http://www.faz.net/-gqe-74klz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 25.11.2012, 11:58 Uhr

Steuerflucht Geld in der Schweiz - was nun?

Nur wer seit zehn Jahren kein Geld mehr unversteuert in der Schweiz hat, braucht keine Angst zu haben: Fünf Antworten für Steuerflüchtlinge nach dem Scheitern des Steuerabkommens.

von
© dpa Bleiben oder gehen?

1. Das Abkommen ist gescheitert. Sind Steuersünder nun in der Schweiz sicher?

Dyrk Scherff Folgen:

Nein. Hat der deutsche Fiskus einen Anfangsverdacht, ist es mittlerweile leichter geworden, in der Schweiz zu ermitteln. Die Kooperation zwischen deutschen und Schweizer Fahndern ist enger geworden. Hinzu kommt: Es dürften weitere CDs von Schweizer Banken mit den Daten deutscher Kunden im Umlauf sein. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die deutschen Behörden sie ankaufen. Allerdings verschärfen die Schweizer Finanzinstitute die Anstrengungen, den Datenklau zu unterbinden. Das hilft aber nur in der Zukunft. Wer schon länger in der Schweiz Kunde ist, ist eventuell schon auf den bereits im Umlauf befindlichen CDs zu finden.

2. Ist die Selbstanzeige jetzt noch sinnvoll?

Da niemand in der Schweiz vor Entdeckung geschützt ist, ist eine Selbstanzeige weiter sinnvoll. Sie ist in den meisten Fällen günstiger, als sie das Steuerabkommen mit der Schweiz gewesen wäre. Dazu muss der Kunde aber seine Anonymität aufgeben. Er muss dann alle Einnahmen der vergangenen zehn Jahre nachversteuern, bleibt dafür aber straffrei. Eine solche Erklärung sollte nur mit einem Steuerberater ausgefertigt werden, weil viele Fallstricke lauern, die die Straffreiheit gefährden. Wichtig ist der Zeitpunkt. Ist der Fall den deutschen Steuerbehörden bereits bekannt, weil er etwa aus einer vom Fiskus angekauften Daten-CD hervorgeht, nützt die Selbstanzeige in der Regel nicht mehr viel. Sie erleichtert allenfalls Verhandlungen über Strafmilderung. Nur wer seit zehn Jahren kein Geld mehr unversteuert in der Schweiz hat, muss keine Selbstanzeige mehr machen. Seine Taten sind verjährt.

3. Soll man sein Geld jetzt nach Singapur bringen?

Der asiatische Stadtstaat ist bekannt für sein strenges Bankgeheimnis und gleichzeitig seine politische Stabilität. Das macht ihn attraktiv für Steuerflüchtlinge. Schweizer Banken sind dort mit Außenstellen vertreten und helfen beim „Umzug“ von Konten aus der Schweiz. Allerdings ist auch Finanzminister Schäuble das nicht verborgen geblieben. Sein Ministerium führt bereits Verhandlungen mit Singapur über eine engere Zusammenarbeit der Steuerbehörden aus beiden Ländern. Singapur scheint dem nicht abgeneigt zu sein, weil die deutschen Kunden keine große Bedeutung für den Finanzplatz des kleinen Staates haben - aber viel Ärger mit der deutschen Regierung bringen können.

4. Kann man das Geld heimlich nach Deutschland bringen?

Wer mit Geldkoffern sein Bargeld über die Grenze schafft, könnte am Zoll hängenbleiben. Die Kontrollen direkt an der Grenze sind zwar abgebaut, aber der Zoll überprüft gerne weiter im Hinterland mit mobilen Fahndern. Alle mitgeführten Summen ab 10.000 Euro müssen dann angegeben werden. Die Fahnder schauen gerne auch einmal genauer im Auto nach und führen Leibesvisitationen durch. Banken müssen bei Einzahlungen ab dieser Schwelle die Herkunft des Geldes prüfen. Auch Rechtsanwälte und Notare sind bei Auffälligkeiten gezwungen, diese zu melden. Das könnte passieren, wenn der Steuersünder mit seinem Schweizer Geld ein Haus in Deutschland kaufen will. Schwieriger ist es weiterhin zu entdecken, wenn die Deutschen mit ihrer Kreditkarte Stück für Stück ihr Schweizer Konto für normale Konsumausgaben leeren.

5. Soll ich zu meinem Geld in die Schweiz umziehen?

Wer das Land eh liebt, kann das natürlich überlegen. Damit erlischt aber nicht seine Pflicht, für die Zeit, in der er in Deutschland lebte, Steuern nachzuzahlen, wenn er doch noch entdeckt wird. Zudem ist er trotz Umzugs in die Schweiz noch ein paar Jahre zum Teil steuerpflichtig in Deutschland.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.S.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Übernahme Was macht man jetzt als Kuka-Aktionär?

115 Euro bietet der chinesische Midea-Konzern je Kuka-Aktie. Wer verkaufen will, meldet das seiner Depotbank. Worauf muss man achten? Mehr Von Christian Siedenbiedel

22.06.2016, 10:08 Uhr | Finanzen
Schweiz Rekordbauwerk Gotthard-Basistunnel

Am 1. Juni 2016 wird nach 17-jähriger Bauzeit der längste Eisenbahntunnel der Welt eingeweiht. Der Schweizer Fotograf Markus Bühler-Rasom hat Menschen porträtiert, deren Leben durch den neuen Tunnel beeinflusst wird. Mehr

31.05.2016, 16:28 Uhr | Wirtschaft
Gurlitts Erbe Kunstmuseum Bern Wir lassen uns nicht erpressen

Warum das Kunstmuseum Bern das Erbe von Cornelius Gurlitt angenommen hat: Marcel Brülhart, Vizepräsident der Dachstiftung des Hauses, spricht über Drohungen, den Rechtsstreit mit der Familie und Fehler, die die Schweiz jetzt nicht machen darf. Mehr Von Julia Voss

13.06.2016, 17:41 Uhr | Feuilleton
Schweiz - Frankreich 0:0 Keine Tore, aber viele Kuriositäten

Tore fallen nicht im Duell zwischen der Schweiz und Frankreich. Aber nicht nur ein kaputter Ball sorgt für Aufsehen. Sehen Sie alle Höhepunkte nochmal im Video. Mehr

20.06.2016, 11:50 Uhr | Sport
Kunst und Medizin Den Menschen kann man nur mit Worten gut beschreiben

Ein Gesundheits-Check als Kunst: Warum lässt ein Autor sich von allen in den Kopf blicken? Ein Gespräch mit dem Schriftsteller Michel Houellebecq und dem Mediziner Henry Perschak. Mehr Von Kolja Reichert

15.06.2016, 21:16 Uhr | Feuilleton

Ein Urteil über die EU

Von Holger Steltzner

Manche werden den Briten mit ihren Sonderwünschen keine Träne nachweinen. Aber klar ist: Die EU kann nicht weitermachen wie immer. Sie hat berechtigte Reformwünsche zu lange ignoriert. Der Brexit ist die Quittung. Mehr 182 576


Märkte nach dem „Brexit“
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  FTSE 100 --  --
  Dow Jones --  --
  Gold --  --

„World Wealth Report“ So viele Millionäre leben in Deutschland

Weltweit hat das Vermögen der Millionäre im vorigen Jahr um vier Prozent auf 58,7 Billionen Dollar zugelegt. Deutschland ist dabei unter den vier Ländern mit den meisten Millionären – und hatte überdurchschnittliche Zuwächse. Mehr Von Christian Siedenbiedel 80 50

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --