http://www.faz.net/-gqe-74eck
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 17.11.2012, 09:17 Uhr

Reise durch Südostasien Obama in Burma

Präsident Obama besucht Burma nicht aus reiner Menschlichkeit. Seine Reise durch Südostasien ist das Ergebnis globaler Strategiespiele – und der asiatische Staat ist eine der wichtigsten Stationen.

von
© dapd Welcome Obama: Burma freut sich auf den Besuch des amerikanischen Präsidenten

Als der Sturm die Dächer der Häuser wegriss, als er Wände aus Bambusrohr eindrückte wie Pappe, und Schiffe abheben ließ als seien sie aus Papier, da wussten die Burmesen, es würde sich noch viel mehr ändern: Für sie war das Brausen nur ein Zeichen des Himmels.

Christoph Hein Folgen:

Der Zyklon Nargis, der 2008 mehr als hunderttausend Menschen ihr Leben kostete, war für sie ein Orakel, eine Offenbarung, ein göttlicher Fingerzeig darauf, dass das verhasste Militärregime bald weggefegt werde, der Sturm den Generälen ihre Uniformen vom Leib reißen würde, das Land von der Junta gesäubert werde, der Neuanfang bevorstand. Sie sollten recht behalten.

Opposition hofft auf „Oburma-Effekt“

Seit jeher blicken die Burmesen auf Zeichen von ganz oben. Nicht nur vor großen Entscheidungen ließ sich der brutale Junta-Chef Than Shwe die Sterne deuten. Anfang dieser Woche wurde die Hauptstadt Naypyidaw von Erdstößen erschüttert. Was wollen die Götter den Burmesen diesmal sagen? Wird nun die scheinbar bleierne Ordnung in diesem Teil Asiens zerfallen? Vieles deutet darauf hin. Doch ist es weniger göttliche Fügung als irdische Machtpolitik, die an den Grundfesten dieses Zentrums Asiens rüttelt.

Sie kommt an diesem Montag in Gestalt Barack Obamas nach Burma. Als erster amerikanischer Präsident wird er das Land besuchen, das sich selbst Myanmar nennt. Schon bei der ersten Wahl Obamas 2008 hoffte die burmesische Opposition auf den „Oburma-Effekt“ für ihr Land, das Stärken der Demokratiebewegung. Auch für Thein Sein, den vom General zum Erneuerer Burmas weiß gewaschenen Präsidenten, wird der Händedruck mit seinem amerikanischen Amtskollegen zum Ritterschlag.

Obama Asia © dapd Vergrößern Kennen sich schon: Hillary Clinton und Aung San Suu Kyi

Obama kommt nicht aus Menschlichkeit. Seine Reise durch Südostasien ab diesem Samstag ist das Ergebnis globaler Strategiespiele. Es spricht für die Weitsicht im Weißen Haus, diesen Knotenpunkt Asiens in den Fokus der Weltöffentlichkeit zu rücken. „Kurz gesagt finden wir in Burma den Code, um die Welt der Zukunft zu verstehen. Burma ist der Preis, um den zu kämpfen sich lohnt - wie China und Indien dies alles andere als dezent schon machen“, sagt Robert Kaplan, Asienkenner und Berater des amerikanischen Verteidigungsministeriums.

Zwar wurde Burma von der Junta abgewirtschaftet und ist heute eines der Armenhäuser Asiens. Doch liegt hier die wichtigste Kreuzung der Region, schiebt sich das Land wie ein Keil zwischen Indien, China und Südostasien. „Burma liegt genau in der Mitte zwischen Delhi und Bombay und Schanghai und Hongkong. Es ist die fehlende Verbindung“, sagt Thant Myint-U, burmesischer Historiker und Enkel des früheren Generalsekretärs der Vereinten Nationen, U Thant.

Mehr als ein Transitstaat

Hier stoßen die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt aufeinander, berühren sich die größte Diktatur und die größte Demokratie der Erde, ringt die größte Wirtschaftsmacht Asiens mit der drittgrößten um Rohstoffe. Durch Burma zogen Mönche und Legionäre, Kolonialherren und Söldner, Samurai und persische Prinzen, Händler und Emissäre.

„Insbesondere China wünschte sich Burma als einen Vasallenstaat für den Bau von Häfen, Autobahnen und Pipelines, die Chinas Süden und Westen den Zugang zum Meer verschaffen, durch den Chinas immer weiter wachsende Mittelklasse ihr Öl vom Persischen Golf erhalten kann“, beschreibt Kaplan die Lage.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Vietnam Der Feind meines Feindes

Die früheren Kriegsgegner Vietnam und Amerika rücken im Konflikt mit China immer enger zusammen. Bei seinem Besuch in Hanoi wird Präsident Obama am Sonntag als Partner empfangen. Mehr Von Till Fähnders, Singapur

21.05.2016, 11:21 Uhr | Politik
Washington Obama bei Pressedinner zu Scherzen aufgelegt

Der amerikanische Präsident Barack Obama war bei einem Pressedinner bestens gelaunt. Unter anderem scherzte über seinen Besuch bei Prince George. Mehr

01.05.2016, 18:54 Uhr | Politik
Südchinesisches Meer Obama plädiert für friedliche Lösung

Auch große Länder müssen die Souveränität von kleinen achten, sagte der amerikanische Präsident gemünzt auf die Territorialstreitigkeiten im Südchinesischen Meer. Wen Obama damit meint, ist klar. Mehr

24.05.2016, 11:16 Uhr | Politik
Video Obama und Merkel pochen auf TTIP noch 2016

Der amerikanische Präsident Barack Obama hat bei seinem fünften und wohl letzten Deutschland-Besuch im Amt gesagt, dass die Verhandlungen zum umstrittenen Freihandelsabkommen TTIP bis Jahresende abgeschlossen werden könnten. Kritiker befürchten unter anderem, dass bei einem Abkommen der Verbraucherschutz aufgeweicht wird. Mehr

25.04.2016, 15:03 Uhr | Politik
Obamas Besuch in Hanoi Amerika beendet Waffenembargo gegen Vietnam

Vietnam habe das legitime Interesse, sich zu verteidigen, sagt der amerikanische Präsident. Die Entscheidung habe nichts mit China zu tun, betonte Obama. Mehr

23.05.2016, 09:10 Uhr | Politik

Mehr Wettbewerb im Taximarkt

Von Britta Beeger

Hat es das Taxi-Gewerbe geschafft, den unliebsamen Wettbewerber Uber loszuwerden? Hoffentlich nicht! Verbote dürfen nicht die Antwort auf innovative Ideen wie die von Uber und Airbnb sein. Mehr 1 2


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Umfrage Zwei Drittel der Europäer für Grundeinkommen

Gute Idee oder schlicht Schwachsinn? Immer mehr Menschen diskutieren über ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Schweizer stimmen bald ab. Nun kommt eine überraschende Umfrage heraus. Mehr 62

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“