16.02.2004 · "Wir tun alles, damit unsere Leute freikommen", sagte ein Großaktionär. Anteilseigner von Yukos signalisieren Bereitschaft, Aktien im Wert von 14,6 Milliarden Dollar abzugeben.
Die Hauptaktionäre des russischen Ölkonzerns Yukos wollen den in Haft sitzenden früheren Vorstandsvorsitzenden und Mehrheitsaktionär Michail Chodorkowskij und seinen ebenfalls inhaftierten Vertrauten Platon Lebedjew freikaufen. Sie sind bereit, dafür im Austausch ihre Aktien im Wert von 14,6 Milliarden Dollar abzugeben. "Wir tun alles, damit unsere Leute freikommen", sagte Großaktionär Leonid Newslin dem Rundfunksender "Echo Moskwy". Man reagiere damit auf die Vorschläge von Leuten, die sich als Emissäre des Kremls ausgäben, sagte Newslin. Es gehe darum, die Anteile an Yukos ganz oder teilweise aufzugeben.
Ein anderer Hauptaktionär, Wladimir Dubow, der wie Newslin mittlerweile in Israel lebt, bestätigte gegenüber der Agentur Bloomberg die Bereitschaft zu dem Geschäft. "Ich würde sofort unseren Anteil für die Freilassung unserer Leute aufgeben", sagt er. "Der Preis spielt keine Rolle, es geht um die Menschen." Chodorkowskij ist der größte Teilhaber in der Menatep-Gruppe, die 44 Prozent an Yukos hält. Der 40 Jahre alte Unternehmer wurde Ende Oktober verhaftet; Lebedjew, der bisherige Chef der Muttergesellschaft Menatep, sitzt schon seit Anfang Juli in Untersuchungshaft. Newslin hob hervor, daß man nicht in gutem Glauben seine Anteile abgeben werde. "Es kann nur eine Garantie geben - erst die Freilassung, dann unseren Ausstieg", sagte der Großaktionär.
Geplatzte Fusion
Die russische Justiz hatte den Anteil von Menatep an Yukos eingefroren. Sie wirft Chodorkowskij Betrug und Steuerhinterziehung in Höhe von einer Milliarde Dollar vor. Chodorkowskij sieht seine Verhaftung als politisch motiviert an. Das Steuerministerium macht gegenüber dem Ölkonzern eine Steuerschuld in Höhe von 3,4 Milliarden Dollar geltend. Chodorkowskij galt bis vor kurzem als der reichste Unternehmer Rußlands; sein Vermögen wurde von der Zeitschrift "Forbes" 2002 auf 8 Milliarden Dollar geschätzt.
Newslin, dessen Vermögen im vergangenen Jahr von der gleichen Zeitschrift auf 1,1 Milliarden Dollar beziffert wurde, unterstützt derzeit die liberale Präsidentschaftskandidatin Irina Hakamada. Der 46 Jahre alte Dubow war bis vor kurzem Abgeordneter im russischen Parlament, wo er sich gegen das Vorhaben der Regierung einsetzte, die Steuern für Ölgesellschaften zu erhöhen. Die Kreml-Partei "Einiges Rußland" strich ihn nach Chodorkowskijs Verhaftung vor den Parlamentswahlen im Dezember von ihrer Wahlliste. Sowohl Newslin als auch Dubow sind von der russischen Justiz zur internationalen Fahndung ausgeschrieben, ebenso wie der Großaktionär Michail Brudno, der ebenfalls in Israel lebt. "Wir können keine Entscheidung für die treffen, die im Gefängnis sind", sagte Dubow gegenüber Bloomberg. Man reagiere nur auf Schritte des Kremls.
Nach Chodorkowskijs Verhaftung waren die Aktien von Yukos im Oktober und November um 25 Prozent gefallen; mittlerweile haben sie das Niveau von vor der Verhaftung wieder erreicht. Den Platz als führender Ölproduzent hat Yukos aber mittlerweile an seinen Konkurrenten Lukoil verloren. Eine schon besiegelte Fusion von Yukos mit dem Ölkonzern Sibneft war von dem kleineren Partner nach Chodorkowskijs Verhaftung aufgekündigt worden. Sibneft gehört dem 37 Jahre alten Unternehmer Roman Abramowitsch, dessen Vermögen auf 5,7 Milliarden Dollar geschätzt wird. Nach der geplatzten Fusion sind nach Aussagen Newslins auch die Verhandlungen von Yukos mit westlichen Ölunternehmen wie Exxon Mobil aufgegeben worden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2461 | −0,22% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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