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Rußland Ein Amerikaner an der Spitze von Yukos

29.10.2003 ·  Ein Amerikaner steht nun an der Spitze des größten russischen Ölkonzerns. Nach der Verhaftung von Yukos-Chef Chodorkowskij hat Steven Theede die Leitung des Konzerns übernommen.

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Ein Amerikaner steht nun an der Spitze des größten russischen Ölkonzerns. Nach der Verhaftung des Yukos-Chefs Michail Chodorkowskij am Wochenende hat gemäß einem bei Yukos ausgearbeiteten Krisenplan Steven Theede die Leitung des Konzerns übernommen, der - bei fallender Tendenz - noch etwa 24 Milliarden Dollar wert sein soll. Der 51 Jahre alte Mann aus Kansas war vor zwei Jahren vom amerikanischen Ölunternehmen Conoco-Phillips, wo er als Vize-Präsident für Europa und Rußland zuständig war, zu Yukos gekommen. Analysten sehen ihn als geeigneten Mann, um Yukos in der schwierigen Zeit nach der Verhaftung ihres Vorstandsvorsitzenden zu leiten, da er das operative Geschäft genau kenne.

Theede war zuvor als "Chief Operating Officer" bei Yukos. Daß er nun die Geschäfte führe, sei nur logisch, sagte Yukos-Sprecher Hugo Erikssen, ein Norweger, der mehrere Sprachen, unter ihnen Deutsch, fließend spricht. Am Mittwoch gab es Spekulationen, der Aufsichtsrat werde Theede offiziell zum Vorstandsvorsitzenden ernennen. Der Aufsichtsrat unter seinem Vorsitzenden Simon Kukes, so heißt es bei Yukos, solle in der gegenwärtigen Situation eine wichtigere Rolle als bisher in dem Unternehmen spielen. Theede ist nicht der einzige ausländische Spitzenmanager bei Yukos. Auch der oberste Finanzmanager, Bruce Misamore, ist Amerikaner.

Als Amerikaner weniger angreifbar

Als Amerikaner ist Theede zugleich weniger angreifbar als die russischen Manager des Konzerns. Ein anderer Spitzenmanager und Aktionär von Yukos, Wassilij Schachnowskij, ist nämlich von der Staatsanwaltschaft der Steuerhinterziehung angeklagt worden. Der Leiter der Abteilung "Yukos-Moskwa", des Herzstücks des Konzerns für Produktions- und Finanzstrategie, habe zwischen 1998 und 2000 umgerechnet eine Million Dollar Steuern hinterzogen. Yukos hat nun versucht, Schachnowskij vor dem Zugriff der Justiz in Sicherheit zu bringen, indem man einen politischen Posten für ihn suchte, der ihm Immunität verschafft. Als Vertreter des Autonomen Kreises der Ewenken in Sibirien soll er im Föderationsrat sitzen.

Yukos besitzt in dem Kreis, der die Fläche von Deutschland und Frankreich hat, das Recht auf die Ausbeutung von Ölfeldern. Ein ehemaliger Vize-Präsident von Yukos, Boris Solotarjow, ist seit zwei Jahren Gouverneur des Kreises. Yukos hat seitdem Millionen Dollar in den Kreis investiert mit der Absicht, der Bevölkerung über den Winter zu helfen und die Infrastruktur des Gebiets zu verbessern. Die russische Staatsanwaltschaft hat jedoch am Mittwoch Klage gegen die Entscheidung angestrengt, daß Schachnowskij einen Sitz im Föderationsrat erhalten soll. Der Föderationsrat muß Ende des Monats zudem über die Ernennung Schachnowskijs entscheiden.

Der zweite Mann bei Yukos, Platon Lebedjew, war am 2. Juli verhaftet worden. Er ist Vorstandsvorsitzender der in Gibraltar ansässigen Gruppe Menatep, die 61 Prozent der Anteile an Yukos hält. Lebedjew wird - wie jetzt auch Chodorkowskij - die Unterschlagung von mehr als 280 Millionen Dollar bei der Privatisierung einer Düngemittelfabrik im Jahre 1994 vorgeworfen. Der Fall war jedoch schon im vergangenen Jahr durch einen Vergleich juristisch abschließend behandelt worden. Lebedjew sitzt derzeit im gleichen Moskauer Untersuchungsgefängnis Nummer 1 wie Chodorkowskij. Für beide endet die Untersuchungshaft vorläufig am 30. Dezember. Nach dem Gesetz kann sie jedoch in gewöhnlichen Fällen auf ein Jahr, in besonders schweren Fällen auf anderthalb Jahre verlängert werden. Wie lange die Affäre um Yukos sich hinzieht, weiß allerdings gegenwärtig niemand zu prophezeien.

Quelle: mwe., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2003, Nr. 252 / Seite 17
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