Friedrich Merz ist Reformer des Jahres 2004. Jury und Leser der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und von FAZ.NET wollen eine große Steuerreform. Das war 2003 nicht anders: damals wurde der Steuerexperte Paul Kirchhof Reformer des Jahres.
Merz wie Kirchhof wollen das Einkommensteuerrecht einfacher und gerechter machen. Das Votum für Merz zeigt im übrigen auch: Die Demission des Vizefraktionschefs der Union hat dem Charme seiner Reformvorschläge keinen Abbruch getan.
Andrea Nahles ist Blockierer des Jahres. Nahles‘ Konzept einer Bürgerversicherung konnte - trotz seines attraktiven Namens - die Leser nicht überzeugen. Sie haben durchschaut, daß hinter der Verpackung nichts anderes als eine Erhöhung der Steuern steckt. Die Reformerin entpuppt sich als Blockiererin.
Lesern wählten anders als Jury
Auffallend sind in diesem Jahr die Abweichungen zwischen dem Votum der Leser und der Jury. In die Endwertung gingen beider Stimmen je zur Hälfte ein. Anders als bei den Lesern der F.A.S. kam bei der Jury Friedrich Merz nur auf den zweiten Platz - hinter Bundeskanzler Gerhard Schröder. Die Jury - nicht gerade SPD-Stammklientel - war beeindruckt von der reformerischen Standhaftigkeit des Kanzlers.
Noch extremer fielen die Abweichungen bei der Wahl des Blockierers ins Auge: Für die Leser ist Oskar Lafontaine der Oberschurke. Die Jury hievte Horst Seehofer auf den ersten Platz, der wiederum von den Lesern als eher harmlos auf Platz sechs gesetzt wurde. Andrea Nahles rangierte bei Lesern wie Jury auf Platz zwei und erhielt deshalb in der Gesamtwertung den Spitzenplatz.
An der gemeinsam von F.A.S. und Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft veranstalteten Aktion haben sich mit 7517 Teilnehmern gut 800 Leser mehr als 2003 beteiligt. Die Auszeichnung „Reformer des Jahres 2004“ wird am Dienstag, 30. November im Hamburger Bahnhof in Berlin verliehen.