Home
http://www.faz.net/-gqp-74cqs
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Kirch-Prozess Der Deutschen Bank droht eine herbe Niederlage

Die Erben von Leo Kirch könnten mit ihrer Milliardenklage gegen die Deutsche Bank Erfolg haben. An diesem Freitag will das Oberlandesgericht nach fast zwei Jahren den Mammutprozess beenden.

© action press Vergrößern Sein letzter großer Fall: Richter Guido Kotschy

Guido Kotschy wirkt wie ein jovialer Bayer, der die Gemütlichkeit schätzt. Jemand, der manchmal zwar zum Granteln neigt, im Grunde aber harmlos ist. Doch Vorstände und Anwälte der Deutschen Bank haben mit dem rundlichen, weißhaarigen Mann eher gegenteilige Erfahrungen gesammelt. Kotschy ist Vorsitzender Richter des Oberlandesgerichts München. Dort wird vor dem Fünften Zivilsenat an diesem Freitag der Schadensersatzprozess zwischen der Deutschen Bank und den Erben des verstorbenen Medienmoguls Leo Kirch verhandelt.

Henning Peitsmeier Folgen:     Joachim Jahn Folgen:      

Für den 64 Jahre alten Kotschy, der den Senat seit 2005 leitet, ist es der letzte große Fall, im Herbst kommenden Jahres wird er pensioniert. Der gelernte Bankkaufmann und ehemalige Staatsanwalt wird - darauf deutet vieles hin - das Geldinstitut wohl verurteilen. Dass er es im Prinzip für schadensersatzpflichtig hält, hat er schon in einem Senatsbeschluss vom 3.September vermerkt. An diesem Freitag könnte Kotschy den streitenden Parteien nun einen Vergleichsvorschlag unterbreiten - so wie schon vor einem Jahr, als er das Verfahren gegen eine Schadensersatzzahlung der Deutschen Bank über 775Millionen Euro beenden wollte. Das wäre der Preis gewesen für jenes inzwischen legendäre Fernsehinterview von Rolf-Ernst Breuer im Februar 2002, in dem der damalige Vorstandssprecher öffentlich Kirchs Kreditwürdigkeit in Frage gestellt hatte.

Jain und Fitschen versuchen, was Ackermann nicht gelang

Die Kirch-Erben fordern mehr als 2 Milliarden Euro. Doch die Bank und auch Breuer lehnten bisher jeden Vergleich ab. Das neue Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen könnte zwar versuchen, was ihrem Vorgänger Josef Ackermann nicht gelang, und einen Vergleich aushandeln. Zumindest Breuer scheint dem inzwischen keine Steine mehr in den Weg legen zu wollen. Doch bislang sieht es nicht nach einer gütlichen Einigung aus. Fitschen wird nicht einmal persönlich zu der Verhandlung erscheinen, sondern sich durch zwei „mit dem Sachverhalt vertraute Mitarbeiter der Rechtsabteilung vertreten“ lassen, wie die Bank mitteilte. „Das entspricht der Praxis bei größeren Unternehmen und steht im Einklang mit der Ladung zum Termin.“ Die beiden Fitschen-Vertreter sind zum Vergleichsabschluss ermächtigt, der dann aber ohnehin noch von Vorstand und Aufsichtsrat gebilligt werden müsste.

Die Beklagten haben allerdings seit geraumer Zeit den Verdacht, dass ihnen in München kein fairer Prozess gemacht wird. Schon im Frühjahr 2011 stellten die Anwälte der Bank einen Befangenheitsantrag: Sie glaubten, dass Kotschy voreingenommen sei, eng mit der Staatsanwaltschaft München kooperiere und sich in der Sache verrannt habe. Kotschys mitunter recht schroffe Verhandlungsführung bekamen der Reihe nach die obersten Vertreter der Bank zu spüren, erst Clemens Börsig noch als Aufsichtsratsvorsitzender, danach Breuer-Nachfolger Ackermann und Altvorstand Tessen von Heydebreck. Und natürlich Breuer selbst. Ziemlich unverhohlen unterstellte Kotschy ihnen, die Unwahrheit zu sagen. Die Münchner Strafverfolger ermitteln bereits wegen versuchten Prozessbetrugs. Gegen Breuer gab es wegen eines ähnlichen Vorwurfs sogar schon Gerichtsverhandlungen; das Verfahren wurde dann aber gegen Zahlung von 35.000 Euro eingestellt.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Prozess um Leo Kirch Anklage gegen Deutsch-Banker offenbar fertig

Die Entscheidung ist gefallen: Die frühere Führungsriege der Deutschen Bank wird im Fall Leo Kirch angeklagt. Der jetzige Ko-Chef Jürgen Fitschen ist wohl auch dabei. Mehr

07.08.2014, 09:03 Uhr | Wirtschaft
Bundesfinanzhof Vorsicht Falle beim Vererben von Eigenheimen

Vererbt ein Verstorbener das Familienheim den Kindern, müssen hinterbliebene Ehepartner das lebenslange kostenlose Wohnrecht versteuern. Darauf hat der Bundesfinanzhof in einem Urteil hingewiesen. Mehr

13.08.2014, 11:31 Uhr | Finanzen
Gurlitts Erbe Liebermann-Gemälde ist Raubkunst

Die Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ hat herausgefunden, dass das Liebermann-Gemälde aus der Gurlitt-Sammlung Raubkunst ist. Vor einer Rückgabe muss jedoch erst das Erbe Gurlitts geregelt werden. Mehr

19.08.2014, 14:31 Uhr | Feuilleton

Kampf gegen Preisbetrüger

Von Helmut Bünder, Bonn

In diesem Jahr haben die Strafen für illegale Preisabsprachen einen neuen Rekordwert erreicht. Das zeigt: Kartelle sind wie Unkraut. Mehr 5 5


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Darum boomt das Betreuungsgeld

Immer mehr Personen nehmen das Betreuungsgeld in Anspruch. Das stimmt zwar, ist aber nur ein statistischer Effekt: Denn die Anzahl der Neubezieher bleibt konstant. Mehr