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Reiseziel Burma Warten auf den Ansturm

 ·  Die Meißenerin Tina Rehm managt ein Hotel mit 130 Mitarbeitern im entlegenen Hinterland Burmas - jetzt strömen die Touristen herbei. Die Buchungszahlen schnellen in die Höhe.

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© Christoph Hein Noch ist Tina Rehm die einzige Weiße im Hinterland von Burma

Sie ist ruhig, gelassen, zurückhaltend. So wie das Land, das sie sich zum Leben gewählt hat. Es ist so ruhig, dass es hier keine Tageszeitung gibt, das Internet sich nur schleppend anlässt, der Strom ständig ausfällt. Die Menschen sind arm, gemessen am westlichen Standard. Aber Bagan in Burma macht süchtig. Und deshalb lebt Tina Rehm hier seit einem knappen Jahr. Sie führt die Geschäfte im Tharaba Gate Hotel, inmitten der alten Buddha-Tempel und Stupas. Bislang war Bagan weltberühmt als eines der wichtigsten Kulturerben der östlichen Welt, aber aufgrund des Militärregimes in Burma und der Sanktionen des Westens kaum besucht. Seit die Generäle ihre Uniformen abgelegt haben, die festgesetzte Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ins Parlament einziehen darf, ändert sich das. Die Touristen klopfen an die Tür des wohl schönsten Landes Südostasiens. „Für die Hochsaison, den Dezember, sind wir schon praktisch ausgebucht“, sagt Rehm.

Sie hat ihren Gang nach Bagan „noch keine Stunde bereut“. Sicher, das Land zwischen Indien und China liegt fernab der Heimat. Rehm ist die einzige Weiße, die dauerhaft in Bagan wohnt. „Dafür habe ich immer mehr Kontakt zu den Einheimischen“, sagt sie. Und zu ein paar Engländern, die Ballonfahrten über die weitläufigen Tempelanlagen anbieten.

So hat es denn auch nur kurz im Bauch gekribbelt, als sie neulich ihre früheren Kollegen besuchte: Rehm flog ins thailändische Bangkok, denn dort war das Kreuzfahrtschiff Queen Elizabeth vor Anker gegangen. „Das war schon ein wenig schmerzhaft. Aber am Ende war ich froh, wieder hier zu sein“, sagt die 33 Jahre alte Managerin. Auf dem Vorgängerschiff hatte Rehm zwei Jahre als Bartenderin gearbeitet. Dabei war ihr das Weltenbummeln ganz und gar nicht in die Wiege gelegt: Geboren in Lommatzsch bei Meißen, die Eltern bodenständig als Elektriker und Verkäuferin, machte die Tochter eine Ausbildung zur Hotelfachfrau im Sauerland. Es folgte das Studium an der Fachschule in Marburg. „Ich habe nie groß Pläne gemacht, aber dann doch gemerkt, dass ich etwas erreichen kann“, sagt Rehm. Bis dahin kannte sie Europa und Amerika nur von Rucksackreisen.

Das sollte sich ändern, als sie in See stach. „Eine wunderschöne Zeit“, erinnert sie sich. Aber auch anstrengend. Ein halbes Jahr durcharbeiten, dann zwei Monate Urlaub, dann ein neuer Sechs-Monats-Vertrag. Sie lernte die Welt kennen, legte Geld auf die hohe Kante, weil sie keine Miete zahlen musste, arbeitete an Bord mit Menschen aus 47 Nationen zusammen. „Richtig seekrank war ich nur einmal. Ausgerechnet vor Piräus“, erinnert sie sich.

Im November 2008 dann die Rückkehr nach Dresden. Sie war entschlossen, Fuß zu fassen. „Ich hatte einen tollen Job, eine eigene Wohnung. Aber irgendwie passte es nicht zusammen.“ Da erhielt sie eine Einladung ins damals noch festverschlossene Burma. Nach ein paar Wochen im Land war es um sie geschehen. „Mein Vater hat mich in Dresden am Flughafen abgeholt. Er wusste sofort Bescheid, dass ich zurück nach Burma wollte.“ Als ein Jahr später die Stelle als Hotelmanager im bei Ausländern beliebten Savoy-Hotel in Rangun frei wurde, griff sie zu. „Viele meiner Freunde wussten nicht mal, wo Myanmar liegt“, schmunzelt sie. „Ich kam mit zwei Koffern an, hatte am Anfang natürlich Angst“, erinnert sie sich. Der Zusammenhalt im entlegenen Rangun gerade unter den Ausländern aber war groß. Man half sich, wo man konnte. „Irgendwann haben mich die 90 Mitarbeiter im Savoy als Mama betrachtet“, sagt Rehm.

Ein Jahr später wechselte sie auf die Hochebene von Bagan, nun in Diensten burmesischer Hotelbesitzer. Die Sicherheit der Lebensmittel in dem entlegenen, heißen Entwicklungsland sei ihre größte Sorge. „Wir machen alles selber, unser Brot backen, die Marmelade, das Eis“, sagt die Managerin von 130 Mitarbeitern. „Wenn wir etwas brauchen, versuchen wir, es über unseren Einkäufer in Rangun zu bestellen.“ Aber manche Gäste verstünden einfach nicht, dass es da schon mal einen Engpass geben könne - etwa wenn an einem Abend das Tonic-Water ausgeht.

Bereitmachen für den Ansturm

Auch die Versorgungslage aber wird sich ändern. Denn Bagan bereitet sich auf einen Ansturm vor. „Bagan hat jetzt 2000 Betten, eine weitere Hotelzone ist in Planung. Wir können leicht weitere 3000 Betten gebrauchen“, sagt die Managerin mit Blick auf die explodierenden Buchungszahlen. „Der Boom hat begonnen.“ 2010 hatte Burma rund 800000 Touristen empfangen, ein Zwanzigstel der Zahlen des benachbarten Thailand.

„Bisher haben wir in etwa ausgeglichene Ergebnisse geschrieben“, sagt sie. „Jetzt aber geht es richtig los, jetzt machen wir hier Gewinn.“ Schwer allerdings sei es, in Bagan Mitarbeiter zu finden. „Wir brauchen noch 30 Leute.“ Im Schnitt liegt der Lohn bei umgerechnet rund 80 Dollar. Doch mit dem erwarteten Ansturm der Touristen steigen auch die Löhne.

Tina Rehm hat das Rüstzeug für das aufblühende Bagan. Vieles wird sich ändern. Bald werden wohl auch andere Ausländer in der Tourismusindustrie anheuern. „Noch aber fällt man hier als Ausländerin auf“, sagt sie. „Schon jetzt habe ich drei Heiratsanträge bekommen.“

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

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