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Veröffentlicht: 21.04.2017, 15:41 Uhr

Italiener bekommt Rente Tumor vom Mobiltelefon

Kann mobiles Telefonieren zu einer Berufskrankheit führen? Ein italienischer Richter sagt: ja. Und erkennt den Gehirntumor eines Arbeitnehmers als Folge seiner vielen Handytelefonate an.

von , Rom
© dpa Zu oft das Handy am Ohr. Macht das wirklich krank?
 
Tumor vom Mobiltelefon? Ein Italiener bekommt nun deshalb Rente aus der Unfallversicherung.

Ein italienischer Richter in der piemontesischen Kleinstadt Ivrea hat erstmals einen Zusammenhang zwischen häufigen Telefonaten mit dem Mobiltelefon und einem Tumor hergestellt. Ein 58 Jahre alter Mitarbeiter der Telefongesellschaft Telecom Italia hatte geklagt, weil er von 1995 bis 2010 täglich mindestens drei oder vier Stunden am Mobiltelefon verbrachte. Zuletzt wurde bei ihm ein gutartiger Tumor entdeckt und entfernt, doch ist seitdem sein Hörvermögen auf dem einen Ohr beeinträchtigt.

Tobias Piller Folgen:

Der Telecom-Mitarbeiter namens Roberto Romeo sagte, er habe am Telefon eine Gruppe von Technikern im Außendienst koordinieren müssen. Auf die Risiken des häufigen Gebrauchs des Mobiltelefons sei er nicht hingewiesen worden, in der Firma habe es keine externen Kabel für Mikrofon und Ohrhörer gegeben, ebensowenig Sprechanlagen im Auto.

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Richter Luca Fadda entschied in erster Instanz, dass der Mitarbeiter eine berufsbedingte Erwerbsminderung von 23 Prozent erlitten habe und künftig von der gesetzlichen Unfallversicherung monatlich 500 Euro an Rente erhalte müsse. Die Rechtsanwälte des geschädigten Telecom-Mitarbeiters sagten, „erstmals hat die italienische Justiz die Plausibilität eines Zusammenhangs zwischen Mobilfunk und Tumor festgestellt“.

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Aufmerksam verfolgt wird die Entwicklung von den vielen kleinen Verbraucherorganisationen, die in Italien um Aufmerksamkeit buhlen. Eine von ihnen kündigt nun eine „Class-Action“ an, weil bei Mobiltelefonen wie bei Zigaretten vor dem Gebrauch gewarnt werden müsse. Italiens Medien gehen allerdings sehr vorsichtig mit der Nachricht um: Wissenschaftlich sei ein Zusammenhang nicht bewiesen, heißt es übereinstimmend, auch in Zeitungsgesprächen mit Onkologen.

Die linksliberale Zeitung „Repubblica“ kommentiert, dass leider die Richter nicht auf die Seriosität ihrer Gutachter achten müssten. Die Meinung eines Unbekannten sei genauso viel wert wie die eines berühmten Fachmanns. So komme es, dass in der Vergangenheit Richter die Tumorbehandlung auf Staatskosten bei einem Scharlatan anordneten, Impfungen für einen Fall von Autismus verantwortlich machten und dafür Schadenersatz anordneten, oder ein Verwaltungsgericht in Rom den wissenschaftlichen Erkenntnisse der staatlichen Arnzeimittelagentur widerspreche. Das Urteil von Ivrea gehöre in diese Serie von unglücklichen Entscheidungen.

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Von Dietrich Creutzburg

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