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Riester-Rente DIW kritisiert Erfolgsmeldungen

25.02.2010 ·  Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht die Erfolgsmeldungen der Bundesregierung und der Versicherungsbranche über den hohen Zuspruch für die Riester-Rente kritisch. Kosten seien oft zu hoch, die Konditionen unklar.

Von Kerstin Schwenn
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Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht die Erfolgsmeldungen der Bundesregierung und der Versicherungsbranche über den hohen Zuspruch für die Riester-Rente kritisch. In seinem jüngsten Wochenbericht fordert das DIW eine systematische Überprüfung der privaten Altersvorsorge über die Riester-Rente.

Es gebe ernstzunehmende Hinweise darauf, dass bei der Riester-Rente zum Teil die Kosten zu hoch und die Konditionen unklar seien, berichtete das Institut am Mittwoch in Berlin. Verbraucherschützer kritisierten unfaire Vertriebsmethoden, eine begrenzte Offenlegung von Kosten, unzureichende Verbraucherinformation sowie erfolglose Beschwerden.

Erfolgsmeldungen ohne Fundament

Außerdem, so moniert das DIW weiter, werde die eigentliche Zielgruppe der staatlich geförderten Altersvorsorge, nämlich Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen, zu selten erreicht. Die Bundesregierung messe den Erfolg der Riester-Rente vor allem an der Zahl der Vertragsabschlüsse, umfassende empirische Daten fehlten aber. "Es handelt es sich hier um Erfolgsmeldungen ohne Fundament", kritisierte DIW-Forscherin Kornelia Hagen.Tatsächlich hätten Schätzungen zufolge bisher höchstens 37 Prozent der potentiell Förderberechtigten einen Riester-Vertrag abgeschlossen. Damit blieben die bisherigen Abschlussquoten deutlich hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück. Die Riester-Rente, ein privates Altersvorsorgeprodukt, wurde 2002 als dritte Säule der Alterssicherung neben der gesetzlichen und betrieblichen Rente eingeführt und wird seither staatlich gefördert.

Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums sind seit 2002 rund 13,5 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen worden. Der Staat förderte dies mit Zulagen von rund 6 Milliarden Euro. Die Bundesregierung stellt der Riester-Rente nach DIW-Erkenntnissen "ein mit wenigen Abstrichen durchweg positives Gesamturteil" aus: Die Transparenz für den Verbraucher sei gegeben, weitere regulierende Eingriffe durch den Gesetzgeber seien nicht erforderlich. Das DIW betont, dem stehe die Einschätzung der Verbraucherorganisationen gegenüber, dass Kosten und Leistungen kaum zu überprüfen und zu vergleichen seien. "Dafür, dass es um ein Produkt geht, das von der Politik als eine tragende Säule der Altersvorsorge mit zunehmendem Gewicht eingeführt wurde, muss die Datenlage als eklatant unzureichend bezeichnet werden", schreibt das DIW. "Eine umfassende Marktbeobachtung und eine begleitende Evaluierung sind überfällig."

Lobby wehrt sich natürlich gegen die Kritik

Die Versicherungsbranche wehrt sich gegen die Kritik des DIW. Im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) heißt es, die Riester-Förderung sei für kleine und mittlere Einkommensbezieher sowie Familien attraktiv. Sie erreiche in diesen Gruppen eine Förderquote von bis zu 70 Prozent. "Die Riester-Förderung kommt bei den richtigen Gruppen an", sagte ein Sprecher. Ein Beleg für die Wirksamkeit sei ein aktueller Bericht der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen. Danach nähmen vor allem Geringverdiener und Familien mit Kindern die Zulagenförderung der Riester-Rente in Anspruch - also genau jene Einkommensgruppen, die verstärkt privat für das Alter werden vorsorgen müssten. Mehr als 30 Prozent der Zulageempfänger verfügten im Beitragsjahr 2006 über ein Einkommen von bis zu 10 000 Euro, mehr als 50 Prozent von bis zu 20 000 Euro und mehr als 70 Prozent von bis zu 30 00 Euro.

Die Riester-Förderung ist nach Auffassung der Versicherer "alternativlos, weil die meisten Menschen in Deutschland ihren Lebensstandard als Rentner ohne zusätzliche private Altersvorsorge nicht halten können". Anders als das DIW sehen die Versicherer eine hundertprozentige Ausschöpfung des "Riester-Potentials" nicht als sinnvolle Messlatte für den Erfolg: Viele Menschen sorgten bereits über andere Produkte vor, nicht zuletzt über die geförderte Entgeltumwandlung in der betrieblichen Altersversorgung. Die Forderung nach einer strukturierten Produktinformation und die Kritik eines intransparenten Kostenausweises treffe gerade auf die Riester-Rente nicht zu.

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Jahrgang 1963, Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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