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Renten-Debatte : Die Deutschen haben Angst vor Armut im Alter

  • Aktualisiert am

Fast zwei Drittel der jungen Deutschen findet, von Armut im Alter bedroht zu sein. Bild: dpa

Ob breiten Schichten in Deutschland wirklich Altersarmut droht, ist umstritten. Gefühlt ist die Antwort laut einer neuen Erhebung aber eindeutig – vor allem unter jungen Menschen.

          Die Mehrheit der Deutschen findet nach einer repräsentativen Erhebung, dass ihr Armut im Alter droht. Das geht aus dem neuen ARD-Deutschlandtrend hervor. Auf die Frage, ob sie sich ausreichend abgesichert fühlen für die Zeit des Ruhestands, antworteten 57 Prozent der Befragten mit Nein. Zugleich traut laut dieser Umfrage kaum jemand der Regierung zu, daran etwas zu ändern: Mehr als zwei Drittel der Befragten äußerten die Ansicht, dass Berlin sie nicht vor der Altersarmut bewahren kann.

          Die Zahlen fallen mitten in eine neue Renten-Debatte, die führende Regierungspolitiker vor rund zwei Wochen vom Zaun gebrochen hatten. Erst CSU-Chef Horst Seehofer und nach ihm Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) brachten eine (umfangreiche) Rentenreform ins Gespräch - und befanden dabei in unterschiedlicher Deutlichkeit die Riester-Rente für ziemlich unbrauchbar, Seehofer verwendete sogar das Wort „gescheitert“.

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          Nachdem mittlerweile auch die CDU grundsätzlich bereit ist darüber zu reden, mehren sich die Stimmen und Argumente. Finanzminister Wolfgang Schäuble und die Junge Union machten sich etwa stark dafür, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln und also von 67 Jahren zu erhöhen.

          Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) wiederum attackierte seinen bayerischen Amtskollegen für dessen Rentenpläne mit deutlichen Worten. „Das ist ein massiver Vertrauensverlust und in der Sache falsch“, sagte er gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und bezog sich damit konkret auf die Idee, die staatliche Rente wieder zu stärken.

          Die Politik könne nicht 16 Millionen Sparern mit Riester-Verträgen erklären, es sei falsch einzuzahlen, nachdem sie eineinhalb Jahrzehnte genau diese Empfehlung gegeben habe. „Ich halte eine kapitalgedeckte Zusatzversorgung für unverzichtbar. Wer darauf verzichtet, setzt komplett auf die staatliche Rente, was extrem die Arbeitskosten belasten würde“, so Bouffier. Seehofers Einlassungen seien genauso wie die Kritik von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) ein Angriff auf die Generationengerechtigkeit. Eine Abkehr von der Kapitaldeckung würde die Jüngeren einseitig belasten. „Das führt ins Elend und ist die geplante Enteignung der nächsten Generation.“

          Dabei ist tatsächlich die brisante Frage, wie vielen Deutschen Armut im Alter droht, durchaus umstritten. Während vor allem Sozialverbände das so sehen und auf das geplante sinkende Rentenniveau verweisen, steht dem das Argument gegenüber, dass die Renten bis zum Jahr 2030 wohl stärker steigen werden als die Teuerungsrate und damit die Einkommen der Rentner real wachsen werden.

          Wie der neue Deutschland-Trend zeigt, fühlt sich aber von dieser Diskussion unabhängig zumindest die Mehrheit der Menschen  von Altersarmut bedroht. Und zwar die jungen Menschen noch mehr als die Älteren. Von den Befragten im Alter zwischen 18 und 34 Jahren halten sich nicht 57 Prozent, sondern beinahe zwei Drittel für nicht ausreichend abgesichert. Das ist besonders bemerkenswert, weil offenbar zugleich immer weniger Menschen der „Generation Y“ regelmäßig für das Alter sparen, wie aus einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest und der Hertie School of Governance hervorgeht - demnach ist es nur ein Drittel und damit 3 Prozentpunkte weniger als noch vor sechs Jahren, als diese Umfrage zum ersten Mal durchgeführt worden war.

          „Die Mehrzahl der jungen Leute ist optimistisch, wenn sie an ihre eigene Zukunft denkt", erklärt Jugendforscher Klaus Hurrelmann, der alle drei Untersuchungen geleitet hat. „Aber die Generation Y zweifelt immer mehr an der privaten Vorsorge. Nur 35 Prozent aller Jugendlichen sparen regelmäßig für ihre Altersversorgung. Dabei erstaunt der Realitätssinn der jungen Leute. Ihnen ist klar, dass die Vorsorge-Angebote und die jetzigen Rahmenbedingungen kein angemessenes Leben im Alter sichern.“

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