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Schaeffler greift nach Conti Spannender Kampf

04.08.2008 ·  Der Übernahmekampf der Schaeffler-Gruppe um Conti ist nicht nur spektakulär, weil ein weithin unbekanntes Familienunternehmen nach dem zweitgrößten Automobilzulieferer Europas greift. Auch die Art der Vorbereitung dürfte viele Vorstände aufschrecken.

Von Johannes Ritter
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Der Übernahmekampf der Schaeffler-Gruppe um Conti ist spektakulär, weil ein weithin unbekanntes Familienunternehmen nach dem zweitgrößten Automobilzulieferer Europas greift. Spektakulär ist der Fall aber auch wegen der Art, in der Schaeffler die Kontrollübernahme in Hannover vorbereitet hat. Angesichts dahinschmelzender Aktienkurse dürften sich viele Vorstände und Anteilseigner in dieser Republik fragen, ob ihr Unternehmen als nächstes an der Reihe ist.

Nach dem Gesetz sind Aktieneinkäufer verpflichtet, das Erreichen bestimmter Beteiligungsschwellen zu melden. Schaeffler indes hat Mitte Juli auf einen Schlag kundgetan, sich mittels einer komplizierten Finanztransaktion den Zugriff auf 36 Prozent gesichert zu haben. Der Conti-Vorstand unter Führung von Manfred Wennemer hält dies für rechtswidrig; Schaeffler beteuert, legal gehandelt zu haben.

„Anschleichtechnik“ führt zu niedrigerem Angebot

Jetzt liegt der Fall bei der Finanzaufsicht. Selbst wenn diese die Schaefflers am Ende nicht dazu zwingt, die Transaktion rückgängig zu machen, bleibt doch festzuhalten: Die Franken haben mit ihrem Vorgehen gegen den Geist des Gesetzes verstoßen – zum eigenen Vorteil, aber zu Lasten der Conti-Aktionäre. Denn wenn die Franken jeweils brav berichtet hätten, dass sie über drei, fünf oder zehn Prozent des Kapitals verfügten, wäre der Conti-Kurs wegen der somit für jedermann erkennbaren Übernahmephantasie deutlich gestiegen.

In der Folge hätte der Drei-Monats-Durchschnittskurs der Conti-Aktie höher gelegen. Dieser ist für das eingereichte Übernahmeangebot der Schaefflers maßgebend. Aufgrund der „Anschleichtechnik“ sieht Wennemer seine Aktionäre um die Übernahmeprämie betrogen – und pocht daher auf ein höheres Angebot.

Nach Zukauf den Börsenwert halbiert

Die niedrige Offerte der Schaefflers freilich allein auf deren überaus fragwürdige Angriffsweise zurückzuführen griffe zu kurz. Ironischerweise trägt Wennemer selbst Mitschuld an der Lage. Unter seiner Federführung hat Conti vergangenen Herbst den Wettbewerber VDO gekauft. Strategisch war das ein kluger Schritt, denn in der VDO-Autoelektronik, in den Komponenten für Elektro- und Hybridantriebe, steckt die Zukunft.

Doch gerade weil Conti im Geschäft mit Fahrzeugelektronik, Bremssystemen und Antriebs- und Fahrwerkstechnik nun so stark aufgestellt ist, ist der Konzern für die auf Mechanikteile ausgerichtete Schaeffler-Gruppe so interessant. Das dreimal kleinere fränkische Familienunternehmen hätte den Angriff auf Conti allerdings finanziell nie wagen können, wenn Conti nicht gleichzeitig die Schattenseiten des Großeinkaufs kennengelernt hätte. Denn der VDO-Erwerb trug mit dazu bei, dass sich Contis Börsenwert binnen weniger Monate halbierte.

Schuldenlast schreckt Familienunternehmen nicht ab

Wegen der Abschwächung der Autokonjunktur sind zwar auch die Kurse aller anderen Autozulieferer unter Druck geraten. Mit VDO im Gepäck folgt Conti nun allerdings noch stärker den Zyklen der Autohersteller. Auch der hohe Kaufpreis lastet schwer: Wennemer hat gut elf Milliarden Euro bezahlt, viel mehr, als der Verkäufer Siemens sich erträumt hatte.

Die daraus folgende Verschuldung ist durch die Kreditkrise zu einem noch größeren Mühlstein in der Bilanz geworden. Die Annahme, die hohe Schuldenlast wirke als Giftpille für feindliche Angreifer, trog. Denn sie greift nur bei den Finanzierungsmustern, denen Finanzinvestoren folgen. Das Familienunternehmen Schaeffler denkt langfristiger und muss nicht sofort mit einer hohen Rendite auf das eingesetzte Kapital oder Sonderausschüttungen kalkulieren.

Kein Interesse an deutlicher Mehrheit

Gleichwohl geht die Schaeffler-Gruppe mit Conti an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Bei einer vollen Übernahme säßen die Franken auf einem Schuldenberg von 31 Milliarden Euro; die Eigenkapitalquote sänke auf kümmerliche elf Prozent. Aus diesem Grund will Schaeffler bei Conti zunächst unter 50 Prozent bleiben. Mit anderen Worten: Die Franken haben gar kein Interesse daran, möglichst viele Aktien angedient zu bekommen. Mithin wollen sie auch ihr Übernahmeangebot nicht erhöhen.

Wie geht es nun weiter? Offenbar gibt es Investoren, die bereit sind, ein höheres Angebot auf die Beine zu stellen. Wie stark und willig diese „Weißen Ritter“ tatsächlich sind, lässt sich zur Stunde noch nicht beurteilen. Vermutlich werden sie im Ernstfall unterhalb einer Beteiligungshöhe von 30 Prozent bleiben wollen. Damit vermieden sie es, allen Conti-Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten zu müssen. Wenn sich die Schaefflers auch bei einem Gegenangebot nicht zu einer Aufstockung ihrer Offerte hinreißen lassen, bliebe ihnen unter Umständen nur noch der Zugriff auf die erwähnten 36 Prozent.

Mit einer Sperrminorität befreundeter Aktionäre im Rücken würde Wennemer verhindern, dass Schaeffler über eine Minderheitsposition die Hauptversammlungsmehrheit für sich reklamieren kann. Auch die von ihm befürchtete Zerschlagung des Konzerns im Dienste der Refinanzierung der Schaefflers wäre damit vorerst vom Tisch. Aber noch sind Wennemers Truppen nicht aus der Deckung gekommen. Die Tür für eine einvernehmliche Einigung mit den Schaefflers ist weiterhin offen. Der Kampf um Conti bleibt spannend.

Die Schaeffler-Gruppe geht mit Conti
an die Grenze ihrer
Belastbarkeit.

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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