Home
http://www.faz.net/-gqp-74e7e
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Prozess in München Früherer Kirch-Finanzchef unterstützt Deutsche Bank

Im Dauerstreit zwischen der Deutschen Bank und den Kirch-Erben bekommt der Finanzriese Hilfe: Der frühere Kirch-Manager Brian Cook will der Bank zur Seite springen. Doch das Gericht will ihn als „Streithelfer“ nicht zulassen.

© dpa Vergrößern Akten einer Dauerfehde

Ungewöhnlicher Schritt im Rechtsstreit Kirch gegen Deutsche Bank: Der frühere Finanzchef des Kirch-Konzerns, Brian Cook, unterstützt überraschend das Geldinstitut gegen die milliardenschwere Schadenersatzforderung Kirchs. Die Bank sei nicht Schuld an der Insolvenz des hoch verschuldeten Medienkonzerns im April 2002 gewesen, teilten seine Anwälte dem Oberlandesgericht München mit.

Brian Cook beantragte als Nebenintervenient (Streithelfer) des Instituts und des ebenfalls beklagten Ex-Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Rolf Breuer, zugelassen zu werden. Das Gericht lehnte das aber ab: „Sie müssen erst einmal rechtliches Interesse geltend machen, damit Sie hier hereinkommen“, sagte der Senatsvorsitzende Guido Kotschy den Anwälten Cooks

Die Insolvenzverwalter und Erben von Leo Kirch machen die Bank für die Pleite des Medienkonzerns 2002 verantwortlich und fordern mehr als zwei Milliarden Euro.

Der frühere Kirch-Manager Cook war nicht selbst zur Verhandlung gekommen, sondern ließ sich von seinen Anwälten vertreten. Sie erklärten in einem Schriftsatz, es gebe keinen Zusammenhang zwischen Breuers umstrittenen Interview im Februar 2002 und der Insolvenz der Kirch-Gruppe zwei Monate später. Der Kirch-Konzern war damals mit 6,5 Milliarden Euro verschuldet und sollte Mitgesellschaftern und Gläubigern Geld zurückzahlen. Breuer hatte gesagt, ohne Konzernumbau dürfte Kirch keine frischen Kredite mehr bekommen.

Mehr zum Thema

Am Morgen war zunächst der frühere Kirch-Manager Dieter Hahn als vorerst letzter Zeuge vernommen worden. Er sagte aus, der Kirch-Konzern habe in den Tagen vor der Insolvenz vergeblich versucht, durch einen Notverkauf der Fernsehgruppe ProSiebenSat.1 an den Disney-Konzern frisches Geld aufzutreiben. Für Disneys Absage machte Hahn Breuer mitverantwortlich: Der Banker habe mit seinem Interview Unsicherheit gesät.

Warten auf Prozessbeginn: der frühere KirchMedia-Geschäftsführer Dieter Hahn © dpa Vergrößern Warten auf Prozessbeginn: der frühere KirchMedia-Geschäftsführer Dieter Hahn

Seit der Insolvenz des KirchMedia-Konzerns vor zehn Jahren im April 2002 hat der inzwischen verstorbene Leo Kirch die Deutsche Bank und ihren damaligen Vorstandschef Rolf Breuer mit Klagen überzogen. Breuer habe die Pleite verschuldet mit seinem Interview im Februar 2002, in dem er - „nach allem, was man hören und lesen kann“ - bezweifelte, dass der mit gut sechs Milliarden Euro verschuldete Kirch noch frische Bankkredite bekommen werde. „Der Rolf hat mich erschossen“, hatte Kirch geklagt.

Wie es in den seit eineinhalb Jahren laufenen Berufungsprozess jetzt weitergeht, ist völlig offen. Das Oberlandesgericht wollte eigentlich alle aufgetretenen Fragen umfassend erörtern und dann entscheiden, ob noch weiter zu verhandeln sei. Mit einem Urteil noch am Freitag hatten Anwälte beider Seiten zwar nicht gerechnet, aber es auch nicht völlig ausgeschlossen. Nach bisherigem Stand hielt es der Senat für sehr wahrscheinlich, dass die Bank Kirch damals unter Druck gesetzt hatte, um bei der Sanierung des Konzerns Geld zu verdienen. Was Cooks Unterstützung für die Bank für den Prozess bedeutet, blieb zunächst offen.

