27.08.2004 · Das Ende der Kämpfe in Nadschaf und Äußerungen der Opec haben die Lage am Rohölmarkt ein wenig entspannt. Teilweise fiel der Preis pro Barrel wieder unter 40 Dollar.
Die politische Entwicklung im Irak und beruhigende Äußerungen der Opec-Führung haben zu einer deutlichen Senkung des Rohölpreises geführt. Nach Angaben aus der Branche könnte sich die Entspannung auch mäßigend auf die hohen deutschen Benzinpreise auswirken.
Wie das Sekretariat der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) am Freitag mitteilte, sank der Durchschnittspreis für ein Barrel (159 Liter) sieben wichtiger Rohölsorten am Vortag erstmals seit zwei Wochen wieder unter die Marke von 40 Dollar. Er wurde mit 39,02 Dollar angegeben. In New York stieg der Ölpreis zwar nach seinem fünftägigen, scharfen Abwärtstrend am Freitag zwischenzeitlich wieder auf 43,48 Dollar, doch rechneten Beobachter zumindest in den nächsten Tagen mit weiteren Abschlägen bis in die Nähe von 40 Dollar.
Schiiten und die Opec beruhigen
Analysten in Wien und New York sehen als Auslöser für den weiteren Ölpreisrückgang die Einigung der Schiiten in der umkämpften irakischen Stadt Nadschaf. Das dort geschlossene Abkommen könnte dafür sorgen, daß auch die Anschläge auf die irakischen Öl- Infrastruktur aufhören könnten. Irak produziert zurzeit lediglich 1,6 Millionen Barrel täglich.
Beruhigend wirkten auch Äußerungen des Opec-Präsidenten Purnomo Yusgiantoro, der in Jakarta bekräftigte, seine Organisation werde alles tun, um einen weiteren Anstieg der Ölpreise zu verhindern und den Abwärtskurs zu unterstützen. „Der Ölpreis ist gefallen, wir wollen aber, daß er auf 30 Dollar zurückgeht“, sagte Yusgiantoro nach Angaben der Zeitung „Jakarta Post“ (Freitag). Die Organisation wolle über eine mögliche Erhöhung ihres Öl-Ausstoßes am 14. September entscheiden. Die elf Opec-Länder fördern zurzeit die Rekordmenge von rund 29,5 Millionen Barrel täglich und wollen die Produktion im September voraussichtlich um weitere 500.000 Barrel anheben.
Branchenexperten gehen jedoch nicht davon aus, daß der Rohölpreis weiter bis auf 30 Dollar je Barrel fallen wird. Entsprechende Absichtserklärungen von Opec-Präsident Yusgiantoro seien kurzfristig wenig realistisch, hieß es am Freitagmorgen in diesen Kreisen unter Verweis auf anhaltende Versorgungsängste.
Entspannung an der Zapsäule
Dennoch: Mit den sinkenden Preisen auf den internationalen Ölmärkten entspannt sich allmählich auch die Lage an den deutschen Zapfsäulen. „Die deutlich gesunkenen Kraftstoffnotierungen am Rotterdamer Markt werden sich auch an den deutschen Tankstellen niederschlagen“, sagte Shell-Sprecher Rainer Winzenried am Freitag in Hamburg. Voraussetzung sei allerdings, daß sich der Abwärtstrend als stabil erweise. Ein Liter Super kostete am Freitag im Schnitt 1,19 Euro, Normalbenzin 1,17 Euro und Diesel 99,9 Cent.
Öl zur Oktoberauslieferung stieg am Freitag im elektronischen Handel am New Yorker Warenterminmarkt Nymex zwischenzeitlich um 0,88 Prozent auf 43,48 Dollar je Barrel. Der New Yorker Ölpreis hatte am vergangenen Freitag mit 49,40 Dollar je Barrel einen Rekord verbucht. Damit ist der Ölpreis innerhalb von Wochenfrist um zwölf Prozent abgesackt. Die Benzin- und Heizölpreise waren in den vergangenen Tagen ebenfalls drastisch gefallen.
Optimistische Marktbeobachter gehen sogar davon aus, daß der amerikanische Ölpreis in den kommenden Tagen sich der 40-Dollar-Marke nähern könnte, falls es nicht zu erneuten Lieferunterbrechungen durch Terrorattacken kommt. Nicht nur die Lage im Irak entspanne sich durch das Friedensabkommen in Nadschaf. Auch der in einem Steuerdisput mit der russischen Regierung verwickelte größte russische Ölexporteur Yukos liefere weiter. Damit sei die derzeitige Risikoprämie für Rohöl von mehr als zehn Dollar zu hoch.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2463 | −0,21% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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