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Empörung über Uli Hoeneß : „Ein Tritt ins Gesicht ehrlicher Bürger“

Uli Hoeneß am dritten Verhandlungstag Bild: dpa

Im Fall Uli Hoeneß tun sich immer neue Abgründe auf. Viele Deutsche sind sauer auf den Präsidenten des FC Bayern. Satiriker schütten Spott über ihm aus.

          Im Fall des Steuersünders Uli Hoeneß tun sich immer neue Abgründe auf. Während die Aufsichtsräte des FC Bayern München trotzdem weiter ihre Hand über Hoeneß halten, macht sich bei vielen echte Empörung breit -  besonders nachdem die Summe der hinterzogenen Steuern von zunächst 3,5 Millionen auf 18,5 Millionen und schließlich auf 27,2 Millionen gestiegen ist.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Im Falle eines Freispruchs werde er in Zukunft wohl auch vergessen, seine Steuern abzuführen, schreibt ein Leser auf FAZ.NET. „Was hier passiert, ist doch ein Tritt in das Gesicht eines jeden ehrlichen Bürgers“. Ein anderer konstatiert: „Herr Hoeneß ist ein Betrüger. (…) Mit seinem Geld kann er ja machen, was er will, aber dann soll er auch Steuern zahlen wie jeder andere in diesem Land.“

          Insgesamt fordern 65 Prozent der Deutschen laut einer Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov den Rücktritt von Uli Hoeneß von seinem Amt als FC-Bayern-Präsident. In Bayern sind es weniger, aber immer noch mehr als die Hälfte.


          Die wichtigsten Antworten zum Hoeneß-Prozess


            Woher kommen die zusätzlichen 24 Millionen hinterzogener Steuern?

            Der Prozess ist mit einer Hinterziehungssumme von 3,5 Millionen Euro gestartet. Am ersten Prozesstag hat Hoeneß ein umfassendes Geständnis abgelegt und zusätzliche 15 Millionen Euro an hinterzogenen Steuern zugegeben. Eine Steuerfahnderin hat aus seinen Unterlagen sogar eine Summe von 23,7 Millionen Millionen errechnet. Was an dieser Summe letztlich strafrechtlich relevant ist, ist jedoch unklar. Die zusätzliche Summe stammt aus Spekulationsgewinnen mit Devisentermingeschäften. In der Anklageschrift waren bis zu dem Zeitpunkt lediglich normale Kapitalerträge enthalten.

            Welche Rolle spielen Verlustvorträge?

            Auch die Staatsanwaltschaft hat im Prozess mit einer Überraschung aufgewartet. Neben 3,55 Millionen Euro an hinterzogenen Steuern aus Kapitalerträgen wirft sie Hoeneß vor, mithilfe von Verlustvorträgen seine Steuerschuld um 5,5 Millionen Euro gedrückt zu haben. Hoeneß hat die Verluste offenbar falsch verrechnet, indem er Verluste aus dem Ausland mit Gewinnen aus dem Inland verrechnete.

            Was ist schon erwiesen?

            Hoeneß hat jahrelang Gewinne auf seinem Schweizer Konto nicht versteuert. Ursprünglich ging es um 3,5 Millionen. Die Staatsanwaltschaft hat die Summe im Prozess um 5,5 Millionen Euro an Verlustvorträgen erhöht. Hoeneß selbst hat weitere 15 Millionen Euro an zu wenig gezahlten Steuern gestanden.

            Was ist umstritten?

            Seine Selbstanzeige könnte Hoeneß vor einer Strafe bewahren. Aber nur, wenn sie vollständig war - und wenn er sie abgegeben hat, bevor seine Tat aufgeflogen war. Das ist fraglich, weil Hoeneß von seiner Schweizer Bank einen Hinweis erhielt, dass Journalisten Rechercheanfragen gestellt hätten. Für die Rechtzeitig der Selbstanzeige spricht die Aussage eines Münchner Finanzbeamten vor Gericht. Demnach hätten die Behörden ohne Hoeneß' Selbstanzeige nicht ermitteln können. Die Staatsanwaltschaft hält offenbar beides für widerlegt: die Vollständigkeit und die Rechtzeitigkeit.

            Kann Hoeneß Präsident des FC Bayern bleiben?

            Im Aufsichtsrat des FC Bayern München sitzen mehrere Vorstände deutscher Großkonzerne, beispielsweise VW-Chef Martin Winterkorn und Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender von Audi. Bislang wollte sich jedoch kein Aufsichtsrat in der Causa Hoeneß klar positionieren. Der Prozess bedürfte einer „letztinstanzlichen“ Entscheidung, sagte etwa Stadler am Dienstag. Aus der Politik wurden hingegen bereits Rücktrittsforderungen laut. Der Aufsichtsrat der FC Bayern AG kann aber nicht über den Posten des Vereinsvorsitzenden entscheiden, das Gremium könnte aber Hoeneß‘ Aufsichtsratsvorsitz in Frage stellen. Über Hoeneß‘ Verbleib im Amt des Präsidenten, also des Vereinsvorsitzenden (e.V.), entscheidet formell die Mitgliederversammlung vor Ablauf der Amtszeit, falls es denn einen Misstrauensantrag geben sollte.


          Nicht selten mischen sich in die Empörung aber auch Spott und Hohn. „Und, wie viele Millionen sind es heute, Herr Hoeneß?“, fragt etwa eine Nutzerin auf Twitter, nachdem die Summe der hinterzogenen Steuern von zunächst 3,5 Millionen auf 18,5 Millionen und schließlich auf 27,2 Millionen stieg.  Unter dem Hashtag #HoenessindenKnast tummeln sich zahlreiche weitere Kommentare, etwa „Transferhammer: Uli Hoeneß wechselt für 27,2 Millionen in die JVA München. Er erhält einen Fünfjahresvertrag.“

          Längst ist auf der Plattform ein Wettlauf um die besten Witze entbrannt: „Wenn der Prozess gegen Uli Hoeneß noch zwei Wochen läuft, dann ist Deutschland schuldenfrei.“ Ein anderer Nutzer zieht Parallelen zu möglichen Sanktionen gegen Russland: „Mit Bayern muss man sich gut stellen. Wenn die Deutschland den Wursthahn zudrehn, dann Gute Nacht.“

          Der Spott scheint keine Grenzen zu kennen. So ist ein Bild überschrieben mit den Worten „Höchststrafe für Uli Hoeneß“: Es zeigt den Mann, ohne der der FC Bayern nicht wäre was er heute ist und der am Dienstag noch beim Champions-League-Spiel gegen Arsenal war, in einer Gefängniszelle – eingekleidet in der schwarz-gelben Mütze des größten Rivalen Borussia Dortmund, in schwarz-gelbem Schal und schwarz-gelben Socken. Auch auf der Bettwäsche prangt das Logo vom BVB, und von der Wand lacht Dortmund-Trainer Jürgen Klopp.

          Doch nicht nur auf Twitter bekommt Hoeneß einiges ab. Das Satiremagazin „Der Postillon“ lässt sich dieses Thema natürlich ebenfalls nicht entgehen: „Knastmannschaft der JVA München sucht händeringend erfahrenen Manager“, titelte es schon im April 2013. Am Mittwoch legte der „Postillon“ noch einmal nach: Hoeneß ziehe seine Selbstanzeige zurück, steht dort nun. Der Grund: Hoeneß habe den Ernst der Lage gehörig unterschätzt. Die Staatsanwaltschaft müsse das Verfahren nun ergebnislos einstellen.

          Und auch für Harald Schmidt, den großen Meister der Late-Night-Unterhaltung, der mit seiner Sendung gerade in die letzte Woche geht, bietet Hoeneß natürlich eine Steilvorlage – für nicht nur einen, sondern gleich eine ganze Sendung voller Gags. Alle paar Minuten erreichten am Dienstag Eilmeldungen das Studio 449 in Köln-Mühlheim: „Hoeneß gesteht: Ich bin ADAC-Mitglied“, „Hoeneß gesteht: Ich hatte eine Fahrgemeinschaft mit Alice Schwarzer“, „Hoeneß gesteht: Meine Glatze ist nicht echt“, „Hoeneß gesteht: Ich habe 1976 absichtlich den Elfer verschossen“ ... und so ging es weiter. Harald Schmidt war in Topform.

          Es gibt aber auch Menschen, die Hoeneß verteidigen: „Einige mögen sein Verhalten als abgezockte Masche darstellen wollen, aber für mich sind seine dilettantische Selbstanzeige, gepaart mit dem weiteren unprofessionellen Verhalten eher Zeichen menschlicher Überforderung“, schreibt ein Leser ebenfalls auf FAZ.NET. „Das alles wird ihn natürlich nicht vor gerechter Strafe bewahren, aber bei all der Schadenfreude und Häme muss auch das mal entgegnet werden.“

          Am Donnerstag sollen im Fall Uli Hoeneß die Schlussplädoyers gehalten und das Urteil verkündet werden. Dann wird sich entscheiden, ob Uli Hoeneß, Fußballmanager, Wurstfabrikant, einstige Moralinstanz, ins Gefängnis muss.

          München : Bayern-Fans halten zu Hoeneß

          Quelle: FAZ.NET

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