14.02.2008 · Klaus Zumwinkel ist der Wandel der Post zu verdanken. 2004 und 2005 waren seine glanzvollen Jahre. Doch in Amerika bewies er nicht so viel Geschick.
Von Helmut BünderDie besten Tage liegen schon eine Weile zurück. In der Rückschau markieren die Jahre 2004 und 2005 die goldene Ära, in der Klaus Zumwinkel auf dem Höhepunkt seines Erfolges stand. Zunächst kam der Börsengang der Deutschen Postbank, der nach einigen Wirren dann doch zu einem grandiosen Treffer wurde und der Deutschen Post Milliarden einbrachte. Ein Jahr später folgten die Übernahme des britischen Logistikriesen Exel und der Aufstieg der Post zum größten Logistikkonzern der Welt mit mehr als einer halben Million Beschäftigten.
Zumwinkel war am Ziel: Aus der alten Schneckenpost hatte er einen aufstrebenden Weltkonzern geschmiedet, regiert aus seinem Vorstandszimmer hoch oben im glänzenden Posttower am Bonner Rheinufer. Als die Bundesregierung den ehemaligen McKinsey-Berater 1989 zum Vorstandschef der Post machte, übernahm er eine Behörde. Sie galt als zu langsam, zu umständlich und zu teuer. Aus der verlustreichen Behörde sollte ein modernes, gewinnorientiertes Unternehmen mit hoher Servicequalität werden.
Schwierige Sanierungsphase
Es begann eine schwierige Sanierungsphase, in der Zehntausende von Arbeitsplätzen gestrichen und Tausende überflüssiger Filialen geschlossen wurden. Verrottete Infrastruktur wurde durch moderne Technik ersetzt, die Automatisierung der Briefsortierung beschleunigte die Brieflaufzeiten auf ein zuvor nie gekanntes Tempo. Zumwinkel hatte die erste Phase seiner Mission geschafft und den Verlustbringer Post zu einem profitablen Unternehmen umgebaut. Phase zwei konnte beginnen, die Expansion nach außen. Zumwinkel brach zu einer Einkaufstour auf, zunächst durch Europa, dann in den Rest der Welt. In dieser Form hatte es das bisher selten gegeben. Die Gewinne aus dem inzwischen florierenden deutschen Kerngeschäft mit Briefen und Paketen – vor allem aber Verkäufe von wertvollen Immobilien – brachten das nötige Geld. Ein Sammelsurium von zunächst finanziell sehr überschaubaren Zukäufen in Polen, Belgien, der Schweiz und anderen europäischen Ländern legte den Kern für ein neues Imperium im Express- und Kuriermarkt.
Privathaus und Büro des Vorstandschefs des Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, sind nach Angaben aus Ermittlerkreisen am Donnerstag morgen durchsucht worden.
Die Post wurde zum europäischen Marktführer auf dem Paketmarkt. Bald folgte der Sprung über den Atlantik: Die Post stieg in das globale Expressgeschäft ein. Im März 1998 erwarb sie einen Minderheitsanteil an DHL International, dem damaligen Marktführer für internationale Kuriersendungen, der in den darauffolgenden Jahren kontinuierlich ausgebaut wurde. Auf einen Schlag wuchs der Konzern um 50 000 Mitarbeiter, die Post dirigierte eine Flotte von 200 Flugzeugen.
Großer Weitblick
Mit großem Weitblick setzte Zumwinkel auch im Briefgeschäft auf die Internationalisierung. Wo immer sich in Europa eine Gelegenheit bot, griff er zu. Im September 1998 folgte die Übernahme des größten privaten Briefdienstes in Amerika, Global Mail. Wenig später kam der Einstieg in das Frachtgeschäft, als die Post den Schweizer Logistikkonzern Danzas kaufte. Als sich die Bundesregierung Ende der neunziger Jahre entschloss, auch die damals noch defizitäre Postbank vollständig dem gelben Riesen zu übertragen, war das heutige Portfolio mit den Säulen Brief, Express, Logistik und Finanzdienstleistungen perfekt. Zumwinkel hatte früh erkannt, dass es sich lohnte, Post und Postbank zu vereinen. Der gemeinsame Vertrieb in den Filialen stärkte beide Seiten und brachte die Postbank rasch in die Gewinnzone.
Kurz vor der Jahrtausendwende zog Zumwinkel Bilanz und taufte den Konzern auf seinen neuen programmatischen Namen: Deutsche Post World Net. Und er läutete Phase drei des Umbaus ein: Aus der Post, damals schon die Nummer eins in der Luftfracht und die Nummer fünf in der Seefracht, sollte das größte Logistikunternehmen der Welt werden. Der Erfolg der Vergangenheit und der vielversprechende Ehrgeiz für die Zukunft mündeten in den Börsengang. Im September 2000 brachte der Bund ein Viertel seiner Anteile zu einem Ausgabekurs von 19 Euro je Aktie auf das Parkett und kassierte dafür 6,6 Milliarden Euro. In Deutschland murrten die Kunden über weitere Filialschließungen und abgehängte Briefkästen, doch die Geschäfte liefen rund: sowohl im Inland, wo das Briefmonopol für sichere Einnahmen sorgte, als auch in den neuen Geschäftsfeldern, für die Zumwinkel die Dachmarke DHL als international bald sehr bekanntes Logo etablierte. Aber noch immer hatte der Konzern eine starke Schlagseite in Richtung Briefgeschäft, das weiterhin zwei Drittel zum Gewinn beisteuerte. Diversifizierung und Internationalisierung blieben folglich Zumwinkels Devise, um sich auf den drohenden Verlust des Monopols vorzubereiten.
Die Reißleine gezogen
Warnungen von Analysten, sich nicht zu überheben, sondern erst einmal die vielen neuen Tochtergesellschaften zu integrieren, schlug er in den Wind. 2003 fühlte sich Zumwinkel sogar stark genug, um die beiden großen Rivalen UPS und Fedex auf ihrem amerikanischen Heimatmarkt anzugreifen. Mit der Übernahme des Paketdienstes Airborne begann das Abenteuer, das den Konzern bis heute rund 7 Milliarden Euro gekostet haben dürfte. Aber die Ausmaße des Desasters sollten sich erst sehr viel später zeigen. Als Zumwinkel die vielen Milliarden aus dem Postbank-Börsengang in den Kauf von Exel investierte und sich damit endgültig die Spitzenposition unter den internationalen Logistikkonzernen sicherte, war man in der Post noch zuversichtlich, auch das Amerika-Geschäft in den Griff zu bekommen.
Doch inzwischen hat sich Zumwinkel dazu durchgerungen, die Reißleine zu ziehen – in welcher Form auch immer. Und noch ein Tabu gilt nicht mehr: dass die verbleibenden Anteile der Postbank dauerhaft zur Post gehören. Sowohl für das amerikanische Expressgeschäft als auch für die Postbank hat Zumwinkel die Suche nach einem Partner eingeleitet. Zu Ende führen wird er sie wohl nicht mehr.