Home
http://www.faz.net/-gqe-7h11u
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 30.08.2013, 08:08 Uhr

Rücktritt Ackermann in der Verantwortung

Was die Ursachen für den Selbstmord des Schweizer Managers Wauthier waren, ist unklar. Josef Ackermann jedenfalls ist daraufhin zurückgetreten. Klar ist trotzdem: In der Menschenführung muss er sich den Vorwurf schwerer Defizite gefallen lassen.

Jeder Selbstmord offenbart eine menschliche Tragödie. Was die Ursachen für die Verzweiflungstat waren und was am Ende den Ausschlag gab, bleibt in der Regel unergründlich. Das Leben von Managern wird überdurchschnittlich von der Karriere geprägt. Berufliche Gründe scheinen denn auch beim Suizid des Finanzvorstands Pierre Wauthier von der Zurich Insurance Group eine entscheidende Rolle gespielt zu haben.

Jürgen  Dunsch Folgen:

Das ist neben allen anderen möglichen Erklärungen auch eine Anklage gegen den Arbeitgeber. Verwaltungsratspräsident Josef Ackermann hat hieraus die Konsequenz gezogen und seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Zu erwarten war das nicht unbedingt.

Der ungewöhnliche Schritt lässt mehrere Deutungen zu. Die für Ackermann freundlichste geht dahin, dass er, ohne Rücksicht auf seine persönliche Rolle und ähnlich wie Oswald Grübel von der UBS im Fall Adoboli, die „politische“ Verantwortung für den Vorfall übernimmt. Dies fiel ihm umso leichter, als er im Unternehmen nie heimisch geworden ist. Wahrscheinlich dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass beim kürzlichen Freitod des Vorstandsvorsitzenden der Swisscom, Carsten Schloter, ein tiefer Konflikt mit dessen Verwaltungsratspräsidenten mitschwang.

Der Versuch eines Befreiungsschlags

Die Familie von Wauthier nimmt Ackermann explizit in die Verantwortung. Bekannt ist, dass der sich selbst als fordernd und ungeduldig bezeichnende Manager in Zürich ein Unternehmen vorfand, das er im Vergleich zu seiner Bankkarriere als „Schlafwagengesellschaft“ empfand, die hinter der Konkurrenz zurücklag. Das wollte Ackermann ändern, ein Verwaltungsratspräsident in der Schweiz hat hier mehr Kompetenzen als ein Aufsichtsratschef in Deutschland.

Wauthier hat darunter offenbar über die Maßen gelitten. Offen bleibt, ob Ackermann dies hätte erkennen können. Zumindest in zwei Besprechungen mit Wauthier anlässlich des jüngsten, unbefriedigenden Halbjahresergebnisses von Zurich Insurance ist dies anscheinend nicht gelungen.

Der Verwaltungsratspräsident versucht jetzt einen Befreiungsschlag. Er möchte vermeiden, dass der unschöne Abgang aus der Deutschen Bank sogleich eine Wiederholung erfährt. Nach Deutschland will er nicht noch in seinem Heimatland in Misskredit geraten. Dass ihm dies gelingt, ist mehr als zweifelhaft. Ackermann mag als Manager und Stratege seine Verdienste haben. In der Menschenführung muss er sich in der Zurich Insurance Group den Vorwurf schwerer Defizite gefallen lassen.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Korruptionsvorwürfe Japans Wirtschaftsminister tritt zurück

Der japanische Wirtschaftsminister, Akira Amari, hat eingeräumt, Geld von einer Baufirma angenommen zu haben, Korruptionsvorwürfe aber zurückgewiesen. Er trete nur zurück, damit der Skandal kein schlechtes Licht auf die Regierung werfe. Mehr

28.01.2016, 10:54 Uhr | Politik
Pakistan Tote bei mutmaßlichem Taliban-Angriff auf Universität

Bei einem Angriff auf eine Universität in Pakistan sind mehr als 20 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Die radikalislamischen Taliban übernahmen die Verantwortung für die Attacke. Mehr

20.01.2016, 13:10 Uhr | Politik
Weitere Nachrichten SMA Solar gelingt 2015 die Wende

Der schwer gebeutelte Solartechnik-Hersteller SMA Solar hat sich gut entwickelt, die Siemens-Aktionäre verlängern drei Aufsichtsratsmandate vorzeitig und die Chinesen torpedieren die Fusion der Demag-Mutter Terex mit einem finnischen Kranbauer. Mehr

27.01.2016, 06:47 Uhr | Wirtschaft
Serie Ich durchschaue Dich Diebstahl im Büro

Der dritte Teil unserer Videoserie geht der Frage nach, wie sich Diebstähle im Büro aufklären lassen. Kriminalist Marco Löw erklärt, wie man ein Gespräch mit einem Verdächtigen aufbauen kann und was man bei den Antworten der potenziellen Übeltäter beachten muss, um sie am Ende auch zu überführen. Mehr

05.02.2016, 20:37 Uhr | Beruf-Chance
Flüchtlingspolitik Migration als Reflexzonenmassage

Die grenzenlose Ausdehnung der Verantwortung muss ein Ende haben: Die Flüchtlingspolitik sollte ihren Horizont verengen. Ihre Probleme kann sie nur europäisch lösen. Mehr Von Christian Geyer

31.01.2016, 11:53 Uhr | Feuilleton

Wachstum in der digitalisierten Welt

Von Carsten Knop

Wie kann man Wachstum und Wohlstand in der digitalen Welt messen? Die Antwort geht alle an, denn die Vorteile des Fortschritts zahlen sich nicht für jeden aus. Mehr 5 21


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden