Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der amerikanischen Bank Citigroup hat überraschend eine Zerschlagung großer Kreditinstitute gefordert. Das Privatkundengeschäft und der risikoreiche Investmentbereich sollten getrennt werden, sagte Sandy Weill am Dienstag im amerikanischen Fernsehsender CNBC. Ein solcher Schritt sei nötig, wolle der Bankensektor der Vereinigten Staaten das Vertrauen der Verbraucher wiedererlangen und seine Position an der Spitze des weltweiten Finanzsystems behaupten. Derzeit sei es um das Image der Branche äußerst schlecht bestellt. „Unsere Welt hasst Banker“, sagte Weill.
In seiner Zeit an der Spitze der Citigroup baute Weill das Unternehmen zu einem der größten Finanzdienstleister der Welt auf. Nachdem in den vergangenen Jahren hoch verschuldete Banken immer wieder von der öffentlichen Hand gerettet werden mussten, regten Kritiker des Finanzsektors die Trennung von Kunden- und Beteiligungsgeschäft an.
Damit könnten die Risiken des Investmentgeschäfts von den Einlagen der Sparer im Privatkundenbereich getrennt werden. Der Staat wäre in der Lage, reine Investmentbanken pleitegehen zu lassen, da nicht die Sparguthaben der Kunden auf dem Spiel stünden, sagte Weill in dem CNBC-Interview. Hochrangige Vertreter der Banken lehnten entsprechende Pläne bislang allerdings ab. Sie argumentieren, die beiden Geschäftsbereiche balancierten sich gegenseitig aus und verliehen den Banken Stabilität.
Weill war bis 2003 Vorstandsvorsitzender der Citigroup und stand bis 2006 an der Spitze des Verwaltungsrat. Auf seinen überraschenden Kurswechsel angesprochen, sagte Weill auf CNBC, er habe in den vergangenen Jahren seine Meinung zur Struktur des Bankensektors geändert. „Die Welt verändert sich“, sagte er. „Die Welt, in der wir heute leben, ist eine andere als vor zehn Jahren.“
Mitte Juli hatte in Deutschland der Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard ebenfalls die Zerschlagung systemrelevanter Großbanken gefordert.
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