Eine weitere Milliardenforderung der Print-Kirchbeteiligung gegen die Deutsche Bank ist ebenfalls noch beim Oberlandesgericht anhängig. In erster Instanz waren beide Klagen gescheitert. Der Bundesgerichtshof bestätigte 2006 zwar Kirchs Anspruch auf Schadenersatz im Prinzip. Aber ob überhaupt ein Schaden entstand und in welcher Höhe, das sollten die Gerichte im nächsten Schritt klären. Verhandlungen der Bank und der Kirch-Seite über einen 800 Millionen Euro schweren Vergleich waren im Februar gescheitert.

Der Wortlaut des Interviews mit Rolf Breuer zu Kirch

Ein Fernsehinterview, das am 4. Februar 2002 bei Bloomberg TV ausgestrahlt wurde, war Auslöser eines jahrelangen Rechtsstreits zwischen dem 2011 verstorbenen Medienunternehmer Leo Kirch und der Deutschen Bank. Gegeben hatte es der damalige Vorstandssprecher des Geldhauses, Rolf Breuer. Das Interview im Wortlaut:

Frage: „Kirch hat sehr, sehr viele Schulden, sehr hohe Schulden. Wie exponiert ist die Deutsche Bank ?“

Breuer: „Relativ komfortabel, würde ich mal sagen, denn - das ist bekannt und da begehe ich keine Indiskretion, wenn ich das erzähle - der Kredit, den wir haben, ist zahlenmäßig nicht einer der größten, sondern relativ im mittleren Bereich und voll gesichert durch ein Pfandrecht auf Kirchs Aktien am Springer-Verlag. Uns kann also eigentlich nichts passieren, wir fühlen uns gut abgesichert. Es ist nie schön, wenn ein Schuldner in Schwierigkeiten kommt, und ich hoffe, das ist nicht der Fall. Aber wenn das so käme, wir bräuchten keine Sorgen zu haben.“

Frage: „Die Frage ist ja, ob man mehr ihm hilft, weiter zu machen.“

Breuer: „Das halte ich für relativ fraglich. Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen. Es können also nur Dritte sein, die sich gegebenenfalls für eine, wie Sie gesagt haben, Stützung interessieren.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mittelstandsanleihen-Ticker Deutsche Forfait mit hohem Verlust

Das Rating des Hemdenherstellers Seidensticker sinkt auf B+. Stefan Lübbe, Mehrheitsaktionär des Bastei-Lübbe-Verlags ist unerwartet verstorben. Mehr

14.10.2014, 15:20 Uhr | Finanzen
Prozessauftakt gegen mutmaßliches deutsches IS-Mitglied

Vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat der Prozess gegen ein mutmaßliches deutsches Mitglied des Islamischen Staates begonnen. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Mann vor, sich im Sommer 2013 den radikalen Islamisten angeschlossen zu haben, die damals noch unter dem Namen Islamischer Staat im Irak und Groß-Syrien Isis bekannt waren. Mehr

15.09.2014, 15:45 Uhr | Politik
Apple Pay Sparkassen interessiert an iPhone-Bezahldienst

In Amerika startet Apple das Bezahlsystem Apple Pay am Montag. Die deutschen Sparkassen suchen laut einem Medienbericht schon die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Konzern, für den Fall, dass Apple Pay auch in Deutschland starten soll. Mehr

19.10.2014, 11:36 Uhr | Finanzen
Verschleierte Verluste und versickerte Kredite

Die Bank Espírito Santo ist Portugals größte Privatbank und ein traditionsreiches Familienunternehmen. Jetzt hat die Muttergesellschaft die Insolvenz beantragt. Was genau dahinter steckt, ist selbst für Finanzexperten schwer zu durchschauen. Mehr

30.07.2014, 11:43 Uhr | Wirtschaft
Umstrittene Gesprächsprotokolle Kohl-Anwälte gehen weiter gegen Schwan-Buch vor

Die Anwälte des Altkanzlers gehen nun doch weiter juristisch gegen das Buch des früheren Kohl-Biografen Heribert Schwan vor. Sie haben Antrag auf Unterlassung von 115 Zitaten gestellt. Mehr

12.10.2014, 12:22 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 16.11.2012, 11:07 Uhr

Gespaltenes Europa

Von Holger Steltzner

Ein listiger französischer Vorschlag soll für Unterstützung durch Berlin sorgen, damit Paris einmal mehr die Maastrichter Schuldengrenze reißen kann. Die Harmonie in Berlin störte das nicht. Mehr 39 57


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Gründer Die Mama hilft am meisten

Aus welchen Quellen finanzieren sich Gründer? Das Geld kommt nicht nur von der Bank oder der Bundesagentur für Arbeit. Die meiste Unterstützung bieten Freunde und Familie. Mehr 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden