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Original oder Fälschung? : Der Fall Immendorff

  • -Aktualisiert am

Winfried Bullinger Bild: Archiv

Der Maler Immendorff soll einige Werke von seinen Assistenten haben malen lassen. Sind das dann überhaupt Originale? Rechtsanwalt Winfried Bullinger ist skeptisch.

          Die öffentlich geäußerte Warnung des Galeristen und Testamentsvollstreckers von Jörg Immendorff, Michael Werner, es befänden sich gefälschte Immendorff-Werke im Umlauf, hat für Unruhe gesorgt (F.A.Z. vom 31. Juli). Schnell wurde deutlich, dass es sich bei den betroffenen Werken nicht um plumpe Fälschungen Dritter handelt. Im Verdacht stehen vielmehr Werke, die Assistenten ganz oder unter der Aufsicht des Meisters nach dessen Vorstellungen gestaltet und gemalt haben. Die Signatur soll dabei tatsächlich von Immendorff stammen.

          Urheberrechtlicher Anspruch

          Rechtlich stellt sich die Frage, ob solche Bilder Originale sind. Nur Originale dürfen als solche bezeichnet in den Verkehr gebracht werden. Nur in Bezug auf Originalwerke kann der Künstler seinen urheberrechtlichen Anspruch auf die Beteiligung am Erlös aus einem Weiterverkauf seines Werks verlangen. Ein Originalwerk des bildenden Künstlers liegt danach unzweifelhaft vor, wenn der Künstler ein Werk nach persönlichen Vorstellungen eigenhändig schafft. Diese Grundregel hat aber Ausnahmen.

          So ist anerkannt, dass er sich der Hilfe anderer bei der Erzeugung des Werks bedienen kann. Zu dem Plan des Künstlers kann es gehören, dass er Dritte in die Erzeugung des Werks mit einbindet oder das Werk sogar ganz von Dritten herstellen lässt. Wie weit diese Mitwirkung anderer reichen darf, richtet sich nach der Art des Werks und dem von dem Künstler selbst vorgegebenen Konzept. Ein Künstler wie Richard Serra, der tonnenschwere Stahlskulpturen mit geometrischen Formen schafft, bedarf der Mitwirkung professioneller Stahlbauer. Entscheidend für die Originaleigenschaft ist es, dass die Skulptur nach den Plänen des Künstlers geschaffen und von ihm autorisiert worden ist.

          Eigenhändigkeit dse Schaffensprozesses

          Andererseits kann die Originaleigenschaft von der Eigenhändigkeit des Schaffensprozesses abhängen. Bei expressiver, gestischer Malerei ist dies beispielsweise der Fall. Die Bildkomposition, die Farb- und Formgestaltung und der Duktus der Malerei bestimmen gleichermaßen als Teile des Malprozesses die künstlerische Aussage. Der eigenhändige Farbauftrag durch den Künstler kann nicht ohne Authentizitätsverlust delegiert werden. Es gibt zwar Ausnahmen. Zum Konzept dieser Malerei gehört aber gerade die Umsetzung der Bilder durch den Plakatmaler, also die Trennung zwischen der Motivwahl und der Ausführung. Der Künstler hat nicht die Möglichkeit, Nichtoriginale beliebig zu Originalen zu erklären.

          Wenig hilfreich sind Ansätze, die auf die Kunstgeschichte zurückgreifen: Die Malerei und die Vorstellung von Authentizität haben sich gewandelt. Es gibt in Bezug auf die Gegenwartskunst keine allgemein gültige Formel für alle künstlerischen Herangehensweisen. Bei Malern wie Richter, Baselitz oder eben Immendorff hängt die Originaleigenschaft des Werks also davon ab, ob die Künstler es auch selbst gemalt haben.

          Der Autor ist Partner der Anwaltskanzlei CMS Hasche Sigle, Berlin.

          Quelle: F.A.Z.

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