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Reederei Hamburg greift nach Hapag-Lloyd

12.02.2012 ·  Die Hansestadt will 420 Millionen Euro investieren und größter Aktionär der Container-Reederei werden. Die Stadt fürchtet offenbar, der Umschlag im Hamburger Hafen könnte leiden, falls Hapag-Lloyd in fremde Hände fiele.

Von Johannes Ritter, Hamburg
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© AFP Hapag-Lloyd im Hamburger Container-Hafen

Die Hansestadt Hamburg wird voraussichtlich größter Anteilseigner von Deutschlands führender Container-Reederei Hapag-Lloyd. Nach Informationen der F.A.Z. will der hochverschuldete Stadtstaat 420 Millionen Euro aufwenden, um dem Reisekonzern TUI ein weiteres Aktienpaket von Hapag-Lloyd abzukaufen. Damit dürfte der Anteil Hamburgs von aktuell 23,6 Prozent auf mehr als 37 Prozent steigen.

Auch der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne ist bereit, seinen Anteil von derzeit 24,6 Prozent aufzustocken. Mit 160 Millionen Euro engagiert er sich aber deutlich weniger stark als die Stadt. Von den übrigen vier Hapag-Aktionären, die ihre Interessen gemeinsam mit Kühne und der Stadt im Albert-Ballin-Konsortium gebündelt haben, wollen lediglich zwei weitere Aktien übernehmen, allerdings nur in geringem Umfang: Hanse-Merkur investiert 13 Millionen Euro und Signal Iduna 7 Millionen Euro. Insgesamt wollen sich Hamburg, Kühne und die beiden Versicherer mit 600 Millionen Euro bei Hapag-Lloyd engagieren. Die von der Warburg-Bank beratenen Investoren und die HSH Nordbank, die bisher je 3,2 Prozent hielten, übernehmen hingegen keine weiteren Anteile.

Auf diese Eckdaten haben sich das Ballin-Konsortium und die TUI nach Informationen der F.A.Z. grundsätzlich geeinigt. Beschlüsse sollen möglichst schon an diesem Dienstag gefasst werden. Am Dienstagnachmittag tagt der Aufsichtsrat der TUI, am Mittwoch folgt die Hauptversammlung. „Wir sind auf einem guten Weg. Es ist gut möglich, dass die Einigung am Mittwoch bekanntgegeben wird“, sagte ein Sprecher der Hamburger Finanzbehörde. „Wir befinden uns in fortgeschrittenen und guten Gesprächen“, sagte ein TUI-Sprecher. Beide wollten sich jedoch nicht zu den Details der geplanten Transaktion äußern. Wie die Anteilsverhältnisse bei Hapag-Lloyd nach dem Teilverkauf der TUI genau aussehen werden, ist noch unklar. Denn offenbar soll auch das Hybridkapital von 350 Millionen Euro, das die TUI Hapag-Lloyd im Krisenjahr 2009 zur Verfügung gestellt hatte, weitgehend auf das Konsortium übergehen und ganz oder teilweise gewandelt werden.

Mittelfristig soll Hapag-Lloyd an die Börse

Klar scheint hingegen zu sein, dass der Anteil der TUI an Hapag-Lloyd von derzeit 38,4 Prozent auf rund 20 Prozent sinkt. Dem Vernehmen nach will die Stadt Hapag-Lloyd mittelfristig an die Börse bringen und sich dann zumindest von einem Teil der Aktien wieder trennen. Im Zuge eines Börsengangs könnte auch die TUI ihre restlichen Anteile verkaufen. Der hannoversche Reisekonzern hatte schon im Frühjahr 2011 versucht, Hapag an die Börse zu bringen. Doch das scheiterte ebenso wie die Verkaufsverhandlungen mit Investoren aus dem Oman und China. Daher trat zu Beginn dieses Jahres ein kompliziertes Vertragswerk in Kraft, das es der TUI erlaubte, dem Ballin-Konsortium 33,3 Prozent der Reederei zum Kauf anzudienen. So viel wollten die Konsorten, die bereits 61,6 Prozent besitzen, allerdings nicht haben.

Hamburg war 2009 bei Hapag-Lloyd eingestiegen, um im Schulterschluss mit Kühne & Co. einen Verkauf an den Singapurer Wettbewerber NOL zu verhindern. Dahinter stand die Furcht, NOL könne nach einer Übernahme zentrale Funktionen nach Asien verlagern. Auch jetzt wird der Regierende Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) wohl vor allem Standortängste für das kostspielige Engagement der mit knapp 26 Milliarden Euro verschuldeten Hansestadt anführen. Für den Fall, dass das Konsortium die angedienten Hapag-Aktien nicht kauft, sehen die Verträge vor, dass TUI nicht nur ein Drittel, sondern die Mehrheit der Reederei feilbieten kann. Diese Option erlischt mit dem nun geplanten Teilverkauf. Scholz will so gewährleisten, dass kein - möglicherweise feindlich gesinnter - Konkurrent oder Investor die Aktienmehrheit der Reederei übernimmt.

Bei den Überlegungen für den staatlichen Einsatz treibt Scholz offenbar auch die Sorge um, dass der Umschlag im Hamburger Container-Hafen, dem zweitgrößten Europas, leiden könnte, falls Hapag-Lloyd in fremde Hände fiele. Fachleute halten diese Sorge freilich für unbegründet. Denn nicht die Linienreeder, sondern deren Kunden, also die Versender von Gütern, entscheiden darüber, wo die Ladung hingehen oder abgeholt werden soll.

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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