17.10.2008 · Das hat es nie zuvor gegeben. In nur einer Woche schnüren Bundestag und Bundesrat für die Banken ein Rettungspaket über eine halbe Billion Euro. Jetzt wird es spannend: Welche Bank kommt zuerst aus der Deckung?
Von Holger SteltznerDas hat es nie zuvor gegeben. In nur einer Woche schnüren Bundestag und Bundesrat für die Banken ein Rettungspaket über eine halbe Billion Euro. Jetzt wird es spannend: Welche Bank kommt zuerst aus der Deckung? Die Banken haben mit dem drohenden Zusammenbruch des Finanzsystems den Bund um Staatshilfe erpresst, jedoch in der Kanzlerin und dem Finanzminister nervenstarke Verhandlungspartner gefunden, die die Empfänger von Steuergeld zu Recht zu Gehaltseinbußen und anderen Eingriffen zwingen.
Die Deutsche Bank prescht zum Entsetzen anderer Banken vor und erklärt, erstens keine Staatshilfe in Anspruch nehmen zu wollen. Zweitens wollen Aufsichtsrat und Vorstand des Branchenführers auf die erfolgsabhängige Vergütung für dieses Jahr verzichten. Der Verzicht hält sich wegen des geringen Erfolgs der Bank in Grenzen. Doch optisch macht die Vergleichsrechnung mit dem Vorjahr für den Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann etwas her, der, wie er sagt, zugunsten verdienter Mitarbeiter verzichte, die das Geld nötiger hätten als er.
Wer die Welt in den finanziellen Abgrund führt, hat keinen Bonus verdient
Wenn an diesem Maß das Gehalt gemessen werden soll, drängt sich die Frage auf, ob es solche Kollegen nur in diesem Jahr gibt. Und wenn das Institut, seine Kunden und die Aktionäre durch die Finanzkrise leiden, muss man fragen, ob der Verzicht nicht eher die Bank selbst stärken sollte. In jedem Fall ist die Latte für die Bonusverhandlungen in deutschen Banken endlich auf die richtige Höhe gelegt – nahe null. Wer die Welt in den finanziellen Abgrund führt, darf kein Lob erwarten und hat keinen Bonus verdient. Die Aufsichtsräte der Banken müssen jetzt nachholen, was sie zuvor versäumt haben. Sie müssen Verträge mit richtigen Anreizen machen, in denen Entscheidung und Verantwortung (Gewinn und Verlust) nicht länger getrennt sind.
Natürlich tragen Banken in Not den Makel der Staatshilfe. Das wird sie aber nicht davon abhalten, unter den staatlichen Schirm zu schlüpfen. Über den gleichen Gehaltsdeckel für jede Bank mag man streiten. Doch das Ziel stimmt. Bankmanager sind unverantwortliche Risiken eingegangen. Wer in der Krise das eigene Gehalt vor die Rettung der Bank stellt, gehört rausgeworfen. Der Wettlauf nach frischem Eigenkapital, um sich günstig refinanzieren und Risiken tragen zu können, wird viele Banken in die Arme des Staates treiben. In Amerika und England verhilft der Zwang zur Aufnahme von Staatskapital Banken zu Kernkapitalquoten von rund zehn Prozent. Wer diese Quote nicht erreichen kann, wird am Markt nicht bestehen.
Erfrischender Kommentar!
Rolf Huchthausen (huchthausen)
- 17.10.2008, 20:13 Uhr
Rettungspaket
Reiner Luecker (Reinerluecker)
- 18.10.2008, 01:50 Uhr
Die Vernunft kollektiven Handelns der Banken wird Stigmatisierung neutralisieren
Ami de Chapeaurouge (Schikane)
- 18.10.2008, 14:48 Uhr
Vergütung ist Sache der Eigentümer
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 18.10.2008, 15:57 Uhr
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