Die Schließung des größten amerikanischen Ölfelds Prudhoe Bay hat den amerikanischen Rohölpreis an diesem Montag kräftig nach oben getrieben. Ein Barrel (159 Liter) der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) kostete 76,50 Dollar. Das war 1,74 Dollar mehr als zu Handelsschluß am Freitag. Ein Barrel der europäischen Leitsorte London Brent verteuerte sich um etwa 1,50 Dollar auf 77,66 Dollar.
Der britische Ölkonzern BP hat nach einer technischen Panne das größte amerikanische Ölfeld Prudhoe Bay im Norden Alaskas auf unbestimmte Zeit teilweise geschlossen. Grund sind Korrosionsschäden an einer Pipeline. In Prudhoe Bay werden etwa acht Prozent des Öls für den amerikanischen Markt gefördert. Mit der vorübergehenden Schließung wird die tägliche Produktionsmenge in den Vereinigten Staaten um 400.000 Barrel reduziert. Weltweit nimmt die Fördermenge pro Tag damit um ein halbes Prozent ab.
Schließung auf unbestimmte Zeit
„Wir bedauern, daß wir diesen Schritt unternehmen müssen, und wir entschuldigen uns bei der Nation und dem Bundesstaat Alaska für die ungünstigen Folgen, die dadurch entstehen“, teilte der neue BP-Amerika-Chef Bob Malone mit. BP hatte in der Nacht zum Sonntag die Schließung angekündigt, nachdem bei einer Routinekontrolle am Freitag eine unerwartet „schwere Korrosion“ sowie ein Leck in einer Pipeline festgestellt worden war. Zudem waren bei einer Inspektion Ende Juli an zwölf verschiedenen Stellen einer Ölleitung im östlichen Teil des Ölfelds 16 auffällige Merkmale entdeckt worden. Die Produktion werde erst wieder aufgenommen, wenn weitere Umweltschäden ausgeschlossen werden können, sagte der BP-Sprecher weiter. Allein die Stillegung der beschädigten Pipeline dauert nach Angaben von Malone mehrere Tage.
BP hält an Prudhoe Bay gut 25 Prozent. Beteiligt sind auch ConocoPhillips und und der weltweit größte Ölkonzern Exxon Mobil. Das 1968 entdeckte größte Erdölvorkommen der Vereinigten Staaten hat ein Volumen von elf Milliarden Barrel.
Probleme in Nahost und bevorstehende Hurrikansaison können Ölpreis weiter belasten
„Das ist ein schlechter Zeitpunkt“, sagte Energieexperte Victor Shum von der Energieberatungsgesellschaft Purvin and Gertz. Der Ölmarkt wird momentan durch die starke weltweite Nachfrage und die Probleme im Nahen Osten und Nigeria beeinflußt. Bereits in den vergangenen Wochen war der Ölpreis aufgrund des Kriegs im Nahen Osten deutlich gestiegen.
Auch die diesjährige Hurrikan-Saison hat inzwischen begonnen. Dies könnte zu einer Gefährdung der amerikanischen Ölförderung im Golf von Mexiko führen, falls es wie im Vorjahr zu schweren Hurrikans kommen sollte. Deshalb kommt die BP-Ankündigung über die vorübergehende Stilllegung des großen Ölfelds in Alaska zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.
Opec besorgt wegen Öl-Förderstop
Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat sich wegen der Schließung von Prudhoe Bay besorgt gezeigt. Es werde daran gearbeitet, daß es keine Produktionsausfälle gebe, erklärte die Opec am Montag. Die freie Produktionskapazität sei indes mehr als ausreichend, um den Ausfall auszugleichen, fügte die Opec hinzu. „Die Organisation wird die Situation prüfen und angemessen reagieren.“