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Grube-Nachfolge : Finanzvorstand Lutz soll neuer Bahnchef werden

Konfliktfreudig und erfahren: Richard Lutz soll die Spitze der Deutschen Bahn übernehmen. Bild: dpa

Richard Lutz führt die Deutsche Bahn nach dem Abgang Rüdiger Grubes übergangsweise. Jetzt soll aus dem Provisorium eine dauerhafte Lösung werden. Der künftige Konzernchef gilt als erfahrener Mann. Dennoch ist die Benennung eine große Überraschung.

          Bahn-Finanzvorstand Richard Lutz soll nach Angaben aus dem Aufsichtsrat an die Spitze des Staatskonzerns rücken. Lutz werde bei der Aufsichtsratssitzung in der nächsten Woche zum Nachfolger von Rüdiger Grube ernannt, sagten mehrere mit der Personalie Vertraute am Montag der Nachrichtenagentur Reuters.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Deutsche Bahn wollte die Nachricht gegenüber dieser Zeitung nicht kommentieren. Aus Konzernkreisen hieß es, dass der Aufsichtsrat das letzte Wort habe. Nachdem Grube im Streit um seine Vertragsverlängerung im Januar den Konzern verlassen hatte, führte Lutz bereits kommissarisch das Unternehmen. Schon vorher galt er als zweitmächtigster Mann der Bahn.

          Der 52 Jahre alte Lutz ist ein echtes Eigengewächs der Deutschen Bahn. Im Jahr 1994 kam der promovierte Diplomkaufmann mit 30 Jahren zum Konzern. Dort wurde er schnell zum engsten Vertrauten von Diethelm Sack, seinem Vorgänger in der Position des Finanzvorstandes. Seit dem Jahr 2003 war er für das Controlling zuständig, im Jahr 2009 beerbte er dann seinen Mentor Diethelm Sack auf dem Posten des Finanzvorstandes. Schon damals lobte der damalige Aufsichtsratschef Werner Müller den neuen Vorstand über den grünen Klee: Seine Berufung sei ein Beleg dafür, „dass die Bahn über hervorragendes Know-how in den eigenen Reihen verfügt“. Kaum einer dürfte die Zahlen des Konzerns so gut kennen wie der passionierte Schachspieler Lutz.

          Der Sieg des Außenseiters

          An die Rolle des neuen Bahnchefs muss er sich freilich noch gewöhnen. Er gilt als sehr konfliktfreudig, um nicht streitlustig zu sagen – und würde damit eher in der Tradition des langjährigen Bahnchefs Hartmut Mehdorn stehen und weniger in der des zurückgetretenen Rüdiger Grube.

          Die Benennung ist eine faustdicke Überraschung. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte ein umfangreiches Anforderungsprofil festgelegt: Technisch versiert soll er sein, mit betriebswirtschaftlichen Rechnungen vertraut und politisch so gut vernetzt, dass er den Koalitionstest besteht. Gehandelt wurden daher wesentlich illustrere Namen als der von Lutz: Der Schweizer Bahnchef Andreas Meyer sowie der Leiter der Siemens-Zugsparte, Jochen Eickholt, waren im Gespräch. Auch der frühere Vize-Bahnchef Volker Kefer sowie die Berliner Nahverkehrs-Chefin Sigrid Nikutta waren im Rennen. Große Chancen wurden zudem dem Technologievorstand von Siemens, Siegfried Russwurm, nachgesagt.

          Lutz soll dann ausgerechnet von dem ehemaligen Kanzleramtsminister und heutigen Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla ins Gespräch gebracht worden sein. Pofalla waren selbst auch Ambitionen auf die Nachfolge von Grube nachgesagt worden. Der CDU-Politiker traf aber auf Widerstand bei der SPD im Aufsichtsrat. Auch bei Arbeitnehmervertretern gab es wegen seiner geringen Erfahrung im Unternehmen Bedenken.

          Quelle: F.A.Z.

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