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Steuern : Forscher rechnen Abschaffung des Ehegattensplittings durch

Auch 2017: Hausarbeit bleibt oft noch immer überwiegend Frauensache. Bild: dpa

Das Ehegattensplitting ist manchen ein Dorn im Auge, weil es die traditionelle Rollenverteilung in der Familie fördert. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat nun ausgerechnet, was passieren würde, wenn man es streicht.

          Die Abschaffung des Ehegattensplittings könnte die Steuereinnahmen des Bundes um bis zu 15 Milliarden Euro im Jahr erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwoch veröffentlichte Auswertung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Als alternatives Steuermodell zum Ehegattensplitting wählten die Autoren eine individuelle Besteuerung mit übertragbarem Grundfreibetrag. Den Forschern zufolge würde die Abschaffung des Ehegattensplittings auch das Arbeitsangebot in Deutschland  „spürbar erhöhen“. Den Arbeitsmarkteffekt erklären sie damit, dass die aktuelle steuerliche Begünstigung von Alleinverdienern den Arbeitsanreiz vor allem für verheiratete Frauen senke – was bei dem alternativen Modell nicht der Fall wäre.

          Maja Brankovic

          Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Bei einer Individualbesteuerung mit übertragbarem Grundfreibetrag werden beide Partner getrennt zur Einkommensteuer veranlagt. Falls einer der Partner kein zu versteuerndes Einkommen hat oder eines der beiden Einkommen unter dem Grundfreibetrag liegt, könnte der andere Partner den nicht ausgeschöpften Teil von seinem zu versteuernden Einkommen abziehen.

          Umverteilungseffekt nach unten

          Die Forscher rechnen vor, wie sich ein solches Modell auf das Steueraufkommen und das Arbeitsangebot auswirken würde und welche Verteilungseffekte einer solche Reform hätte. Die Ergebnisse der Berechnungen zeigen, dass ein Ehepaar im Durchschnitt mit rund 900 Euro pro Jahr belastet würde – was knapp zwei Prozent des durchschnittlichen Nettohaushaltseinkommens entspricht. Mit höherem Einkommen steige die Belastung deutlich an. Erst an der Spitze der Einkommen – in den oberen 10 Prozent – sinke die Belastung wieder, weil dort der Splittingvorteil geringer sei. Solche Umverteilungseffekte nach unten  seien erwünscht. „Das Ziel einer solchen Reform ist nicht, dass der Staat mehr Geld einnimmt, sondern dass die Mittel anders verteilt werden“, sagt DIW-Ökonomin und Studienautorin Katharina Wrohlich.

          Das Ehegattensplitting wird seit Längerem kontrovers diskutiert. In der Kritik steht vor allem, dass sich das aktuelle Steuermodell negativ auf die Arbeitsanreize von Zweitverdienern auswirkt. Ein Wegfall dieses Steuervorteils könnte den Forschern zufolge das Arbeitsvolumen der Frauen in Deutschland um mehr als 2 Prozent zu erhöhen. Der daraus resultierende Beschäftigungseffekt, schreiben die Studienautoren, erhöhe sowohl Steuereinnahmen als auch Einnahmen aus Sozialversicherungsbeiträgen.

          15 Milliarden Euro mehr für den Staat

          Dass eine solche Reform einige Familien finanziell härter träfe als andere, ist den Forschern durchaus  bewusst. „Bei einer solchen Reform müsste berücksichtigt werden, dass viele Ehepaare bereits vor Jahren gewisse Entscheidungen betreffend der innerfamiliären Arbeitsteilung getroffen haben und diese nicht mehr ohne weiteres rückgängig machen können“, räumt DIW-Forscherin Wrohlich ein. Allerdings sieht ihr Team auch Möglichkeiten, die Gefahr einer nachträglichen Benachteiligung zu verringern. So ließe sich zum Beispiel das neue Steuersystem erst für Ehen einführen, die nach einem bestimmten Stichtag geschlossen wurden.

          Die Autoren plädieren dafür, die Mehreinnahmen von bis zu 15 Milliarden Euro im Jahr in den Ausbau und die Qualitätsverbesserung von Kitas und Ganztagsschulen zu investieren. „Das würde vor allem Familien mit Kindern – ob mit oder ohne Trauschein – zugutekommen“, sagt Studienautorin Wrohlich. Auch könnten die Mehreinnahmen dazu genutzt werden, den Einkommenssteuertarif allgemein zu senken. Das würde, wie von Teilen der Union immer wieder gefordert wird, den sogenannten „Mittelstandsbauch“ abflachen. In diesem Fall würden laut den DIW-Berechnungen vor allem ledige Steuerzahler profitieren.

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