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Reserve der Bundesbank : Die Vermessung des Goldes

Goldbarren müssen 19,3 Gramm je Kubikzentimeter wiegen, um echt zu sein. Der Goldschatz der Bundesbank besteht aus mehr als 270.000 Barren zu jeweils 12,5 Kilogramm. Bild: REUTERS

Die Bundesbank holt 150 Tonnen Gold aus New York heim nach Deutschland. Sie will die Barren auch auf Echtheit überprüfen. Aber wie macht man das eigentlich?

          „Holt unser Gold heim“, so tönte eine Bürgerinitiative, sekundiert von Politikern wie Peter Gauweiler (CSU), Philipp Mißfelder (CDU) und sogar dem Bundesrechnungshof. So ganz vergeblich offenbar nicht: In den nächsten drei Jahren will die Bundesbank jetzt immerhin 150 Tonnen Gold im Wert von 6,4 Milliarden Euro aus den stark gesicherten Kellern der New Yorker Zentralbank Fed nach Deutschland holen. Das hat Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele in der vergangenen Woche angekündigt.

          Eine „ausgewogenere Verteilung der Goldbestände auf In- und Ausland“ ist das erklärte Ziel der Bundesbank. Aber auch die Überprüfung der Goldbarren auf Echtheit und Feingehalt: Dazu sollen die rund 12.000 Barren gewogen und mit Ultraschall untersucht, zum Teil aber auch eingeschmolzen und nach einer modernen Handelsnorm, dem „Good Delivery Standard“, neu gegossen werden.

          Der große Goldtransport soll im kommenden Jahr beginnen

          Seit längerem hatte die Heimhol-Bewegung darauf gedrungen, die Bundesbank solle ihre Goldreserven, die aus historischen Gründen überwiegend im Ausland lagern, endlich nach Deutschland überführen. Zum einen, um sicherzustellen, dass das Gold überhaupt noch da ist. Immer wieder hatte es Spekulationen gegeben, die ausländischen Verwahrer könnten es verliehen haben. Zum anderen, um bei einer Währungskrise möglichst problemlos auf die goldene Reserve zurückgreifen zu können.

          Der große Goldtransport soll im kommenden Jahr beginnen - und aus Sicherheitsgründen in vielen kleinen Tranchen erfolgen. Für den deutlich größeren Rest des Goldes, der in New York verbleibt, verhandelt die Bundesbank mit der Fed über bessere Revisionsrechte: Sie will die Währungsreserven genauer als heute überprüfen können. Schließlich hatte der Bundesrechnungshof moniert, es sei ein Unding, dass Gold der Bundesbank im Wert von knapp 100 Milliarden Euro in Tresoren in New York, London und Paris liege, ohne dass die Barren regelmäßig physisch in Augenschein genommen würden.

          Der Großteil des Goldbestandes der Bundesbank lagert im Ausland Bilderstrecke
          Der Großteil des Goldbestandes der Bundesbank lagert im Ausland :

          U-Boote wie Frankreich seinerzeit will die Bundesbank für die Überführung allerdings nicht einsetzen. Auch die Franzosen hatten in den 50er und 60er Jahren große Goldvorräte in New York angesammelt. Damals garantierte Amerika im Rahmen des Weltfinanzsystems von Bretton-Woods, dass ausländische Notenbanken ihre Dollarüberschüsse aus dem Welthandel zu einem festen Kurs in Gold umtauschen konnten. Das Gold wurde in New York eingewechselt - und blieb einfach da. Frankreichs Gold hatte Charles de Gaulle allerdings 1966 nach Paris bringen lassen. Der damalige Bundesbankpräsident Karl Blessing hingegen versicherte den Amerikanern, Deutschland werde sein Gold nicht holen, solange amerikanische Truppen in Deutschland stationiert seien.

          Später gab es ein anderes Argument, warum deutsche Goldvorräte lieber nicht in Frankfurt lagern sollten: Die Angst vor einem russischen Überfall. Schließlich liegt die Stadt nur 100 Kilometer Luftlinie von jenem Punkt entfernt, der im Kalten Krieg den Namen „Fulda Gap“ trug - eine Stelle an der innerdeutschen Grenze, die sich aufgrund ihrer topographischen Gegebenheiten für einen Einmarsch des Warschauer Pakts geeignet hätte.

          Schon vor Jahren wurden 930 Tonnen aus London abgezogen

          All diese Gründe entfallen inzwischen. Bereits zu Anfang des vorigen Jahrzehnts hatte die Bundesbank deshalb aus London 930 Tonnen Gold abgezogen. Bei einer Überprüfung daheim war alles in Ordnung, die Barren waren zusammen sogar 30 Kilo schwerer als sie hätten sein müssen. Der Schritt damals hing auch mit den unterschiedlichen Gebührenmodellen der Goldverwahrer zusammen: Die Bank of England nimmt Geld für die Lagerung, die Bundesbank zahlt eine halbe Million Euro im Jahr dafür. In New York hingegen ist es so, dass man nichts zahlt, wenn das Gold nur da liegt. Hingegen wird eine Gebühr fällig, wenn man etwas hinzufügt, herausholt, oder prüft: ein Anreiz, das Gold nicht zu bewegen.

          Die Fed hatte stets argumentiert, die ausländischen Notenbanken vertrauten ihren Sicherheitsvorkehrungen so sehr, dass sie gern auf eine eigene Prüfung der Goldbestände verzichteten. Immerhin ist der Tresor 25 Meter tief in den Fels von Manhattan gesprengt worden. Nur mit einem Aufzug kommt man hinunter. Dort gibt es eine 90 Tonnen schwere Tür, die sich nicht herausnehmen, sondern nur um 90 Grad drehen lässt. Zweimal im Jahr müssen die Wachleute an einem Schießtraining teilnehmen- und zwar mit Pistole, Schrotflinte und Gewehr.

          Gefälschte Goldbarren sind selten, aber möglich

          Die Geheimniskrämerei der Bundesbank hatte den Mythos um das Gold noch befördert. Schon die Ausreden, warum man die Barren in New York nicht zählen könne, klangen abenteuerlich. Mal hieß es, ein Flugticket für einen Wirtschaftsprüfer über den großen Teich würde das Budget der Institution sprengen, mal befürchtete man diplomatische Verwicklungen mit Amerika. Jetzt wurde überhaupt zum ersten Mal veröffentlicht, wo wie viel deutsches Gold gelagert ist.

          So groß wie in Hollywood-Filmen sind die Goldbarren übrigens nicht. Was man dort sieht, ist meistens angemaltes Pappmaché. Die Goldbarren der Bundesbank sind etwa 20 mal acht Zentimeter groß und 12,5 Kilo schwer. Jeder ist gut eine halbe Million Euro wert.

          Wenn man Goldbarren auf ihre Echtheit untersuchen will, gibt es übrigens ein Problem: Relativ sichere Methoden - wie Aufbohren oder Zersägen - führen leider zur Zerstörung der Barren. Wohl auch deshalb erwägt die Bundesbank, ihre Barren zu analysieren, indem sie einige einschmelzen lässt. Gefälschte Goldbarren sind zwar nicht häufig, wie Goldexperten sagen, aber es gibt sie: In Asien und Afrika etwa tauchten Barren auf, die einen Kern aus Wolfram hatten, einem Element mit einem ähnlichen Gewicht wie Gold. Und in Deutschland gab es mehrfach Fälle, bei denen Iridium beigemischt war: ironischerweise ein mittlerweile auch recht teures Material.

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