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Rohstoffe : Warum China die seltenen Erden freigibt

Schweißtreibende Arbeit in China: Die seltenen Erden werden weiterverarbeitet. Bild: Reuters

Lange behielt China seine Vorkommen für sich. Nun hebt das Land Exportbeschränkungen auf. Die Materialien sind nicht so wertvoll wie gedacht – zudem ist ein strategisches Ziel erreicht.

          China hat zu Beginn dieser Woche die Welt mit einer Nachricht zu seltenen Erden überrascht. Das Land hat nach Berichten staatlicher Medien die Exportbeschränkungen für die Materialien aufgehoben. Dem voraus ging ein Schiedsspruch der Welthandelsorganisation WTO, welche diese Quoten für unzulässig erklärt hatte. Doch das Gutachten stammt bereits aus dem Jahr 2013, und noch im Dezember 2014 lehnte es die chinesische Regierung ab, die Quoten zu senken.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die seltenen Erden sind für die Weltwirtschaft von enormer Bedeutung. Sie sind eine Gruppe von 17 Elementen, die einzigartige Eigenschaften besitzen und nicht durch andere Stoffe ersetzt werden können. Ohne sie wären Elektroautos, Mobiltelefone oder Fernseher kaum denkbar. Sie sind in Batterien, Windrädern und sogar vielen Rüstungsgütern enthalten. Die Schwierigkeit dabei: 86 Prozent aller seltenen Erden werden in China gefördert – dort befinden sich aber nur 30 Prozent der Reserven.

          Die seltenen Erden sind aber gar nicht so selten. 100 Millionen Tonnen der 17 Metalle – unter anderem die Elemente Yttrium, Thulium und Gadolinium – enthalten sind, finden sich in der Erdkruste, im sächsischen Storkwitz genauso wie in Grönland und Australien. Seitdem im Jahr 2002 die Förderung im amerikanischen Mountain Pass aus Umweltschutzbedenken eingestellt wurde, stieß China mit aller Kraft in diese Lücke.

          Die Phantasien über den Wert von seltenen Erden waren zu hoch angesetzt

          Nachdem sich das Land dort eine marktbeherrschende Stellung aufgebaut hatte, schränkte es die Ausfuhr im Jahr 2010 wieder ein. Die Begründung: Man wolle die Umwelt besser schützen. Denn beim Abbau fallen schwach radioaktive Abfälle an, und um die seltenen Erden aus dem Erz zu lösen, müssen giftige Säuren verwendet werden. Die Beschränkungen verteuerten die Rohstoffe deutlich, teilweise um das Zehnfache. Aber die Entscheidung zu weniger Exporten mutet nichtsdestotrotz merkwürdig an, denn bis dato war das Land nicht als großer Umweltschützer aufgefallen. Deshalb zogen unter anderen die Vereinigten Staaten vor das Schiedsgericht der Welthandelsorganisation.

          Doch warum lockert China ausgerechnet jetzt die Exportbeschränkungen? Der Analyst Frank Tang vermutet, dass der Sinneswandel „wahrscheinlich durch den Druck der WTO-Entscheidung zustande gekommen“ ist. Die chinesischen Behörden dagegen argumentierten, dass der Staat den Einfluss auf die Wirtschaft verringern wolle. Auch argumentieren Analysten, dass China nun eine seltene-Erden-Steuer einführen könnte. Mit dieser wäre eine bessere Steuerung der Exporte möglich.

          Doch der wahre Grund wird viel profaner sein: Die Phantasien über den Wert von seltenen Erden waren zu hoch angesetzt. Obwohl das Land rund 31000 Tonnen exportieren darf, wurde die Quote in den Vorjahren nie ausgeschöpft. 2013 wurden 22493 Tonnen exportiert, bis November waren es im Jahr 2014 rund 24886 Tonnen. Doch der Wert der Exporte ist um ein Drittel geringer als noch im Jahr 2013, wie aus Daten der Zollbehörden hervorgeht. Im Jahr 2012 lagerte das Land sogar 20000 Tonnen als strategische Reserve ein.

          Außerdem wird China ein wichtiges Ziel erreicht haben, nämlich mehr Technologiefirmen im Inland anzusiedeln. Der steigende Preis durch die Exportquoten zwang viele Konzerne dazu, sich in China anzusiedeln. Besonders die Region um Baotou hat profitiert, wo seltene Erden abgebaut werden. Dort werden mittlerweile viele Technologiegüter – egal ob es Batterien, Handys oder Flachbildschirme sind – hergestellt und sind auch nicht mehr von den Exportquoten abhängig.

          Dazu kommt, dass viele Unternehmen außerhalb Chinas mit ihren Plänen auf der Nase gelandet sind, zum Beispiel das australische Bergbauunternehmen Lynas. Es baut in Australien seltene Erden ab, die in Malaysia verarbeitet werden. Doch der Aktienkurs fiel von 2,60 australischen Dollar auf nur noch 6 Cent, ein Minus von mehr als 97 Prozent. Noch schlimmer sieht es bei Molycorp aus, dem größten Produzenten seltener Erden außerhalb Chinas. In Kalifornien hat der Konzern mit der Mountain-Pass-Mine eine Mine wieder hochgefahren, die bereits in den fünfziger Jahren seltene Erden förderte. Doch auch hier pulverisierte sich der Aktienkurs: Von 78 Dollar im Jahr 2011 fiel der Kurs auf aktuell 86 Cent, das ist ein Minus von 99 Prozent.

          Auch andere Projekte werden nun als unrentabel eingestuft, allen voran das größte Vorkommen der westlichen Welt. Das Vorkommen rund um den 690 Meter hohen Berg Kvanefjeld in Grönland beziffern Fachleute auf mehr als 6 Millionen Tonnen. Dank des warmen Klimas ist der Süden der Insel mittlerweile eisfrei. Doch allein die Erschließung des Vorkommens wird 2,3 Milliarden Dollar kosten, da erst Straßen und Kraftwerke gebaut und Stromleitungen und Pipelines verlegt werden müssten – zu teuer im Moment.

          Da sich nun abzeichnet, dass es momentan kein lohnendes Geschäft ist, und auch keine großen Konkurrenten auf dem Markt unterwegs sind, kann China es sich leisten, die Exportquoten aufzugeben. Sollte sich eine Änderung abzeichnen, wird China bei den seltenen Erden sicherlich eine ähnliche Taktik wie Saudi-Arabien beim Öl fahren: Man würde den Markt überschwemmen, um weiter Monopolist zu bleiben.

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