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Rohstoffe Stahl wird für Autohersteller und Verpackungsindustrie teurer

05.10.2004 ·  In diesem Jahr wird die Weltrohstahlproduktion erstmals die Schwelle von einer Milliarde Tonnen überschreiten. Ein Ende des Preisanstiegs ist nicht zu erkennen. Auch die deutsche Stahlindustrie profitiert.

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In diesem Jahr wird die Weltrohstahlproduktion erstmals die Schwelle von einer Milliarde Tonnen überschreiten. Der zu erwartende Zuwachs um etwa 55 Millionen Tonnen gegenüber der Ausbringung im Jahr 2003, als 965 Millionen Tonnen produziert wurden, ist stärker als noch vor Jahresfrist erwartet, wurde auf dem Weltstahlkongreß in Istanbul bekannt.

Die deutschen Stahlbetriebe, die im Sommer 2003 noch von Kurzarbeit bedroht waren und unter niedrigen Preisen gelitten haben, profitieren mit ihren rund 95 000 Beschäftigten von der starken Nachfrage. Die Nachfrage vor allem in Asien und der davon ausgelöste Preisauftrieb schützen die westeuropäischen Produzenten vor Importen. In den vergangenen Jahrzehnten hatte die Einfuhr aus Staaten mit vergleichsweise günstigen Kostenstrukturen oft Preiseinbrüche in Deutschland ausgelöst.

Die Stimmung ist so gut wie seit 1973 nicht mehr

Aber nicht nur deshalb ist die Stimmung auf der Stahlkonferenz in Istanbul so gut wie seit 1973 nicht mehr. Damals wußten die Teilnehmer der Stahlkonferenz in Johannesburg noch nichts von Erdölkrisen und ihren negativen Auswirkungen auf die Stahlwirtschaft. Nun sind die aus aller Welt angereisten Chefs der Stahlkonzerne überzeugt, daß der Aufschwung seinen Höhepunkt noch längst nicht erreicht hat. Ein Stahljahr 2005 in der Qualität des Jahres 2004 sei die pessimistischste Annahme, sagte Guy Dollé, der Vorstandsvorsitzende von Arcelor, das mit 45 Millionen Tonnen Rohstahlproduktion Weltmarktführer ist.

Basis für den in Istanbul vorherrschenden Optimismus ist die so schnell wie seit 15 Jahren nicht mehr wachsende Weltwirtschaft. Vor diesem Hintergrund hat der Generalsekretär des Weltstahlverbandes International Iron and Steel Institute (IISI), Ian Christmas, einen Anstieg des Stahlbedarfs in aller Welt um 7,6 Prozent im laufenden und 3,9 bis 5,0 Prozent im kommenden Jahr prognostiziert. Die IISI-Schätzungen für China fallen fast doppelt so hoch aus.

Nachfrage wird weiter zulegen

Auch für die deutschen Stahlproduzenten sind die Aussichten gut. Sie steuern nach Angaben von Dieter Ameling, dem Päsidenten der Wirtschaftsvereinigung Stahl, auf eine Produktion von 46,5 Millionen Tonnen zu, 3 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Wegen der bei wichtigen Stahlverbrauchern wie dem Maschinenbau gut gefüllten Auftragsbücher geht Ameling davon aus, daß der Verbrauch im nächsten Jahr um 2 Prozent wachsen wird.

Damit bestehen für die Produzenten weiterhin gute Chancen für Preisanhebungen. Seit 18 Monaten ziehen die Spotpreise von Quartal zu Quartal an. Sie sind inzwischen so hoch wie zuletzt vor acht Jahren. Selbst im Sommer 2003, als die Aufträge ausblieben und Vorbereitungen zur Kurzarbeit getroffen wurden, haben die Stahlerzeuger - erstmals seit Jahrzehnten - eher auf Lieferungen verzichtet als Preiszugeständnisse gemacht. Die Chefs der für die deutsche Industrie bedeutendsten Flachstahlhersteller haben in Istanbul unmißverständlich eine Fortsetzung dieser Politik angekündigt.

Stahlpreisanhebungen von mindestens 20 Prozent stehen bevor

Das gilt nun vor allem für die ein- oder mehrjährigen Verträge, die mit Großabnehmern aus der Automobil- oder der Verpackungsindustrie üblich sind. In ihnen ist noch nicht die drastische Teuerung fast aller Rohstoffe berücksichtigt. Zum Beispiel haben die drei dominanten Erzproduzenten im Januar einen Preisanstieg um 18 bis 20 Prozent durchgesetzt. Noch stärker steigen die Preise für Koks und Kokskohle.

Deshalb hat zum Beispiel Dollé für Jahresverträge eine Stahlpreisanhebung um mindestens 20 Prozent angekündigt. Wem das nicht passe, der werde nicht mehr beliefert, sagte Dollé. Außerdem will Arcelor bei länger laufenden Verträgen, über die das Unternehmen ein Viertel der Stahlproduktion verkauft, eine Preisindexierung einführen. Auch die deutschen Hersteller Thyssen-Krupp und Salzgitter wollen von mehrjährigen Kontrakten mit festen Preisen wegkommen.

Anlagen in Deutschland voll ausgelastet

In Deutschland sind die Anlagen der Stahlerzeuger nach Angaben von Ameling voll ausgelastet. Salzgitter kann nach Darstellung seines Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Leese als Weltmarktführer für Großrohre nicht mehr so viel Erdölrohre produzieren wie verkauft werden könnten, weil nicht genügend Material für die Walzwerke zur Verfügung steht.

Für die Stahlkonzerne ist dies eine gute Ausgangslage zur Ertragsverbesserung. Während in den zurückliegenden Jahrzehnten Rationalisierungen regelmäßig von Preiseinbrüchen konterkariert wurden, dürfte in diesem und zumindest noch im nächsten Jahr die in der Branche übliche Zielrendite auf das investierte Kapital von 12 Prozent erreichbar sein.

Quelle: St., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2004, Nr. 232 / Seite 12
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