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Russland Rosneft will zum größten Erdölförderer werden

 ·  Mit Rückendeckung von Kremlchef Wladimir Putin will der russische Staatskonzern Rosneft den größten börsennotierten Ölförderer der Welt schaffen. Die Russen wollen das Unternehmen TNK-BP komplett übernehmen. Das wäre die die größte Übernahme in der Ölindustrie seit 13 Jahren.

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Der Moskauer Staatskonzern Rosneft streckt seine Hand nach dem Russland-Geschäft des zweitgrößten europäischen Energiekonzerns BP aus. In informierten Kreisen in London hieß es am Donnerstag, Rosneft habe dem britischen BP-Konzern ein Angebot für dessen Hälfte an der russischen Ölgesellschaft TNK-BP unterbreitet. Rosneft würde mit der Übernahme zum mit Abstand größten börsennotierten Erdölförderer der Welt aufsteigen. Medienberichten zufolge sollen die Russen für TNK-BP 28 Milliarden Dollar in bar und eigenen Aktien bieten.

„Wir prüfen derzeit unsere Optionen einschließlich der vorliegenden Offerten“, sagte ein BP-Sprecher. Rosneft-Präsident Igor Setschin hielt sich am Donnerstag in London auf, um mit Bob Dudley, dem Vorstandschef von BP, über das Geschäft zu verhandeln. Die Aktienkurse beider Unternehmen legten zu.

Seinen Expansionskurs verfolgt Rosneft mit Unterstützung des Kremls. Konzernchef Setschin ist ein enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Mit der Zerschlagung des privaten Yukos-Konzerns, die der Kreml im Jahr 2003 zur Begleichung der angeblichen Steuerschuld von dessen politisch ambitioniertem Chef Michail Chodorkowskij initiierte, war Rosneft zum russischen Marktführer aufgerückt.

BP will seine Russland-Sparte nach einem jahrelangen Gesellschafterstreit loswerden. Die andere Hälfte an dem 2003 gegründeten Gemeinschaftsunternehmen gehört bisher einer Gruppe russischer Oligarchen. Möglicherweise will Rosneft auch deren Hälfte erwerben. Das Geschäft wäre damit die größte Übernahme in der Ölindustrie seit der Übernahme von Mobil durch Exxon im Jahr 1999. TNK-BP ist bisher mit einem Anteil von rund 40 Prozent das wichtigste Standbein von BP in der Ölförderung.

Unklar ist allerdings, wie Rosneft das Milliardengeschäft finanziert. Analysten gehen davon aus, dass der Kauf von 50Prozent an TNK-BP nicht erfolgen kann, ohne dass der Konzern neue Kredite aufnimmt, selbst wenn Rosneft einen Teil des Preises in eigenen Aktien bezahlt. Aus Finanzkreisen war zuletzt immer wieder zu hören, Rosneft verhandle über Bankkredite von maximal 18 Milliarden Dollar. Noch schwieriger würde die Finanzierung, wenn Rosneft TNK-BP komplett übernehmen sollte.

Der Konzern soll sich in den vergangenen Tagen auch mit den Oligarchen auf den Kauf von deren Hälfte an dem Gemeinschaftsunternehmen geeinigt haben (F.A.Z. vom 18. Oktober). Eine erwartete Kaufsumme von insgesamt mehr als 50Milliarden Dollar entspräche fast der Hälfte von Rosnefts Umsatz im vergangenen Jahr.

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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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