Die Yukos Oil Co rechnet bis Mitte August mit einem akuten Liquiditätsengpaß. Entsprechend äußerte sich der CEO des Erdölkonzerns, Steven Theede, am Donnerstag während einer Pressekonferenz. Das Unternehmen appellierte an die russische Regierung sowie die Behörden, Yukos nicht in den Konkurs zu treiben. Von der Steuerschuld für das Jahr 2000 von umgerechnet 3,4 Milliarden Dollar habe Yukos bisher etwa 300 Millionen Dollar aus laufenden Einnahmen getilgt.
Yukos warnte ferner, der von staatlicher Seite forcierte Verkauf der größten Erdölfördertochter Yuganskneftegaz könne zur Insolvenz des Konzerns führen. Die russischen Behörden hatten am Dienstag mitgeteilt, die Veräußerung der Tochter werde vorbereitet, um die Steuerschulden des Konzerns einzutreiben. Yuganskneftegaz liefert mit 26 Ölfeldern in Westsibirien fast zwei Drittel der gesamten Yukos-Förderung.
Nach Darstellung von Yukos fließen dem Konzern auf Basis der aktuellen Erdölpreise monatlich Barmittel von rund 1,8 Milliarden Dollar zu. Davon gingen rund 900 Milliarden Dollar auf Konten, die die Regierung blockiert habe. Möglicherweise würden sie zur Zahlung der Steuerschulden verwendet. Auf der anderen Seite stehe ein Abfluß von Barmitteln von monatlich konsolidiert 1,7 Milliarden Dollar. Das sich daraus ergebende Defizit an liquiden Mitteln habe Yukos für den Monat Juli decken können. Das werde spätestens Mitte August aber nicht weiter möglich sein.
Der Liquiditätsengpaß könne zu einem Stopp der Erdölförderung führen, was sich signifikant auf die russischen Ausfuhren von Rohöl und Erdölprodukten auswirken könnte. Anders als von der russischen Regierung behauptet verfüge Yukos nicht über bisher nicht genannte Barreserven innerhalb der Gruppe. Das Management unternehme gegenwärtig alles, um weitere Barmittel zu bekommen, um einerseits den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten und andererseits die Steuerschulden so schnell wie möglich zurückzuzahlen.