31.05.2005 · Auch nach dem Urteil gegen den früheren Yukos-Chef Chodorkowskij ist das Interesse der Unternehmen an einem Einstieg in Rußland ungebrochen. Im Zentrum des Interesses stehen die Energiereserven.
Auch nach dem Urteil gegen den früheren Yukos-Chef Michail Chodorkowskij ist das Interesse westlicher Unternehmen an einem Einstieg in Rußland ungebrochen. Trotz der zwischenzeitlichen Verunsicherung durch das Vorgehen der Staatsanwaltschaft gegen Chodorkowskij blieb Deutschland 2004 ein wichtiger Investor in Rußland. Experten erwarten keinen Abbruch.
„Auf Grund der starken Dynamik des russischen Marktes überwiegen trotz mancher Unsicherheit die positiven Investitionsentscheidungen, denn das Geschäft mit Rußland entwickelt sich derzeit ausgesprochen gut“, sagte Anton Börner, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels, am Dienstag.
Energieversorgung steht im Zentrum des Interesses
Im Fokus stehen die riesigen Gas- und Ölvorkommen in Rußland. So liest sich der Terminkalender von Gasprom-Chef Alexej Miller wie ein „Who is Who“ der Energiewirtschaft. In den vergangenen Monaten traf sich der Vorstandsvorsitzende des weltgrößten Gaskonzerns mit den Vorständen aller wichtigen Energiemultis, um die Möglichkeit von Kooperationen auszuloten. Darunter befanden sich die Chefs von BP, Statoil, Conoco-Phillips, Gaz de France, Total und Royal Dutch/Shell.
Arbeitstreffen gab es auch mit den deutschen Konzernen Eon, RWE und BASF. Kürzlich vereinbarten die BASF-Tochter Wintershall und Gasprom die gemeinsame Erschließung eines Gasfeldes in Sibirien. Interesse an solchen Kooperationen haben auch Eon und RWE. Rußland nimmt eine wichtige Rolle bei der Öl- und Gasversorgung Deutschlands ein. Die Bundesregierung begrüßt daher eine direkte Beteiligung von deutschen Energiekonzernen an russischen Gas- und Ölfeldern. Eine Schlüsselrolle kommt dabei Eon zu. Die Düsseldorfer verfügen über eine milliardenschwere „Kriegskasse“, um Übernahmen oder Unternehmensbeteiligungen zu finanzieren, und sind bereits an Gasprom beteiligt.
Auf dem Sprung oder bereits vor Ort: Siemens, Metro, C&A
Trotz des jüngsten Rückschlags drängt auch der Siemens-Konzern nach Rußland. Der Kauf des führenden russischen Turbinenherstellers Power Machines war kürzlich am Veto der Kartellwächter gescheitert. Die Münchner wollen nun laut Medienberichten ein neues Angebot vorlegen. „Wir bleiben auch dann am Ball, wenn uns beim ersten Anlauf etwas nicht gelingt“, sagte Vorstandschef Klaus Kleinfeld.
Aber auch Unternehmen aus anderen Branchen suchen ihre Chancen in Rußland. So kündigte der Handelskonzern Metro die Eröffnung von acht weiteren Märkten in Rußland an. Für Metro-Chef Hans-Joachim Körber ist das Land neben China der wichtigste Wachstumsmarkt. Auf den Spuren von Metro folgt die Bekleidungskette C&A, die kürzlich ihre erste Filiale in Moskau eröffnete. Rußlands Bekleidungsmarkt wird nach Einschätzung von Experten jährlich um bis zu 30 Prozent zulegen. „Der russische Markt bietet für C&A deshalb sehr gute Perspektiven“, sagte eine Sprecherin.
Automobilindustrie prüft den Aufbau von Fertigungsstätten
Die Metropole St. Petersburg mausert sich zum internationalen Automobilstandort: Nach Ford will nun Toyota eine eigene Produktion aufbauen. Der weltweit zweitgrößte Autobauer will ab 2007 in einem Werk in St. Petersburg jährlich 50.000 Fahrzeuge produzieren. Die deutschen Konzerne Daimler-Chrysler und Volkswagen prüfen ebenfalls den Aufbau von eigenen Fertigungen in Rußland.
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