Home
http://www.faz.net/-gqe-6uan6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Risiken durch Derivatehandel OECD fordert Zerschlagung der Großbanken

Die OECD fordert eine Abtrennung des Investmentbanking vom Filial- und Kreditgeschäft, um die Risiken auf den internationalen Finanzmärkten abzubauen.

© dpa Vergrößern In Gefahr? Die OECD will Großbanken zerschlagen

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat in Paris eine Zerschlagung der internationalen Großbanken gefordert. Das Investmentbanking müsse vom Filialgeschäft für die Privatkunden und vom Kreditgeschäft für die Unternehmen getrennt werden, sagte Adrian Blundell-Wignall, der stellvertretende Leiter der für Finanzmärkte zuständigen OECD-Abteilung, vor Journalisten in Paris. Nur so könnten die stark gestiegenen Risiken auf den internationalen Finanzmärkten und das gegenseitige Misstrauen unter den Banken abgebaut werden. Auch das Problem der systemrelevanten Banken, die in Krisenzeiten unter Umständen von den Staaten zur Vermeidung von schweren Rezessionen gerettet werden müssten, würde so gelöst. Die Vorschläge der britischen Banken-Kommission unter Vorsitz von Sir John Vickers, die eine Abtrennung des Investmentbanking forderten, seien richtig. „Die sogenannte Volcker-Regel in den Vereinigten Staaten ist weniger ehrgeizig, und im Euroraum tut sich leider gar nichts“, sagte Blundell-Wignall, ein Australier, der selbst fast zwei Jahrzehnte im internationalen Bankgeschäft tätig war.

Christian Schubert Folgen:      

Die OECD weist seit geraumer Zeit auf die Risiken durch den stark gewachsenen Derivatehandel der Investmentbanken hin. Es gebe zwar etliche sozial nützliche Derivate, die Fluggesellschaften etwa vor hohen Kerosinpreisen oder Rentner vor Schwankungen ihrer Altersabsicherung schützten, doch der Großteil der Derivate bestehe aus Spekulationsgeschäften zwischen den Banken. Obwohl der Derivatehandel maßgeblich zur Finanzkrise 2008 beigetragen habe, sei er seither kaum reduziert worden, moniert die OECD. 1998 habe der globale Wert der im Umlauf befindlichen Derivate noch das Dreifache des Welt-Bruttoinlandsproduktes betragen, 2010 entsprach er dem Zehnfachen. Das traditionelle Bankgeschäft mit Krediten oder dem Aktienhandel habe dagegen stagniert. Damit sei auch das Argument entkräftet, dass der Derivatehandel und mit ihm die Innovation durch neue Finanzprodukte das klassische Bankgeschäft fördere. Der Derivatehandel habe wenig Nutzen für die Realwirtschaft.

Kritik an Bankenaufsehern

Die OECD ist auch gegenüber den Eigenkapitalvorschriften des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht skeptisch eingestellt. Die Kernkapitalquoten (Core Tier One und Tier) könnten nach den eigenen Berechnungsmethoden der Banken ausgewiesen werden. Dies sei besonders beim Unterposten der risikogewichteten Aktiva der Fall. Die OECD fordert stattdessen, dass die Banken eine allgemeine Verschuldungsquote (Leverage Ratio) ausweisen, in der das gesamte Vermögen und alle Verbindlichkeiten nach allgemein gültigen Kriterien berücksichtigt werden. Der Basler Ausschuss habe eine Leverage Ratio für 2019 von 3 Prozent in Aussicht gestellt, doch das sei nicht ausreichend.

Mehr zum Thema

Auch die Forderung nach Eigenkapitalaufschlägen für systemrelevante Banken reiche nicht aus. Diesen Banken würden in Zukunft noch mehr Derivate zuströmen, weil die Geschäftspartner wüssten, dass sie im Zweifel von den Regierungen gerettet würden, argumentiert die OECD. Dadurch entstünde eine Konzentration von Risiken in wenigen Banken. Die starke Vernetzung zwischen den Finanzakteuren, die auf der Beschaffenheit der komplizierten Derivateprodukte beruhe, vergrößere die Gefahren. Dies hätten weder die Aufseher in Europa noch in den Vereinigten Staaten erkannt. „Die Reformen der Dodd-Frank-Gesetzgebung in den Vereinigten Staaten sowie von Basel III berücksichtigen nicht ausreichend die Risiken, die aus der gegenseitigen Vernetzung der systemrelevanten Banken sowie ihrer übermäßigen Verschuldung entstehen“, meint die OECD.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Trennbankengesetz Schäuble kommt der Deutschen Bank entgegen

Deutschlands Banken müssen das besicherte Kreditgeschäft mit Hedgefonds nun doch nicht abtrennen, hat die F.A.Z. aus dem Finanzministerium erfahren. Das hilft vor allem einem Geldhaus. Mehr

19.09.2014, 08:05 Uhr | Wirtschaft
Kampf gegen Geldwäsche

Tut Deutschland zu wenig gegen Geldwäsche? Die OECD hat das Land aufgefordert, für Nachbesserungen im strafrechtlichen Bereich zu sorgen. Mehr

04.06.2014, 16:00 Uhr | Wirtschaft
Hintere Ränge Amerika abgeschlagen im Steuerwettbewerb

Die scheinbare Hochburg der Marktwirtschaft, Amerika, liegt im Steuerwettbewerb weit abgeschlagen auf einem hinteren Rang. Kein Wunder, dass Finanzminister Jacob Lew so scharf darauf ist, den Steuerwettbewerb einzuschränken. Mehr

16.09.2014, 06:49 Uhr | Finanzen
Raucherparadies Österreich

Jugendliche Raucher sind für Österreich ein großes Problem. Eine aktuelle Studie zeigt: In keinem anderen Land der OECD rauchen mehr junge Menschen als hier. Mehr

09.05.2014, 15:10 Uhr | Politik
Internationaler Zinsvergleich Putins Banken ködern deutsche Sparer

Die Zinsen in der EU sind in einem Tief, Tochtergesellschaften russischer Staatsbanken locken mit attraktiven Angeboten. Wie verträgt sich das mit den Sanktionen? Mehr

16.09.2014, 09:58 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.10.2011, 13:47 Uhr

Der Apple-Hype ist zurück

Von Carsten Knop

Egal ob Europa, Amerika oder Australien: Überall stehen Kunden vor den Apple-Stores in langen Warteschlangen, um die neuen iPhones zu kaufen. Die Erben des Steve Jobs führen die Marke perfekt weiter. Mehr 23 15


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Auf dem Weg in eine neue Internetblase?

In den Vereinigten Staaten mehren sich die Stimmen, die vor einer neuen Technologie-Blase warnen. Denn die Risikobereitschaft der Investoren ist so hoch wie lange nicht mehr. Mehr 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden