http://www.faz.net/-gqe-75hct

 Reichensteuer : Putin macht Depardieu zum Russen

  • Aktualisiert am

Gérard Depardieu hatte kürzlich in Belgien ein Haus gekauft, um seinen Hauptwohnsitz ins Nachbarland zu verlegen. Er will damit der neuen französischen Reichensteuer von 75 Prozent entgehen. Bild: dpa

Putins neuer Coup: Mit einem Federstrich macht der Kremlchef Gérard Depardieu zum Russen. Russland freut sich nun auf seinen „neuen herausragenden Mitbürger“. Der Star selbst schweigt dazu.

          Der französische Schauspieler Gérard Depardieu (64, „Cyrano de Bergerac“, „Asterix und Obelix“) ist nun Russe. Präsident Wladimir Putin (60) verlieh seinem „Freund“ mit einem Ukas die russische Staatsbürgerschaft, wie der Kreml am Donnerstag mitteilte. Depardieu hatte sich zuvor über hohe Steuern für Reiche in Frankreich beschwert und seinen Wohnsitz nach Belgien verlegt. Daraufhin bot ihm Putin bei einer großen Pressekonferenz am 20. Dezember halb im Scherz einen russischen Pass an. Auch Regierungschef Dmitri Medwedew lockte den Star mit dem niedrigen russischen Steuersatz von nur 13 Prozent.

          „In Übereinstimmung mit Absatz a des Artikels 89 der Verfassung der Russischen Föderation ist der Antrag auf russische Staatsbürgerschaft von Gérard Xavier Depardieu, geboren 1948 in Frankreich, angenommen worden“, lautete der kurze Text, den der Kreml auf seiner Internetseite veröffentlichte. „Ein Witz wird Realität“, titelte das russische Internetportal newsru.com daraufhin und schrieb: „Präsident Wladimir Putin hat den Russen einen neuen herausragenden Staatsbürger geschenkt.“

          Depardieu hatte bald nach Putins Angebot gesagt, der Kremlchef habe ihm bereits einen russischen Pass geschickt. Doch Putins Sprecher Dmitri Peskow wies das als Scherz zurück.

          Der französische Verfassungsrat hatte die auch von Depardieu kritisierte Reichensteuer von jährlich 75 Prozent auf Einkommen von mehr als einer Million Euro noch kurzfristig gestoppt. Dennoch hielt der Schauspieler an seinen Auswanderungsplänen fest. Sobald reiche Europäer mehr über das günstige russische Steuersystem erführen, werde es eine „Massenmigration“ geben, schrieb der russische Vizeregierungschef Dmitri Rogosin bei Twitter.

          „Falls Gérard wirklich eine russische Aufenthaltsgenehmigung oder einen russischen Pass will, so ist diese Frage bereits positiv entschieden“, hatte Putin am 20. Dezember gesagt. In Russland gab es indes ein geteiltes Echo auf die Einbürgerung. „Gérard Depardieu kennt und liebt Russland, das immer auf ihn gewartet hat“, sagte der Präsident der Internationalen Vereinigung russischer Landsleute, Pjotr Scheremetjew. Der Regisseur Wladimir Meschow hingegen, der mit Depardieu den Film „Sawist Bogow“ (2000, Der Neid der Götter) drehte, sagte: „Das bedeutet nicht, dass er ein russischer Patriot ist.“

          Quelle: DPA

          Weitere Themen

          Assad und Putin beraten über politische Lösung Video-Seite öffnen

          Syrien-Krieg : Assad und Putin beraten über politische Lösung

          Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich bei einem Treffen in Sotschi mit seinem syrischen Amtskollegen Baschar al-Assad für eine politische Lösung des Syrien-Konflikts ausgesprochen. Der gemeinsame Kampf gegen Terrorismus auf syrischem Boden nähere sich allmählich dem Ende, sagte Putin.

          Topmeldungen

          Unruhe bei Sozialdemokraten : Was will die SPD?

          Bloß keine Neuwahlen! Und bloß keine Große Koalition! Die SPD trägt ihren inneren Konflikt zur eigenen Zukunft mittlerweile offen aus.Parteichef Schulz steht bereits unter Beschuss. Wie viel Unterstützung hat er noch?
          Bei dem Unfall in der Münchner Innenstadt wurden zwei Personen schwerverletzt, ein Fahrer erlitt leichte Verletzungen.

          Bei Unfall in München : Über 200 Gaffer behindern Rettungskräfte

          Zahlreiche Schaulustige haben bei einem Unfall in der Münchner Innenstadt die Rettungskräfte zum Teil massiv behindert. Erst nach zahlreichen Platzverweisen kommen Polizei und Feuerwehr zu den Verletzten durch. Das könnte Konsequenzen haben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.