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Prozess in München Früherer Kirch-Finanzchef unterstützt Deutsche Bank

 ·  Im Dauerstreit zwischen der Deutschen Bank und den Kirch-Erben bekommt der Finanzriese Hilfe: Der frühere Kirch-Manager Brian Cook will der Bank zur Seite springen. Doch das Gericht will ihn als „Streithelfer“ nicht zulassen.

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© dpa Vergrößern Akten einer Dauerfehde

Ungewöhnlicher Schritt im Rechtsstreit Kirch gegen Deutsche Bank: Der frühere Finanzchef des Kirch-Konzerns, Brian Cook, unterstützt überraschend das Geldinstitut gegen die milliardenschwere Schadenersatzforderung Kirchs. Die Bank sei nicht Schuld an der Insolvenz des hoch verschuldeten Medienkonzerns im April 2002 gewesen, teilten seine Anwälte dem Oberlandesgericht München mit.

Brian Cook beantragte als Nebenintervenient (Streithelfer) des Instituts und des ebenfalls beklagten Ex-Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Rolf Breuer, zugelassen zu werden. Das Gericht lehnte das aber ab: „Sie müssen erst einmal rechtliches Interesse geltend machen, damit Sie hier hereinkommen“, sagte der Senatsvorsitzende Guido Kotschy den Anwälten Cooks

Die Insolvenzverwalter und Erben von Leo Kirch machen die Bank für die Pleite des Medienkonzerns 2002 verantwortlich und fordern mehr als zwei Milliarden Euro.

Der frühere Kirch-Manager Cook war nicht selbst zur Verhandlung gekommen, sondern ließ sich von seinen Anwälten vertreten. Sie erklärten in einem Schriftsatz, es gebe keinen Zusammenhang zwischen Breuers umstrittenen Interview im Februar 2002 und der Insolvenz der Kirch-Gruppe zwei Monate später. Der Kirch-Konzern war damals mit 6,5 Milliarden Euro verschuldet und sollte Mitgesellschaftern und Gläubigern Geld zurückzahlen. Breuer hatte gesagt, ohne Konzernumbau dürfte Kirch keine frischen Kredite mehr bekommen.

Am Morgen war zunächst der frühere Kirch-Manager Dieter Hahn als vorerst letzter Zeuge vernommen worden. Er sagte aus, der Kirch-Konzern habe in den Tagen vor der Insolvenz vergeblich versucht, durch einen Notverkauf der Fernsehgruppe ProSiebenSat.1 an den Disney-Konzern frisches Geld aufzutreiben. Für Disneys Absage machte Hahn Breuer mitverantwortlich: Der Banker habe mit seinem Interview Unsicherheit gesät.

Seit der Insolvenz des KirchMedia-Konzerns vor zehn Jahren im April 2002 hat der inzwischen verstorbene Leo Kirch die Deutsche Bank und ihren damaligen Vorstandschef Rolf Breuer mit Klagen überzogen. Breuer habe die Pleite verschuldet mit seinem Interview im Februar 2002, in dem er - „nach allem, was man hören und lesen kann“ - bezweifelte, dass der mit gut sechs Milliarden Euro verschuldete Kirch noch frische Bankkredite bekommen werde. „Der Rolf hat mich erschossen“, hatte Kirch geklagt.

Wie es in den seit eineinhalb Jahren laufenen Berufungsprozess jetzt weitergeht, ist völlig offen. Das Oberlandesgericht wollte eigentlich alle aufgetretenen Fragen umfassend erörtern und dann entscheiden, ob noch weiter zu verhandeln sei. Mit einem Urteil noch am Freitag hatten Anwälte beider Seiten zwar nicht gerechnet, aber es auch nicht völlig ausgeschlossen. Nach bisherigem Stand hielt es der Senat für sehr wahrscheinlich, dass die Bank Kirch damals unter Druck gesetzt hatte, um bei der Sanierung des Konzerns Geld zu verdienen. Was Cooks Unterstützung für die Bank für den Prozess bedeutet, blieb zunächst offen.

Eine weitere Milliardenforderung der Print-Kirchbeteiligung gegen die Deutsche Bank ist ebenfalls noch beim Oberlandesgericht anhängig. In erster Instanz waren beide Klagen gescheitert. Der Bundesgerichtshof bestätigte 2006 zwar Kirchs Anspruch auf Schadenersatz im Prinzip. Aber ob überhaupt ein Schaden entstand und in welcher Höhe, das sollten die Gerichte im nächsten Schritt klären. Verhandlungen der Bank und der Kirch-Seite über einen 800 Millionen Euro schweren Vergleich waren im Februar gescheitert.

Der Wortlaut des Interviews mit Rolf Breuer zu Kirch

Ein Fernsehinterview, das am 4. Februar 2002 bei Bloomberg TV ausgestrahlt wurde, war Auslöser eines jahrelangen Rechtsstreits zwischen dem 2011 verstorbenen Medienunternehmer Leo Kirch und der Deutschen Bank. Gegeben hatte es der damalige Vorstandssprecher des Geldhauses, Rolf Breuer. Das Interview im Wortlaut:

Frage: „Kirch hat sehr, sehr viele Schulden, sehr hohe Schulden. Wie exponiert ist die Deutsche Bank ?“

Breuer: „Relativ komfortabel, würde ich mal sagen, denn - das ist bekannt und da begehe ich keine Indiskretion, wenn ich das erzähle - der Kredit, den wir haben, ist zahlenmäßig nicht einer der größten, sondern relativ im mittleren Bereich und voll gesichert durch ein Pfandrecht auf Kirchs Aktien am Springer-Verlag. Uns kann also eigentlich nichts passieren, wir fühlen uns gut abgesichert. Es ist nie schön, wenn ein Schuldner in Schwierigkeiten kommt, und ich hoffe, das ist nicht der Fall. Aber wenn das so käme, wir bräuchten keine Sorgen zu haben.“

Frage: „Die Frage ist ja, ob man mehr ihm hilft, weiter zu machen.“

Breuer: „Das halte ich für relativ fraglich. Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen. Es können also nur Dritte sein, die sich gegebenenfalls für eine, wie Sie gesagt haben, Stützung interessieren.“

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