http://www.faz.net/-gqe-74vec
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 06.12.2012, 17:07 Uhr

Vorgehen gegen  Steuersünder EU warnt vor Steuerausfall von 1 Billion Euro

Etwa eine Billion Euro gehen in der EU Jahr für Jahr durch Steuerhinterziehung und Steuerumgehung verloren, sagt der EU-Steuerkommissar. Jetzt will die Kommission härter gegen Steuersünder vorgehen.

von , Berlin
© AFP „Etwa eine Billion Euro gehen durch Steuerhinterziehung und Steuerumgehung verloren“: EU-Kommissar Algirdas Šemeta legt einen Aktionsplan vor

Nach den Regierungen in Berlin und London spricht sich die EU-Kommission für ein härteres Vorgehen gegen Steuersünder aus. „Etwa eine Billion Euro gehen in der EU Jahr für Jahr durch Steuerhinterziehung und Steuerumgehung verloren“, warnte EU-Kommissar Algirdas Šemeta am Donnerstag. Er geißelte dies als einen skandalösen Verlust an dringend benötigten Einnahmen und als eine Gefahr für die Steuergerechtigkeit. Er forderte die Mitgliedstaaten auf, mehr gegen die Steuerhinterziehung zu tun. Doch reichten einseitige Lösungen nicht aus, mahnte er.

Manfred Schäfers Folgen:

Šemeta legte daher einen Aktionsplan gegen Steuerhinterziehung und Steuerumgehung vor. Die Steuerausfall-Schätzung des Kommissars beruht auf einer Studie des Briten Richard Murphy, die dieser für Sozialisten und Sozialdemokraten im EU-Parlament erarbeitet hat. Murphy ist Gründer der Organisation „Tax Justice Network“, die gegen Steueroasen zu Felde zieht.

Steueroasen erkennen und auf schwarze Listen setzen

Deutschland und England haben in diesen Tagen den Druck auf internationale Konzerne wie Amazon, Starbucks und Google erhöht, denen sie vorwerfen, aggressiv Lücken im Steuerrecht zu nutzen, so dass der allergrößte Teil der in ihren Ländern erzielten Wertschöpfung von Steuern verschont bleibt. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble und der britische Schatzkanzler George Osborne setzen in diesem Zusammenhang auf die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die im Frühjahr Vorschläge vorlegen soll, wie solche Praktiken eingedämmt werden können.

Die EU-Kommission forderte die Mitgliedstaaten auf, härter gegen Steueroasen vorzugehen. Dazu hat sie Kriterien erarbeitet, die helfen sollen, Steueroasen zu erkennen, um sie auf schwarze Listen zu setzen. Außerdem regt sie Maßnahmen an, mit denen diese Nicht-EU-Mitgliedstaaten dazu gebracht werden sollen, die in der EU geltenden Standards im Steuerbereich anzuwenden. Darüber hinaus fordert die EU-Kommission die Mitgliedstaaten auf, ihre Doppelbesteuerungsabkommen zu überarbeiten, um zu verhindern, dass in Form von doppelter Nichtbesteuerung überhaupt keine Steuern mehr gezahlt werden.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Steuerbetrug 50 Hinweise aus Panama Papers weisen nach Hessen

Auch hessische Adressen sollen sich Briefkastenfirmen in Panama bedienen und Steuern hinterziehen. Das Finanzministerium geht vier Dutzend Hinweisen nach. Mehr

14.06.2016, 11:23 Uhr | Rhein-Main
Nach dem Brexit-Referendum Berliner Parteien fordern Konsequenzen

Der Austritt der Briten aus der Europäischen Union darf nicht folgenlos bleiben, fordern führende Politiker von Koalition und Opposition. Nach dem Nein der Briten zur EU will der Bundestag voraussichtlich am Dienstag zu einer Sondersitzung zusammenkommen und über das weitere Vorgehen beraten. Mehr

24.06.2016, 12:21 Uhr | Politik
Bundesjustizminister am Zug CDU für härtere Strafen nach Gewalt gegen Polizisten

Neu ist das Thema nicht. Schon 2010 debattierten die Innenminister über härtere Strafen nach Gewalt gegen Polizisten. Nun bringt die CDU im hessischen Landtag das Thema wieder auf. Und erntet Kritik. Mehr

23.06.2016, 13:04 Uhr | Rhein-Main
Frankfurter Anthologie Richard Pietraß: Mistkäfer

Mistkäfer von Richard Pietraß, gelesen von Thomas Huber. Mehr

10.06.2016, 17:27 Uhr | Feuilleton
Vor dem Referendum Warum Brexit in Brüssel auf dem Index steht

Das Wort Brexit ist ein Tabu in Brüssel - dabei dreht sich alles um dieses Thema. Beamte bangen um ihre Zukunft, die Kommission versucht, die Briten nicht zu verprellen. Und für den Tag danach gibt es schon einen Plan. Mehr Von Hendrik Kafsack

11.06.2016, 19:29 Uhr | Politik

Ein Urteil über die EU

Von Holger Steltzner

Manche werden den Briten mit ihren Sonderwünschen keine Träne nachweinen. Aber klar ist: Die EU kann nicht weitermachen wie immer. Sie hat berechtigte Reformwünsche zu lange ignoriert. Der Brexit ist die Quittung. Mehr 120 452


Märkte nach dem „Brexit“
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Euro in Dollar --  --
  FTSE 100 --  --
  Pfund in Euro --  --
  Pfund in Dollar --  --
  Gold --  --

„World Wealth Report“ So viele Millionäre leben in Deutschland

Weltweit hat das Vermögen der Millionäre im vorigen Jahr um vier Prozent auf 58,7 Billionen Dollar zugelegt. Deutschland ist dabei unter den vier Ländern mit den meisten Millionären – und hatte überdurchschnittliche Zuwächse. Mehr Von Christian Siedenbiedel 80 50

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --