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Veröffentlicht: 19.08.2013, 12:08 Uhr

Schluss mit dem Eltern-Bashing Lob der Helikopter-Eltern

Mütter und Väter werden beschimpft und belehrt, weil sie ihre Kinder angeblich überbehüten. Das ist ungerecht. Dem Nachwuchs geht es besser denn je. Zeit, mit dem Eltern-Bashing endlich aufzuhören.

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© dpa Picture-Alliance Der deutsche Nachwuchs versteht sich mit seinen Eltern überwiegend gut

Es herrschen schlechte Zeiten für Eltern. Gnadenlos geht die Öffentlichkeit mit ihnen ins Gericht. Erziehung wird inzwischen weitgehend als Schadensfall diskutiert. Das ist schon seit ein paar Jahren so. Allerdings mit stark steigender Tendenz. Die Deutschen scheinen die pädagogische Apokalypse zu lieben. Schlechte Eltern - missratene Kinder. Aus der aufwachsenden Generation kann - so der beständig surrende Grundton der Anwürfe - nichts werden. Die Liste elterlicher Verfehlungen ist lang geworden, das Spektrum denkbarer Erziehungsmängel breit. Derzeit schlägt die vermeintliche Überbehütung der Kinder in den bürgerlichen Schichten hohe Wellen. Angeblich ängstlichen und deshalb allzu fürsorglichen Eltern wird angelastet, sie zögen eine weitgehend verweichlichte, unmündige Generation heran. Deshalb müssen sich Väter und Mütter seit einiger Zeit die Bezeichnung „Helikopter-Eltern“ gefallen lassen, die unablässig über ihrem Kind kreisen, jeden Schritt verfolgen, alles kontrollieren und nicht loslassen können.

Inge Kloepfer Folgen:

In diese Debatte wird alles gemischt, was dem Zeitgeist entsprechend gerade so in das Potpourri elterlichen Versagens hineingehört: die Überbehütung einerseits, der elterliche Leistungs- und Erfolgsdruck andererseits. Beides zusammen ergibt dann, so die Annahme, eine höchst schädliche Mischung, die die Kindern und Jugendlichen jeglicher Chancen beraubt, die Welt auf ihren eigenen Wegen zu entdecken. Die Gründe dafür, warum sich Eltern so vermeintlich falsch verhalten, sind auch ausgemacht: Weil die Menschen einfach nicht mehr so viele Kinder bekämen, sei das einzelne Kind zum Statusobjekt geworden, zu einer Möglichkeit von Eltern, auch hier ihre Leistungsfähigkeit und Kompetenz zu zeigen und sich weithin Anerkennung zu verdienen. Dazu komme dann noch eine gehörige Portion Abstiegsangst, die die Mittelschicht seit längerem umtreibe.

Deshalb kämpften die dort verorteten Eltern für den Statuserhalt ihrer Kinder. Sie sorgten sich um deren Platz in einer globalisierten Wirtschaft, um ihre Karrieren und schließlich eine gute Einkommensposition in Zukunft. Dafür der ganze Aufwand, die Kosten, die „Investitionen“, damit die Kinder gut ausgerüstet ins Leben glitten. Deshalb die Behütung, das permanente Kreisen über den Kleinen, das auch beim erwachsenen Nachwuchs vor den Toren der Universität noch nicht haltmache. Aus so erzogenen Kindern könne nichts werden. Wenn Kinder die Zukunft sind, dann sei Deutschland in Gefahr.

Sogar über einen Eltern-Führerschein wurde diskutiert

Die Sache mit den Helikopter-Eltern ist nicht ganz neu. Den Ausdruck gibt es schon länger. Er hat es bereits in die öffentliche Enzyklopädie Wikipedia geschafft. Schon 2002 hat der britische Soziologe Frank Furedi ein Buch mit dem Titel „Die Elternparanoia“ veröffentlicht und so ziemlich genau das Helikopter-Phänomen gemeint. Er zog darin allerdings nicht gegen die Eltern zu Felde, sondern gegen eine ganze Armee von selbsternannten Experten, Psychologen und Pädagogen, die nichts anderes als eine große Elternverunsicherung im Sinn und ihr Ziel schon fast erreicht hätten: paranoide Eltern, die ihre Kinder vor jeglichem Ungemach des Lebens abzuschirmen versuchten - und dafür keine Kosten scheuten. Seither sind mehr als zehn Jahre vergangen, in denen sich Eltern auch noch anderes anhören konnten. Da wurde ihnen angelastet, dass sie ihre Kinder zu kleinen und großen Tyrannen heranwachsen ließen. Dass sie zu nachlässig agierten, Kinder gar nicht mehr erzögen, keine Grenzen setzten. Auch das andere Ende des Vorwurfsspektrums hatte schon Hochkonjunktur: Eltern erdrückten die Kinder mit ihrer Liebe. Zwischendurch machten die Eltern sie krank durch den permanenten Leistungsdruck.

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