bei der Bilanzpressekonferenz zuversichtlich, auch 2004 den Markt zu übertreffen und den Umsatz um etwa 7 Prozent und den Gewinn um 8 bis 10 Prozent steigern zu können. "Das Jahr hat gut begonnen", sagte er, "und in allen Ländern ist das Ostergeschäft für uns vielversprechend angelaufen." Das Saisongeschäft ist am erfolgreichsten, wenn es vor Ostern kühl und naß ist, weil an warmen Tagen weniger Süßes konsumiert wird.

Goldhasen ein Verkaufsschlager

Die goldenen Osterhasen von Lindt sind inzwischen ein derartiger Verkaufsschlager, daß man sie vor Kopien schützen muß. In England konnte man erreichen, daß eine deutsche Lieferung nicht verkauft werden durfte. Aldi dagegen kann die Lieferung kopierter Hasen eines süddeutschen Handelsmarkenherstellers noch verkaufen. Tanner glaubt, daß die juristischen Erfolge künftige Nachahmer abschrecken. "Unser Hase ist der bestgeschützte auf der Welt." Der Konzern konnte nachweisen, daß das Produkt mit der roten Schleife und dem Glöckchen von Kunden auch dann Lindt zugeschrieben wird, wenn kein Markenname aufgedruckt ist. Somit wird auch bei einem namenlosen Hasen der Gebrauchsmusterschutz verletzt.

Tanner, der Lindt seit Anfang der neunziger Jahre führt und in dem traditionsreichen Unternehmen zunächst familiäre Turbulenzen überwinden mußte, begründete den Erfolg damit, daß man sich - anders als die Konkurrenz Nestlé oder Philip Morris (Jacobs-Suchard) - ausschließlich auf Schokolade beschränkt und dabei nur Premiumprodukte herstellt. Der Trend zur Qualität sei langfristig, so der Konzernchef, und auch der Kampf gegen das Übergewicht werde edler Schokolade nichts anhaben. "Unsere Produkte machen nicht fett, sondern glücklich." Deutschland ist zwar für Lindt der größte Markt mit einem Umsatzanteil von 20 Prozent (die Schweiz kommt nur auf 6 Prozent), das größte Wachstum erzielt der Konzern aber seit einigen Jahren in Nordamerika. Im Vorjahr wuchs der Umsatz in den Vereinigten Staaten um 10 Prozent, in Kanada gar um 23 Prozent. Beide Länder erbringen inzwischen 22 Prozent des Konzernumsatzes. Die deutsche Tochtergesellschaft Lindt & Sprüngli GmbH in Aachen steigerte 2003 den Erlös um 3,3 Prozent auf 236 Millionen Euro. Das Wachstum lag damit einen Prozentpunkt höher als der Zuwachs des Marktes, obwohl Lindt die Discounter nicht beliefert, sondern nur jene Händler, die Richtpreise nicht unterlaufen.

Nettoverschuldung nahezu bei Null

Trotz der stark erhöhten Ausschüttung (plus 27 Prozent), die gemessen am Aktienpreis von 13 000 Franken dennoch nur einer Dividendenrendite von etwa einem Prozent entspricht, hortet Lindt immer mehr Geld, ist die Nettoverschuldung nahezu auf Null gesunken. Tanner sagte, man würde gerne Firmen akquirieren, doch die wenigen Hersteller, die man gerne hätte, stünden zur Zeit nicht zum Verkauf. Der Konzernchef deutete daher an, daß man auf mittlere Sicht ohne größere Zukäufe Aktienrückkäufe tätigen werde. Der "schwere" Titel soll indes nicht gesplittet werden.

Quelle: km / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2004, Nr. 83 / Seite 21
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