17.08.2008 · Der Dollar ist im Aufwind: Seit fünf Wochen legt die amerikanische Währung nahezu kontinuierlich an Wert zu, ist inzwischen zu Euro und Yen wieder so teuer wie zuletzt vor rund einem halben Jahr. Zulegen kann der Dollar, weil in Europa und Asien die Rezessionsangst wächst.
Von Claus Tigges, WashingtonDer Dollar ist im Aufwind. Seit fünf Wochen legt die amerikanische Währung nahezu kontinuierlich an Wert zu, ist inzwischen zu Euro und Yen wieder so teuer wie zuletzt vor rund einem halben Jahr. Der Rekordkurs des Euro von etwas mehr als 1,60 Dollar, der Mitte Juli erreicht wurde, ist in einige Ferne gerückt; rund 1,47 Dollar reichten zum Schluss der vergangenen Handelswoche zum Kauf eines Euro auf dem internationalen Devisenmarkt. Und Anleger müssen wieder rund 110 Yen für einen Dollar bezahlen, so viel wie seit Januar nicht mehr.
Als Grund für die Kurswende nennen Währungsfachleute insbesondere die deutlich verschlechterten Konjunkturaussichten im Euro-Raum, in Japan und in anderen Ländern. Befürchtungen der vergangenen Wochen, diese Volkswirtschaften steuerten auf eine Flaute, womöglich gar auf eine Rezession zu, sind durch die jüngsten Daten erhärtet worden. Sowohl die deutsche als auch die japanische Wirtschaft sind im zweiten Quartal geschrumpft. Die amerikanische Wirtschaft hat ihre Wachstumsrisiken zwar längst noch nicht überwunden - die Häuserkrise setzt sich fort, und auch die Spannungen auf den Finanzmärkten sind nicht ausgestanden. Doch es hat zuletzt weniger böse Überraschungen aus den Konjunkturdaten gegeben.
Der Dollar profitiert vom gesunken Ölpreis
Verschoben haben sich im Zuge dieser Entwicklung auch die Erwartungen der Marktakteure zum Kurs der Geldpolitik auf beiden Seiten des Atlantiks. Der Dollar profitiert von der Aussicht, dass die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) auf absehbare Zeit, womöglich im Herbst, den Leitzins ein Stück anheben wird, um die Inflationsgefahr einzudämmen. Die Verbraucherpreise in Amerika steigen derzeit mit einer Jahresrate von 5,6 Prozent so schnell wie seit 17 Jahren nicht mehr. Im Gegensatz dazu rechnet kaum ein Bankvolkswirt noch damit, dass die Europäische Zentralbank der Zinserhöhung von Anfang Juli eine weitere folgen lassen wird. Eine absehbare Verkürzung des Abstands der Notenbankzinsen und die Furcht vor einer Rezession im Euro-Raum belasten die europäische Gemeinschaftswährung in diesen Tagen erheblich.
Der Dollar profitiert darüber hinaus vom Ende der Rohstoffhausse, vor allem vom gesunkenen Ölpreis. Ökonomen weisen zwar darauf hin, dass sich langfristig kein empirischer Zusammengang zwischen Ölpreis und Dollarkurs nachweisen lässt. Doch seit einigen Monaten scheint eine gewisse Verbindung zu bestehen: Der Dollar hat zunächst unter dem Eindruck eines steigenden Ölpreises an Wert verloren, weil eine steigende Zahl von Investoren sich durch ein Engagement auf dem Ölmarkt gegen Inflationsrisiken absichern wollten. Nun hat der Ölpreis seit Mitte Juli rund 35 Dollar auf 113 Dollar je Fass nachgegeben, und der Dollar legt zu. Einige Marktbeobachter verweisen auf eine umgekehrte Kausalität: Der Ölpreis sei unter Druck geraten, weil der Dollar als Anlageform wieder attraktiver geworden sei.
Die deutschen Unternehmen freuen sich
Sosehr sich europäische Exporteure - nicht zuletzt die deutschen - über die jüngsten Kursverluste des Euro freuen mögen, so skeptisch sehen amerikanische Unternehmen die Entwicklung. Der von der Fed berechnete Dollar-Index, ein Maßstab des Außenwertes im Vergleich zu den Währungen wichtiger Handelspartner, ist von weniger als 70 Punkten Ende Mai auf fast 75 Punkte gestiegen. Darunter hat die Wettbewerbsfähigkeit schon ein wenig gelitten.
Das Erstarken des Dollar und die Konjunkturschwäche auf wichtigen Absatzmärkten könnten in den kommenden Monaten Spuren im Export hinterlassen. Dieser hat sich in der ersten Jahreshälfte als wichtige Stütze der amerikanischen Wirtschaft erwiesen. Im Mai - aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor - lag der Export amerikanischer Unternehmen gut 21 Prozent über Vorjahresniveau. Einige Bankvolkswirte haben aufgrund der jüngsten Zahlen zum Außenhandel ihre Wachstumsprognose für Amerika heraufgesetzt. Eine abermalige Korrektur dürfte fällig werden, sollte sich der Dollar-Aufschwung fortsetzen und die Weltwirtschaft weiter abkühlen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2463 | −0,21% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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