Home
http://www.faz.net/-gqe-72ry7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Steuerhinterziehung Steuerbehörde belohnt Hinweisgeber mit 100 Millionen Dollar

Der frühere UBS-Vermögensverwalter Bradley Birkenfeld hat den Amerikanern die ersten Beweise dafür geliefert, dass sein damaliger Arbeitgeber von der Schweiz aus reichen Amerikanern bei der Hinterziehung von Steuern geholfen hatte. Jetzt wird er fürstlich belohnt.

© REUTERS Vergrößern Bradley Birkenfeld

Die amerikanische Steuerbehörde IRS belohnt einen ehemaligen Mitarbeiter der Schweizer Großbank UBS für seine Informantenrolle mit mehr als 100 Millionen Dollar. Der frühere UBS-Vermögensverwalter Bradley Birkenfeld hatte den Amerikanern die ersten Beweise dafür geliefert, dass sein damaliger Arbeitgeber von der Schweiz aus reichen Amerikanern bei der Hinterziehung von Steuern geholfen hatte. Auch Birkenfeld selbst kam nicht ungeschoren davon: 2010 musste er wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung ins Gefängnis, aus dem er erst im vergangenen Monat entlassen wurde.

Nach Angaben seiner Anwälte vom Dienstag erhält Birkenfeld 104 Millionen Dollar aus dem sogenannten Whistleblower-Programm des IRS. Es dürfte sich um eine der höchsten Belohnungen handeln, die bislang aus diesem Topf ausgezahlt wurden. Damit wolle der IRS unterstreichen, dass der Status des Whistleblowers ein wichtiges Instrument darstelle, um Verstöße gegen das Steuerrecht zu bekämpfen, sagte eine Sprecherin der Behörde auf Anfrage. „Es macht unsere Verpflichtung dem Gesetz gegenüber deutlich.“ Der IRS unterhält ein spezielles Büro, bei dem Verstöße gegen das amerikanische Steuerrecht gemeldet werden können. Die Behörde konnte damit über die Jahre Hunderte Millionen Dollar hinterzogener Steuern einsammeln.

Mehr zum Thema

Birkenfeld hatte nach eigenen Angaben in Genf in einer Abteilung der UBS gearbeitet, die reichen Amerikanern half, ihr Geld in der Schweiz vor dem Fiskus zu verstecken. 2007 übergab er dem IRS dann Dokumente und Informationen über dieses Geschäft. In der Folge drohte der durch die Finanzkrise ohnehin angeschlagenen UBS in den Vereinigten Staaten eine Klage, die unter Umständen das Aus für die Bank hätte bedeuten können. Schlussendlich zahlte die UBS 2009 eine Buße von 780 Millionen Dollar wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung. Mit dem Einverständnis der Schweizer Behörden gab sie zudem die Namen von rund 4500 mutmaßlichen amerikanischen Steuersündern heraus.

Die Amerikaner ließen danach nicht mehr locker. Derzeit stehen elf weitere Schweizer Banken - darunter Credit Suisse, Julius Bär und die Kantonalbanken von Basel und Zürich - im Visier des IRS. Wieder geht es um Bußgeld und Namen von mutmaßlichen Steuersündern. Bislang haben die Schweizer Geldhäuser noch keine Kundennamen genannt und eine mögliche Buße steht noch nicht fest. Die Banken kooperieren nach eigenen Angaben mit dem IRS, soweit es ihnen möglich ist, ohne gegen Schweizer Recht zu verstoßen.

Auch die Schweizer Regierung muss sich weiterhin mit dem Thema befassen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SIF) ist bestrebt, ein sogenanntes globales Abkommen auszuhandeln, in dem sämtliche Steuerhinterziehungsvorwürfe der Amerikaner gegen alle Schweizer Banken geregelt werden sollen. Vor den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten Anfang November wird aber keine Einigung mehr erwartet.

Quelle: RTR

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Deutsches Schwarzgeld Geständnisse eines Schweizer Bankers

Wie war das, als die Deutschen ihr Schwarzgeld noch in der Schweiz horteten? Ein Schweizer Vermögensverwalter, der anonym bleiben will, plaudert aus dem Nähkästchen.  Mehr

28.03.2015, 10:02 Uhr | Finanzen
SwissLeaks So hat die HSBC Geld gewaschen und Steuern hinterzogen

Unter dem Namen SwissLeaks sind spektakuläre Vorwürfe gegen die Schweizer Tochter der britischen Bank HSBC bekannt geworden: Systematische Beihilfe zu Steuerhinterziehung und Geldwäsche.Es geht um Vermögen von mehr als 100 Milliarden Euro. Wie die Bank das gemacht hat... Mehr

25.02.2015, 10:44 Uhr | Wirtschaft
Steuerhinterziehung Griechische Milliarden in der Schweiz

Wie kommt Griechenland an Geld? Ein Steuerabkommen mit der Schweiz könnte dem klammen Staat bis zu 15 Milliarden bringen, sagt ein Schattenwirtschafts-Experte. Er geht von rund 10.000 griechischen Steuersündern aus, die ihr Geld in der Schweiz horten. Mehr

25.03.2015, 11:28 Uhr | Wirtschaft
Frankfurt Euro leidet unter EZB-Beschluss zu Griechenland

Der Euro fiel in der Nacht zum Donnerstag auf 1,13 Dollar zurück, nachdem die EZB am Mittwoch überraschend den weiteren Zugang der griechischen Banken zu frischem Zentralbankgeld erschwert hatte. Mehr

05.02.2015, 14:53 Uhr | Finanzen
Verlust der Sparkultur LBBW warnt vor neuer Finanzmarktblase

Es wird rumpeln, ist sich Hans-Jörg Vetter, Vorstandsvorsitzender der LBBW sicher. Nur wann, das weiß er noch nicht. Mehr

31.03.2015, 13:26 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 11.09.2012, 18:13 Uhr

Musikalisches Pathos

Von Martin Gropp

Popstars wie Madonna, Rihanna und Jay-Z haben sich verbündet, um einen eigenen Streamingdienst zu gründen. Gut so, das belebt das Geschäft. Nur das Pathos ist ein wenig dick aufgetragen. Mehr


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Die riesigen Bargeldreserven der Tech-Unternehmen

Apple, Google und Co. haben riesige Bargeldbestände angehäuft. Man kommt aus dem Staunen kaum heraus und muss zum Vergleich schon die griechischen Staatsschulden heranziehen. Mehr 5

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden