20.07.2004 · Der Gerichtsvollzieher soll nach Angaben des russischen Justizministeriums den Unternehmenskern des Ölkonzerns Yukos verkaufen. Der Fortbestand des Unternehmens gilt als gefährdet.
Der zu Steuernachzahlungen in Milliardenhöhe verurteilte Ölkonzern Yukos steht vor dem Zwangsverkauf seines wichtigsten Förderbetriebs und damit vor der Zerschlagung. Die von der Justiz beschlagnahmten Anteile am Tochterunternehmen Juganskneftegas könnten zwischen dem 26. und 30. Juli zur Tilgung der Steuerschuld veräußert werden, teilte ein Yukos-Sprecher am Dienstag mit. Die Verkaufssumme solle nach Justizangaben bei 1,75 Milliarden Dollar (1,41 Mrd Euro) liegen.
Der zum Verkauf stehende Yukos-Anteil dürfte aber nach Einschätzung des Brokerhauses UFG etwa elf Milliarden Dollar bringen. Dabei sei noch ein Abschlag von 25 Prozent wegen des übereilten Verkaufs eingerechnet, sagte Stephen O'Sullivan von UFG. Der beabsichtigte Verkauf treffe das Herz des Ölkonzerns. „Es sieht fast so aus, als ob dies ein Erstschlag zur Zerstörung des Unternehmens ist", sagte O'Sullivan. Yukos hätte leicht die Steuerschulden durch Verkauf anderer Vermögensteile aufbringen können, erklärte der Analyst. Damit steht er nicht allein: Der Zwangsverkauf käme einer Zerschlagung des Yukos-Konzerns gleich, sagte auch Waleri Nesterow von der Investmentgesellschaft Troika Dialog. Auf die Verkaufsnachricht hin brach der Yukos-Kurs an der Micex-Börse um rund neun Prozent ein.
In einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung des Ministeriums hieß es, nach einer Bewertung des Unternehmensteils Juganskneftegas - er hat bei Yukos einen Produktionsanteil von 60 Prozent - werde der Verkauf eingeleitet.
Juganskneftegas in Nordsibirien ist das Herzstück des größten russischen Ölexporteurs Yukos. Auf das Unternehmen entfallen 60 Prozent der Fördermenge und 70 Prozent der Yukos-Reserven. Die erste Silbe im Namen Yukos stammt von Yuganskneftegas (englische Schreibweise).
In der Moskauer Finanzwelt gelten die staatlich kontrollierten Unternehmen Gasprom und Rosneft sowie der Yukos-Konkurrent Surgutneftegas als potentielle Käufer. Bislang ist noch keiner der bei Yukos beschlagnahmten Vermögenswerte verkauft oder versteigert worden.
Aus Yukos-Sicht würde ein Zwangsverkauf zum derzeitigen Zeitpunkt gegen geltendes Recht verstoßen, da die Förderbetriebe für den Fortbestand des Unternehmens unabdingbar seien. Die Justizbehörden gaben am Dienstag in Moskau bekannt, daß Gerichtsvollzieher bislang 5,2 Milliarden Rubel (umgerechnet 143,6 Mio Euro) an Barmitteln von dem vor der Pleite stehenden Unternehmen eingetrieben hätten. An der Moskauer Börse verloren die Yukos-Aktien bis zum frühen Abend (Ortszeit) mehr als 17 Prozent ihres Wertes.
Der Yukos-Konzern ist rechtskräftig zur Nachzahlung von Steuern für das Jahr 2000 in Höhe von umgerechnet 2,8 Milliarden Euro verurteilt. Bis zum Monatsende will Yukos nach eigenen Angaben ein Drittel der Summe in bar zahlen. Das Unternehmen sieht sich derzeit nicht in der Lage, die gesamten Nachforderungen zu begleichen. Im laufenden Vollstreckungsverfahren wurden in den vergangenen Wochen Geschäftskonten gesperrt und Beteiligungen an Tochterunternehmen wie Juganskneftegas sowie weiteren Förderbetrieben eingefroren.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2461 | −0,22% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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