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Schienenverkehr Eurotunnel in schwerer See

08.04.2004 ·  Die Aktionäre von Eurotunnel stürzen den Konzernvorstand. Anlaß zu dieser Aktion war die schlechte Entwicklung des Aktienkurses und die enorme Schuldenlast, die das Unternehmen an den Rand einer Insolvenz bringen.

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Zehn Jahre nach Eröffnung des Tunnels unter dem Ärmelkanal versuchen Kleinaktionäre die Betreibergesellschaft Eurotunnel mit einem „Putsch“ vor der Pleite zu retten. Aktionäre stürzten am Mittwoch auf einer Hauptversammlung den Vorstand und setzten eine neue Führung ein. Die Börse feierte den Machtwechsel am Mittwoch vorab mit einem Kursanstieg der Aktie um 9 Prozent auf 0,61 Euro.

Mehr als 60 Prozent der Aktionäre stimmten für ein neues Direktorium mit dem früheren Chef des Reiseunternehmens Nouvelles Frontieres, Jacques Maillot, als neuem Chairman an der Spitze. Zuvor hatten sich die Anteilseigner gegen eine Bestätigung der bisherigen Spitzenmanager des Unternehmens ausgesprochen. So hatten sie sowohl eine Verlängerung des Mandats des Eurotunnel-Chefs Richard Shirrefs als auch des Vorsitzenden des Direktoriums (Chairman of the Board), Charles Mackay, abgelehnt.

Die Eurotunnel France-Manche SA räumte ein, daß angesichts der Mehrheitsverhältnisse die alte Führung nicht zu halten sei. Entnervt gab ihr Kandidat für die Eurotunnel-Präsidentschaft, Philippe Bourguignon, schon vor Begin der Tagung auf. Der frühere Chef von Euro Disney und Club Méditerranée beklagte im Rundfunk den „Putsch“ einer „Minderheit“, der die Kleinaktionäre teuer zu stehen kommen werde.

Empört über den Absturz der Aktie

Die Aktionärsrebellen um Nicolas Miguet sind empört über den Absturz der Eurotunnel-Aktie. Das Papier wurde 1987 für 5,33 Euro (35 Franc) ausgegeben und stieg bis auf 19,36 Euro, bevor es steil auf 0,50 Euro abstürzte. Eurotunnel hat mehr als eine Million Aktionäre, darunter 900 000 in Frankreich.

2006 droht die Insolvenz

Das Unternehmen mit 3.000 Mitarbeitern arbeitet rentabel, erstickt aber unter 9 Milliarden Euro Schulden. Bei 873 Millionen Euro Umsatz wies Eurotunnel 2003 wegen der horrenden Zinskosten einen Fehlbetrag von 1,89 Milliarden Euro aus. Wenn 2006 die Kredite fällig werden, droht die Insolvenz. Das Unternehmen könnte danach entschuldet wieder auferstehen, aber die Aktionäre hätten ihre Einlagen verloren.

Jacques Maillot für die Konzernspitze

An die Konzernspitze wollen die Rebellen den früheren Chef des Reiseunternehmens Nouvelles Frontières Jacques Maillot setzen. Die operative Führung soll der Sanierungsexperte Jean-Louis Raymond übernehmen, der sich bei Konzernen wie Lesieur und Beghin-Say einen Namen gemacht hat. Sie sollen das Unternehmen vor der Insolvenz retten, Staatsmittel besorgen und die Aktie wieder auf Höhenflug bringen.

Keine Staatsmittel - Margaret Thatcher läßt grüßen

Die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens machten jedoch am Mittwoch klar, daß Eurotunnel wie bisher keine öffentliche Finanzhilfe erhalten wird. Im britisch-französischen Vertrag von Canterbury 1986 hatte Premierministerin Margaret Thatcher gegen den französischen Staatschef François Mitterrand durchgesetzt, daß das Jahrhundertprojekt ausschließlich privat finanziert wird.

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