24.09.2009 · Gier, mangelndes Unrechtsbewusstsein, Angst um den Arbeitsplatz: Wirtschaftskriminelle haben es in Deutschland viel leichter als noch vor drei Jahren - und müssen oft keine strafrechtlichen Konsequenzen fürchten. Dies ergab eine Studie, der Angaben von 500 deutschen Unternehmen zu Grunde liegen.
Deutliche Rückschritte bei der Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität hat die Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers (PwC) in einer Studie festgestellt. So sei bei den befragten Großunternehmen die Bereitschaft deutlich gesunken, eigene kriminelle Mitarbeiter nach der Aufdeckung schwerwiegender Delikte bei den Behörden anzuzeigen, berichtete der frühere Staatsanwalt und PwC-Partner Steffen Salvenmoser. Gleichzeitig seien die entdeckten Fälle häufiger und schwerwiegender geworden.
Im Vergleich zu amerikanischen Firmen hinkten die deutschen Großunternehmen bei ihren Vorkehrungen gegen Korruption, Wettbewerbsdelikte, Unterschlagungen und anderes weiter hinterher. „Die Hälfte der Täter geht straffrei aus“, erklärte Salvenmoser auf der Grundlage von 210 nach Selbsteinschätzung der Firmen schwerwiegenden Fällen von Wirtschaftskriminalität. Noch vor zwei Jahren seien immerhin 61 Prozent der Täter angezeigt worden.
Nach Einschätzung des Studienautors von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Kai Bussmann, können vor allem Topmanager damit rechnen, zwar entlassen, nicht aber vor Gericht gestellt zu werden. Die Unternehmen fürchteten das öffentlichen Aufsehen und damit verbundenen Ansehensverlust. Jedes aufgedeckte Delikt verursachte laut PwC einen Schaden von 4,3 Millionen Euro und damit fast das Dreifache des Wertes aus dem Jahr 2007. Fast jedes zweite Unternehmen (44 Prozent) sei nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Jahren Opfer von Wirtschaftskriminellen geworden.
Die Täter sind häufig Führungskräfte
Gut die Hälfte der Haupttäter stammt aus dem geschädigten Unternehmen selbst. Meist handelt es sich den Angaben zufolge dabei um Männer, die mehr als zehn Jahre dort arbeiten. Gut zwei Drittel der Straftaten werden dabei von Führungskräften begangen, knapp 30 Prozent der Delikte im Top-Management. Getrieben werden die meisten Täter der Studie zufolge von einer Mischung aus finanziellen Anreizen und mangelndem Unrechtsbewusstsein.
Zusätzliche Kosten für das Schadensmanagement beziffert die Studie auf 830.000 Euro pro Fall. Befragt wurden 500 größere Unternehmen in Deutschland mit mehr als 500 Mitarbeitern. Besonders gravierend sind Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht, wenn also die Firmen Opfer von Produktpiraten oder Industriespionen geworden sind. Sie wiesen mit knapp 6 Millionen Euro den höchsten Durchschnittsschaden pro Fall auf. Rund 40 Prozent der Befragten rechnen mit einem weiteren Anstieg der Kriminalität in der Wirtschaftskrise. Fast jedes dritte Unternehmen erwartet mehr Straftaten ihrer Mitarbeiter, die sich verstärkt Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz machten. Zudem rechnen die Firmen vor allem mit einer Zunahme von Industriespionage oder Preisabsprachen.
Sieben von zehn Delikten wurden durch Tippgeber oder rein zufällig aufgedeckt. Systematisch kam nur wenig ans Licht: Polizei und Staatsanwaltschaft deckten acht Prozent der Fälle auf, die innere Revision 13 Prozent der Straftaten. Dies wecke große Zweifel an der Effizienz der Präventionsvorkehrungen, sagte Salvenmoser. Die Unternehmen seien nach der Novelle des Datenschutzgesetzes zusätzlich verunsichert und unterließen eigentlich zulässige Abwehrmaßnahmen etwa beim Screening der Mitarbeiterdaten.
Kein Mensch erhält Boni, wenn
Stefan Vieregg (Kuselianer)
- 24.09.2009, 18:15 Uhr
Warum nur
B. Keim (bkeim)
- 24.09.2009, 22:07 Uhr
Gucken wir mal noch weiter nach oben
Martin Gürsch (Betroffener)
- 25.09.2009, 05:03 Uhr
PWC Erkenntnisse nichts Neues
Karin Schneider (managersos)
- 25.09.2009, 09:18 Uhr
Aus Sicht der Unternehmen nachvollziehbar
Karin Schneider (managersos)
- 25.09.2009, 09:52 Uhr