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Rushhour des Lebens : Zwischen 30 und 40 muss alles passieren

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In der „Rushhour des Lebens“: Menschen zwischen 30 und 40 Bild: Jonas Wresch, Daniel Pilar, Archiv

Heiraten, Kinder kriegen, sich im Job etablieren - all das sollen Männer und Frauen zwischen 30 und 40 schaffen. Forscher, Politiker und Personalberater befassen sich mit der Rushhour des Lebens, aber noch ist es keinem gelungen, den jungen Leuten die Ausfahrt auf den Parkstreifen zu zeigen.

          Auf dieses Vorstellungsgespräch hatte der Chef sich besonders gefreut: Die Bewerberin hatte an Elite-Universitäten studiert, Jura mit glänzenden Noten abgeschlossen, und in ihren Zeugnissen gerieten die früheren Chefs ins Schwärmen über die Spitzenkraft. Doch als sie in den Raum marschierte, war der Herr baff: Die Kandidatin schob einen Kinderwagen vor sich her.

          Ihre Botschaft war klar: „Nicht ohne meine Tochter. Wer mich einstellt, kauft nicht nur eine Mitarbeiterin, er kauft eine Mutter.“ Wenige Bewerberinnen dürften das wagen, aber Michelle Obama war mutig. Und sie bekam die Management-Stelle an der Uni-Klinik von Chicago, obwohl sie Tochter Sasha mitbrachte. 37 Jahre war Michelle Obama da alt, ihr Mann kletterte schon die politische Karriereleiter empor, und sie musste alles auf einmal schaffen: den Job, den Haushalt, die Kinder - sie war in der Rushhour des Lebens.

          Typische Ausbildungs- und Erwerbsbiographie einer Frau
          Typische Ausbildungs- und Erwerbsbiographie einer Frau : Bild: F.A.Z.

          Ob in Amerika oder Deutschland, in diesen Jahren zwischen 30 und 40 prasselt auf Frauen und Männer alles zugleich ein: Sie wollen aufsteigen, aber auch den richtigen Partner finden, sie wollen vielleicht ein Haus bauen, aber auch Überstunden machen. Sie möchten die Kinder glücklich machen und die Chefs zufriedenstellen - eine fast übermenschliche Aufgabe. Es ist ein Leben auf der Überholspur.

          Forscher, Politiker und Personalberater befassen sich mit der Rushhour des Lebens, aber so richtig ist es noch keinem gelungen, den jungen Leuten die Ausfahrt auf den Parkstreifen zu zeigen. Es bleibt dabei: Zwischen 30 und 40 muss alles passieren, sonst wird aus vielen Träumen nichts.

          Wenn sich einer mit der Rushhour des Lebens auskennt, dann ist es Hans Bertram. Der Berliner Soziologe ist zwar selbst schon 66 Jahre alt, hat aber den Begriff „Rushhour“ für die stressige Lebensphase zwischen 30 und 40 Jahren geprägt. Die nötigen Studienobjekte findet der Soziologe in der eigenen Familie: Er hat drei Söhne im entsprechenden Alter.

          „Die Zeitspanne, in der junge Leute den Einstieg in den Beruf finden, heiraten und eine Familie gründen, wird immer kürzer“, sagt Bertram. Er beobachtet das Phänomen erst seit weniger als 20 Jahren. Für die 1930/1940 Geborenen sei das Leben noch ganz anders gelaufen. „Sie haben zwischen 22 und 26 geheiratet, sich für das erste Kind ein paar Jahre Zeit gelassen und das letzte mit 34 bekommen“, sagt Bertram. „Heute bekommt man das erste Kind zwischen 29 und 32, das letzte mit 31 bis 33, und dazwischen wird auch noch geheiratet.“

          Typische Ausbildungs- und Erwerbsbiographie eines Mannes
          Typische Ausbildungs- und Erwerbsbiographie eines Mannes : Bild: F.A.Z.

          Gleichzeitig hat sich der Berufseinstieg stetig nach hinten verschoben, da viel mehr Männer und Frauen eine akademische Ausbildung haben. Das liegt nicht nur daran, dass Studieren länger dauert als eine Ausbildung. „Wer in höhere Positionen einsteigt, hatte immer schon einen schwierigeren Berufseinstieg mit mehr Unsicherheiten zu Beginn“, sagt Bertram. Und wer gründet schon eine Familie, während er noch einen Zeitvertrag hat?

          Das muss man nicht unbedingt negativ sehen. „Die junge Generation hat enorme Freiheiten gewonnen, indem sie viele Entscheidungen nach hinten verschoben hat“, sagt Bertram. Dass die Männer und Frauen diese Freiheiten in den Jahren zwischen 20 und 30 genießen und lieber ein Auslandssemester machen und die Partner ein paarmal wechseln, anstatt als Studenten Kinder zu kriegen, findet er verständlich. „Das kann ihnen doch wohl keiner verbieten.“

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