11.12.2008 · Im kommenden Jahr wird es richtig schlecht, aber dann kommt die Wirtschaft wieder in Schwung - so dachte man bislang. Das Münchener Ifo-Institut glaubt jedoch, dass auch 2010 noch mit einem Abschwung zu rechnen ist. Und 2009 soll das Minus sogar über der Marke von zwei Prozent liegen.
Der deutschen Wirtschaft stehen nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts zwei harte Jahre bevor. Im kommenden Jahr werde die Wirtschaftsleistung um 2,2 Prozent zurückgehen, teilte das Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Donnerstag mit. 2010 werde sich die Wirtschaft zwar wieder stabilisieren, wenn die Finanzkrise allmählich abebbe und die Weltwirtschaft sich bessere. Dennoch werde das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozent schrumpfen, kalenderbereinigt sogar um 0,3 Prozent.
„Das ist eine dramatische Zahl“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn zur Prognose seines Hauses für das kommende Jahr. Ifo hat damit die bislang negativste Erwartung der Wirtschaftsforschungsinstitute. Die Münchener Fachleute erwarten einen noch heftigeren Konjunktureinbruch als ihre Kollegen vom Essener RWI-Institut, die 2009 mit minus 2,0 Prozent rechnen. Auch die Zahl der Arbeitslosen dürfte nach einer zuletzt ermutigenden Entwicklung wieder steigen, hieß es. Das Institut geht von einem Anstieg um mehr als eine halbe Million aus. Im laufenden Jahr erwartet ifo noch ein Wachstum von immerhin 1,5 Prozent in Deutschland.
„Wie die Korken auf den Wogen der Weltkonjunktur“
Derzeit zeige in allen wichtigen Weltregionen der Trend nach unten, erläuterte Sinn. Deutschland als Exportnation könne sich dem nicht entziehen: „Wir schwimmen wie die Korken auf den Wogen der Weltkonjunktur. Das ist der Beginn der Rezession.“ Die Schwächephase könne durchaus länger dauern, fügte er hinzu: „Machen wir uns nichts vor: Die letzte Flaute, die wir hatten, dauerte von der Mitte des Jahres 2001 bis 2005. Man muss sich auf eine lang anhaltende Schwächephase gefasst machen.“
Vor allem der Einbruch bei den Exporten im Gefolge der weltweiten Konjunkturkrise dürfte den Ifo-Forschern zufolge die Wirtschaft im kommenden Jahr belasten. Exportweltmeister Deutschland werde hier mit einem Minus von fast sechs Prozent zu kämpfen haben. Wegen sinkender Kapazitätsauslastung, einbrechender Gewinnaussichten und restriktiver Finanzierungsbedingungen dürften die Unternehmen ihre Investitionen scharf um zehn Prozent drosseln. Auch der Bau rutsche ins Minus, mit Ausnahme des öffentlichen Nichtwohnbaus. Die Nachfrage nach Arbeitskräften dürfte in der Folge einbrechen.
Im Verlauf des Jahres 2009 dürften sich 540.000 Menschen zusätzlich arbeitslos melden, die durchschnittliche Quote liege damit bei 8,0 Prozent. Auch 2010 gehe der Arbeitsplatzabbau weiter, so dass die Zahl der Arbeitslosen im Jahresschnitt nahe an der Vier-Millionen-Grenze liege. Trotzdem erwarten die Ifo-Forscher für 2009 wegen steigender Reallöhne einen Anstieg des privaten Konsums.
Vielleicht löst sich die Bankenkrise doch schneller auf
Weitere Abwärtsrisiken für die Konjunktur können sich laut Ifo noch aus der weltweiten Finanzkrise ergeben. Die Bankenkrise könnte sich aber auch schneller als erwartet auflösen, auch aufgrund staatlicher Hilfen. Dann könnte sich die Kreditvergabe weniger restriktiv entwickeln als in der Prognose unterstellt, und die Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank würden positiv durchschlagen.
Die Inflation wird nach der Ifo-Prognose im kommenden Jahr auf nur noch 0,9 Prozent sinken. Im Jahr 2010 erwarten die Wirtschaftsforscher einen Anstieg der Verbraucherpreise um 1,4 Prozent. Bei der Staatsverschuldung sei 2009 und 2010 ein Rückschlag abzusehen. In zwei Jahren werde wahrscheinlich wieder die Defizitgrenze des Maastricht-Vertrages von 3,0 Prozent erreicht.
Um die Konjunktur auf Trab zu bringen, forderte der Ökonom Steuersenkungen und verstärkte staatliche Investitionen in Infrastrukturprojekte. Forderungen nach einer Ausgabe von Konsumgutscheinen erteilte er eine Absage. „Von Konsumgutscheinen halte ich rein gar nichts.“ Dies habe allenfalls einen kurzfristigen Effekt. Viel sinnvoller seien Steuersenkungen und Investitionen in Infrastruktur, sagte Sinn.
Soli abschaffen - „das wäre mal nicht falsch“
Der Solidaritätszuschlag beispielsweise habe sich nach fast 20 Jahren überlebt. „Wenn man ihn abschafft, erhöht man dauerhaft die Einkommen. Das wäre in dieser konjunkturellen Phase auf jeden Fall mal nicht falsch.“ Bei Infrastrukturprojekten gebe es ohnehin einen „riesigen Nachholbedarf“. Ausgaben für Schulen, Universitäten, aber auch Verkehrswege seien sinnvoll und sorgten für Beschäftigung in der Bauindustrie. Ein Konjunkturprogramm sollte aber mindestens 25 Milliarden Euro schwer sein.
Bisher hat die Bundesregierung ein Programm in Höhe von 12 Milliarden Euro aufgelegt und rechnet bereits im Oktober beschlossene Steuererleichterungen von 20 Milliarden Euro zu dem Maßnahmenbündel hinzu. Am 5. Januar will die große Koalition über mögliche weitere Konjunkturspritzen beraten.
| Name | Kurs | Prozent |
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| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2463 | −0,21% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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