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Schienenverkehr Deutsche Frage des Transrapid neu gestellt

Nach der erfolgreichen Jungfernfahrt des Transrapids in Schanghai dringt die Bundesregierung nun auf die Verwirklichung der Trassen in Deutschland.

© Vergrößern Chinesische Jungfernfahrt bestanden - der Transrapid

Nach der erfolgreichen Jungfernfahrt des Transrapids in Schanghai dringt die Bundesregierung nun auch auf die Verwirklichung der geplanten Trassen in Deutschland. Als „Durchbruch“ und „Signal für Deutschland“ bezeichnete Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) die Fahrt und die chinesische Zusage für den Bau weiterer Strecken. „Jetzt müssen wir handeln“, sagte Stolpe mit Blick auf die Strecken in Nordrhein- Westfalen und Bayern. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zeigte sich überzeugt, dass die Projekte realisiert werden.

Es müsse „belastbare Finanzkonzepte“ für den geplanten Metrorapid zwischen Düsseldorf und Dortmund und die Flughafenanbindung in München geben, sagte Stolpe zum Abschluss des Besuches in Schanghai. „Nach dem großen Erfolg in Schanghai glaube ich, dass die Banken und Industrie sich vielleicht nicht darum reißen, aber doch bewegen werden.“ Außer den zugesagten 2,3 Milliarden Euro werde es aber keine Zuschüsse des Bundes geben.

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Apell appell an die Industrie

Schröder appellierte an die deutsche Industrie, für die Umsetzung keine weitere staatliche Unterstützung zu fordern. Man dürfe den Subventionsstaat nicht abstrakt verurteilen, aber zugleich weitere öffentliche Mittel verlangen, wenn es um einen selbst gehe. Die Bundeshilfen seien „ja nun wirklich kein Pappenstiel“, sagte er in einem am Mittwoch ausgestrahlten Interview des Deutschlandfunks. „Es liegt jetzt an den beteiligten Ländern einerseits, aber auch an der privaten Industrie, nicht auf neue und größere Subventionen zu warten, sondern sich auch als private Industrie zu beteiligen.“ Er sei aber zuversichtlich, dass die Firmen jetzt handelten.

China will mehr Fertigung im eigenen Land

China plant unterdessen den Bau weiterer Strecken. Ministerpräsident Zhu Rongji gab Schröder bei dessen China-Besuch eine Zusage über eine Verlängerung der 31 Kilometer langen Flughafen- Trasse auf 300 Kilometer. Nach der reibungslosen Jungfernfahrt am Dienstag auf der weltweit ersten kommerziell genutzten Transrapid- Strecke sah Zhu Rongji „weit reichende Perspektiven“ für die deutsche Technologie beim Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes in China. Er forderte aber, dass die Fertigung stärker nach China verlagert und die Wirtschaftlichkeit erhöht werde.

Schröder sicherte mehr Technologietransfer zu. „Die deutsche Wirtschaft will nicht nur Waren verkaufen, sondern auch Erkenntnisse zur Verfügung stellen.“ Die Verbindung zum internationalen Flughafen Pudong in Schanghai soll nach Süden in die Nachbarstadt Hangzhou und im Norden in die Metropole Nanjing ausgebaut werden. Auch der Bereich für die Weltausstellung Expo 2010 könnte einbezogen werden. Das Transrapid- Konsortium mit ThyssenKrupp und Siemens wird jetzt Angebote vorlegen und die Kosten aushandeln. Siemens-Chef Heinrich von Pierer freute sich über die Zusage Pekings für weitere Strecken. „Das war zum ersten Mal eine klare Aussage, dass der Transrapid eine feste Zukunft hat“, sagte Pierer am Mittwoch im Deutsche Welle-TV.

Vermarktung könnte abwandern

Verkehrsexperten und Politiker haben vor einem Ausverkauf deutscher Transrapid-Technologien ins Ausland gewarnt. „Ohne eine Magnetbahnstrecke in Deutschland haben wir ein Problem, am Know-how festzuhalten“, sagte Peter Wiegelmann, Sprecher der Vermarktungsgesellschaft Transrapid International, der „Berliner Zeitung“ (Dienstagsausgabe). „Wenn wir einen Ausverkauf der Technologie vermeiden wollen, brauchen wir eine deutsche Anwendungsstrecke“, sagte Wiegelmann. Der Chef des Instituts für Bahntechnik Berlin, Peter Mnich, warnte, wenn die Industrie „keine Chance bekomme, ihre Technologie in Deutschland anzuwenden, wird sie diese im Ausland vermarkten“.

Vor allem China hat großes Interesse an Transrapid-Know-how. Für den Trassenbau der ersten kommerziellen Transrapid-Linie, die an diesem Dienstag in Schanghai im Beisein von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Chinas Ministerpräsident Zhu Rongji eingeweiht wird, „hat China bereits erste Lizenzrechte aus Deutschland erhalten“, sagte Wiegelmann. Die komplette Technologie für den Bau der Trasse aus Stahl und Beton liege damit praktisch bereits bei den Chinesen. Wiegelmann schloss nicht aus, dass China Zugang zu weiteren Technologien erhalten werde, wenn es weitere Aufträge für Magnetbahnstrecken im Fernen Osten gebe. Laut Mnich sind die Chinesen auch an Lizenzen für den Wagenkastenbau interessiert.

Bei der Jungfernfahrt mit 250 Ehrengästen hatte die Magnetbahn, das schnellste bodengebundene Verkehrsmittel der Welt, siebeneinhalb Minuten lang eine Spitzengeschwindigkeit von 431 Stundenkilometern erreicht. Schröder zeigte sich beeindruckt, dass der Bau nur 22 Monate gedauert hat. „Was vor drei Jahren Vision war, ist heute Realität.“

Quelle: dpa

 
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