http://www.faz.net/-gqe-7xc5z

Luxemburg-Leaks : Auch Disney und Skype haben Steuern „gespart“

  • Aktualisiert am

Auch Großkonzerne wie Disney sollen in Luxemburg von dubiosen Steuerpraktiken profitiert haben. Bild: dpa

Steuerquoten von weniger als ein Prozent, 95 Prozent Nachlass: Neue Dokumente zeigen, wie internationale Großkonzerne in Luxemburg von dubiosen Steuerpraktiken profitiert haben sollen. 

          Neue Dokumente zu den dubiosen Steuerpraktiken in Luxemburg haben Großkonzerne wie Skype und Disney sowie die vier weltgrößten Wirtschaftsprüfer belastet. Mehrere deutsche und internationale Medien veröffentlichten am Dienstag einen zweiten Teil der sogenannten Luxemburg-Leaks und beriefen sich auf Steuerabsprachen, die dem Rechercheverband ICIJ zugespielt worden waren. In den Dokumenten werden insgesamt 35 Firmen belastet.

          Wie unter anderem der Rechercheverbund aus NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ berichtete, ließen sich die Firmen mit den Absprachen, den sogenannten Advance Tax Agreements, Steuerraten von zum Teil weniger als einem Prozent auf die nach Luxemburg verlagerten Gewinne zusichern. Demnach gründete unter anderem der amerikanische Unterhaltungskonzern Disney in Luxemburg eine konzerninterne Bank, die ihre Gewinne mit weniger als einem Prozent versteuerte. Der Internettelefondienst Skype bekam demnach seit dem Jahr 2005 einen Steuerrabatt von bis zu 95 Prozent auf Lizenzeinnahmen.

          Betroffen ist demnach auch der Hygieneartikelhersteller Reckitt Benckiser (RB), an dem die deutsche Industriellenfamilie Reimann beteiligt ist. Der Konzern, zu dem Marken wie Calgon und Clearasil gehören, lasse über Luxemburg Milliardenkredite laufen, berichteten die Medien.

          Koch Industries und Telecom Italia

          Der belgischen Zeitung „Le Soir“ zufolge sind auch der kanadische Verkehrstechnikkonzern Bombardier, der Mischkonzern Koch Industries und Telecom Italia betroffen. Die Absprachen wurden demnach zwischen 2003 und 2011 getroffen. Durch diese Abmachungen lassen sich Firmen von den Behörden im Voraus vorteilhafte Steuerkonstrukte absegnen.

          Die Dokumente belegen demnach außerdem, dass fast alle großen Beraterfirmen mit der Luxemburger Verwaltung zusammengearbeitet haben - neben Pricewaterhouse-Coopers auch Deloitte, Ernst & Young sowie KPMG. Die erwähnten Konzerne und Beraterfirmen, die im Auftrag der Unternehmen die Steuerkonstrukte mit den Behörden aushandeln, teilten mit, sich an die geltenden Gesetze zu halten. Nachfragen zu einzelnen Fällen beantworteten die Prüfungsgesellschaften nicht.

          Juncker in Bedrängnis

          Schon Anfang November hatte das Recherchenetzwerk detailliert über 340 Fälle berichtet, in denen multinationale Konzerne in Luxemburg Steuerzahlungen vermeiden und teils Milliarden sparen. Wegen der Affäre war der neue EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Bedrängnis geraten. Er war rund zwei Jahrzehnte Finanzminister und Regierungschef Luxemburgs und wird für die Praktiken zu Lasten anderer EU-Länder mitverantwortlich gemacht.

          Weitere Themen

          Ryanair-Streik Video-Seite öffnen

          600 Flugausfälle : Ryanair-Streik

          Davon betroffen seien fast 50.000 Kunden, die von und nach Belgien, Portugal und Spanien reisen wollten. Das Ryanair-Kabinenpersonal aus ganz Europa will mit dem Ausstand unter anderem höhere Löhne und Krankengelder durchsetzen.

          Es war einmal ein bankrottes Land ... Video-Seite öffnen

          Island im Wirtschaftsboom : Es war einmal ein bankrottes Land ...

          2008 war die kleine Insel das größte Sorgenkind Europas und am Rande der Insolvenz. Nur zehn Jahre später floriert die Wirtschaft wie in fast keinem anderen Land. Wie geht das und können andere Länder davon lernen?

          Topmeldungen

          Auch an dem spektakulären Bankraub in Berlin soll ein Mitglied des Clans beteiligt gewesen sein.

          Razzia in Berlin : Münzraub, Bankraub, Geldwäsche

          In Berlin geht die Polizei gegen eine arabische Großfamilie vor. Den Mitgliedern wird eine ganze Bandbreite von Straftaten zur Last gelegt. Auf die Schliche kamen ihr die Ermittler durch eine unvorsichtige Handlung.

          Putin vs. Trump : Russland stößt amerikanische Staatsanleihen ab

          Das dürfte Donald Trump nicht gefallen: Russland wirft seit einiger Zeit seine amerikanischen Staatsanleihen auf den Markt. Damit will Putin vom Dollar unabhängiger werden – und Trump unter Druck setzen.
          Geschlossen gegen Antisemitismus: Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Israel

          Orbáns Soros-Kampagne : Gefährliche Zwischentöne

          Ungarns Ministerpräsident Orbán wird immer wieder Antisemitismus vorgeworfen. Doch Israels Regierungschef Netanjahu verteidigt ihn. Wie passt das zusammen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.