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Rentenpläne der Parteien : Für die Jüngeren wird es teuer

Weil Rentner eine große Gruppe bilden, werden sie von den Parteien im Wahlkampf besonders umworben. Bild: plainpicture/Bildhuset/Paulina W

Wer schon Mitte 50 ist, dem stellen die Rentenpläne aller Parteien mehr Geld in Aussicht. Die jüngeren Generationen zahlen drauf.

          Wer heute zwischen 41 und 62 Jahre alt ist, kann mit den Plänen der SPD für eine Rentenreform mehr als 25.000 Euro gewinnen. Wer aber erst Anfang 20 oder jünger ist, der verliert mehr als er gewinnt. Vergleichbares lässt sich über die Pläne der CSU zum weiteren Ausbau der Mütterrente sagen, nur verlaufen dabei die Grenzen einige Jahrgänge früher: Wer zwischen 59 und 80 ist und einst geeignete Kindererziehungszeiten eingelegt hatte, kann davon mit mehr als 5000 Euro profitieren. Wer jünger als 53 ist, zahlt dagegen drauf. Diese und weitere Ergebnisse hat die Prognos AG in einem Gutachten für die arbeitgeberfinanzierte Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ermittelt.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die Zahlen, welche die Initiative zunächst über die „Bild“-Zeitung verbreitet hatte, geben jeweils Gesamtbeträge für die verbleibende Lebenszeit von Durchschnittsversicherten an. Sie verrechnen für jeden Geburtsjahrgang die erwarteten zusätzlichen Rentenleistungen mit der erwarteten Belastung durch die zusätzlich benötigten Beiträge und Steuern. Die hochgerechneten Beträge beziehen sich jeweils auf den Vergleich mit einer Politik, die am bestehenden Rentensystem nichts ändert. Das Gutachten soll nebenbei beleuchten, wie sich die Pläne der Parteien in der Zeit bis 2045 auf das Rentensystem insgesamt auswirken.

          Die Vorschläge von SPD und CSU stehen dabei vor allem aus einem Grund im Mittelpunkt: Beide Parteien haben einige ihrer Vorstellungen schon konkret genug dargelegt, so dass damit Berechnungen möglich sind. Für die CDU – und für mögliche gemeinsamen Pläne der Union – jenseits der Mütterrente gilt das bisher nicht. Die Unionsparteien haben in ihrem gemeinsamen Programm nur angekündigt, nach der Bundestagswahl eine Kommission einzusetzen, die Vorschläge zur „Weiterentwicklung der Rente“ liefern soll.

          Beitragssatz soll bei 22 Prozent des Bruttolohns stoppen

          Das Konzept der SPD, das Kanzlerkandidat Martin Schulz im Juni vorgestellt hatte, sieht vor, das Rentenniveau auf dem heutigen Stand von 48 Prozent des Durchschnittslohns einzufrieren. Praktisch bedeutet dies, dass die jährlichen Rentenerhöhungen künftig auch bei stark steigenden Rentnerzahlen stets mindestens so hoch ausfallen sollen wie die durchschnittliche Lohnsteigerung der Arbeitnehmer. Der einst von Rot-Grün eingeführte „demographische Faktor“ – er dämpft den Rentenanstieg, wenn sich die Relation von Rentnern und Beitragszahlern verschlechtert – würde abgeschafft. Berechnungen zufolge würde dieser Faktor das rechnerische Rentenniveau bis 2045 auf knapp 42 Prozent sinken lassen.

          Um die Beschäftigten nicht zu überfordern, will die SPD den Anstieg des Beitragssatzes bei höchstens 22 Prozent des Bruttolohns stoppen und dafür mehr Steuergeld in die Rentenkasse stecken. Für 2030 rechnet sie, neben einem Beitrag von 21,8 Prozent, mit einem zusätzlichen Steuerzuschuss von gut 15 Milliarden Euro. Für die Zeit nach 2030 hat sie keine Zahlen vorgelegt. Prognos geht in seiner Hochrechnung davon aus, dass der zusätzliche Zuschuss auf 125 Milliarden Euro im Jahr 2045 steigen müsste – neben dem ohnehin geltenden Bundeszuschuss, der bis dahin von heute gut 80 Milliarden Euro auf 152 Milliarden Euro steigen werde. Die Prognos-Zahlen sind inflationsbereinigt und in Preisen von 2015 angegeben.

          CSU will mehr Rente für gerechte „Mütterrente“

          Die CSU will nach der Bundestagswahl dagegen in jedem Fall ihre Vorstellungen von einer gerechten „Mütterrente“ vollenden. Im Grundsatz erhält damit je ein Elternteil, meist die Mutter, für jedes Kind Rentenansprüche gutgeschrieben, denen keine eigene Beitragszahlung gegenübersteht. Durch eine Reform von 1992 war die Gutschrift für künftige Geburten auf drei Rentenpunkte erhöht worden; dabei entspricht ein Rentenpunkt derzeit einer Monatsrente von rund 30 Euro. Zuvor hatte es nur einen Punkt je Kind gegeben.

          Da die CSU in dieser Wahlperiode die Leistung von Müttern der damals geborenen Kinder stärker honorieren wollte, hatte sie 2014 eine Anhebung auf zwei Punkte durchgesetzt und will für diese Mütter nun auch den dritten Punkt erreichen. Die Rentenkasse würde dies weitere rund sieben Milliarden Euro im Jahr kosten. Ein Punkt entspricht den Rentenansprüchen, die ein Durchschnittsverdiener mit den Beitragszahlungen eines Jahres erwirbt.

          Der CSU-Vorschlag stellt jedoch nur einen kleinen Ausschnitt aus den rentenpolitischen Überlegungen der Union dar. Zu den übrigen Fragen, darunter auch mögliche Eingriffe ins Rentenniveau, will die Union in der geplanten Kommission einen Konsens mit den Sozialpartnern suchen. Das bedeutet, dass dort dann auch Gewerkschaftsvertreter auftreten. Diese wollen sich allerdings mit den von der SPD angebotenen 48 Prozent für das Rentenniveau nicht zufriedengeben – sie wollen auf Dauer mindestens 50 Prozent erreichen.

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