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Rücktritt : Ackermann in der Verantwortung

Was die Ursachen für den Selbstmord des Schweizer Managers Wauthier waren, ist unklar. Josef Ackermann jedenfalls ist daraufhin zurückgetreten. Klar ist trotzdem: In der Menschenführung muss er sich den Vorwurf schwerer Defizite gefallen lassen.

          Jeder Selbstmord offenbart eine menschliche Tragödie. Was die Ursachen für die Verzweiflungstat waren und was am Ende den Ausschlag gab, bleibt in der Regel unergründlich. Das Leben von Managern wird überdurchschnittlich von der Karriere geprägt. Berufliche Gründe scheinen denn auch beim Suizid des Finanzvorstands Pierre Wauthier von der Zurich Insurance Group eine entscheidende Rolle gespielt zu haben.

          Das ist neben allen anderen möglichen Erklärungen auch eine Anklage gegen den Arbeitgeber. Verwaltungsratspräsident Josef Ackermann hat hieraus die Konsequenz gezogen und seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Zu erwarten war das nicht unbedingt.

          Der ungewöhnliche Schritt lässt mehrere Deutungen zu. Die für Ackermann freundlichste geht dahin, dass er, ohne Rücksicht auf seine persönliche Rolle und ähnlich wie Oswald Grübel von der UBS im Fall Adoboli, die „politische“ Verantwortung für den Vorfall übernimmt. Dies fiel ihm umso leichter, als er im Unternehmen nie heimisch geworden ist. Wahrscheinlich dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass beim kürzlichen Freitod des Vorstandsvorsitzenden der Swisscom, Carsten Schloter, ein tiefer Konflikt mit dessen Verwaltungsratspräsidenten mitschwang.

          Der Versuch eines Befreiungsschlags

          Die Familie von Wauthier nimmt Ackermann explizit in die Verantwortung. Bekannt ist, dass der sich selbst als fordernd und ungeduldig bezeichnende Manager in Zürich ein Unternehmen vorfand, das er im Vergleich zu seiner Bankkarriere als „Schlafwagengesellschaft“ empfand, die hinter der Konkurrenz zurücklag. Das wollte Ackermann ändern, ein Verwaltungsratspräsident in der Schweiz hat hier mehr Kompetenzen als ein Aufsichtsratschef in Deutschland.

          Wauthier hat darunter offenbar über die Maßen gelitten. Offen bleibt, ob Ackermann dies hätte erkennen können. Zumindest in zwei Besprechungen mit Wauthier anlässlich des jüngsten, unbefriedigenden Halbjahresergebnisses von Zurich Insurance ist dies anscheinend nicht gelungen.

          Der Verwaltungsratspräsident versucht jetzt einen Befreiungsschlag. Er möchte vermeiden, dass der unschöne Abgang aus der Deutschen Bank sogleich eine Wiederholung erfährt. Nach Deutschland will er nicht noch in seinem Heimatland in Misskredit geraten. Dass ihm dies gelingt, ist mehr als zweifelhaft. Ackermann mag als Manager und Stratege seine Verdienste haben. In der Menschenführung muss er sich in der Zurich Insurance Group den Vorwurf schwerer Defizite gefallen lassen.

          Jürgen  Dunsch

          Freier Autor in der Wirtschaft.

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          Quelle: F.A.Z.

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