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Insolvenzrecht Auf der Flucht vor dem Gläubiger

 ·  Wenn Privatleute insolvent gehen, sind sie ihre Schulden in Deutschland frühestens nach sechs Jahren los. Das geht im Ausland schneller. Und so packt mancher Schuldner die Koffer - etwa in Richtung Großbritannien.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (12)

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Tanja Schacht
Tanja van Dyck (Tavady) - 24.07.2009 14:11 Uhr

Das Umgehen mit Geld....

Die Privatinsolvenz ist ein empfindliches und schwieriges Thema. Ich selber habe täglich mit Personen zu tun, die sich verschuldet haben. Ich weiss, Menschen können nur mit Geld umgehen, wenn sie es auch im Leben irgendwann einmal gelernt haben. Die Realität sieht anders aus. Viele haben aber leider keine Erziehung in finanziellen Angelegenheiten genossen. Man muss auch den Banken und anderen Institutionen mit Schuld geben, die es erlauben, jungen, arbeitenden Menschen immense Kreditbeträge zur Verfügung stellen. Ich bin der Meinung, dort fängt das Problem an und ich kenne viele Menschen, die einfach nicht mit Geld umgehen können. Dies ist nicht ein Problem das jetzt in Krisenzeiten entsteht, es ist schon immer ein sehr präsentes Problem für die Menschheit gewesen. Die Insolvenz ist für Leute gedacht, die wegen einem Schicksalschlag (Verlust des Arbeitsplatzes, Scheidung, Betriebsschließung, plötzliche Berufsunfähigkeit) nicht mehr in der Lage sind ihre Schulden abzuzahlen inkl der Zinsen. In erster Linie soll die Insolvenz vor weiteren Blastungen schützen. Aber vielleicht sollte man auch an seinem Gewissen arbeiten (wenn man denn eines hat).

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Thomas Wenzel

Herr Berlinger

das will keine Bank denn Deutschland als Staatist in der Schuldenfalle. Wir nehmen Kredite auf um Zinsen zu bezahlen, die Schuldenlast steigt.
Ein solches Gesetz wäre gut abr schlecht für Banken da sie keine Zinsen mehr bekommen. Ich finde auch D hat seine Schulden schon drei mal zurückgezahlt und dennoch ist es mehr als vorher. Die Zinslasten sind unerhört.
Das Aussetzen der Zinsen im Notfall kann aber auch ausgenutzt werden. Der Staat müsste hierfür auch Schutzmechanismen einführen. Sonst kaufe ich mir ein haus, kann es nicht abzahlen und zahle nur noch die Schulden aber keine Zinsen ab. Wieso sollte mir die Bank dann Geld leihen wenn ihr Gewinn ausbleibt? Das muss halt abgefangen werden. Aber wie ich schon sagte, eine Einzelfalllösung müsste her. kein Fall ist wie der Andere und Richter sollten die Möglichkeit bekommen auch unterschiedlich zu urteilen. Wer z.B. betrunken in eine Menschenmenge rast und 3 Menschen dauerhaft verletzt sollte sich nicht von den Schulden befreien dürfen. Der müsste sein lebenlang zwangsarbeiten um seiner Verantwortung gerecht zu werden. Andererseids sollte man Familien helfen, die durch Arbeitslosigkeit vor dem Ruin stehen. Aber prinzipiell haben sie recht. Die zinsen sind unser untergang

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Lukas Berlinger

Der Staat könnte leicht helfen

Mit einem kleinen Kniff könnte der Staat die Sache für Gläubiger und Schuldner wesentlich vereinfachen. Nämlich dann, wenn Rückzahlungen auf die Hauptforderung angerechnet würden und nicht auf die Zinsen und Kosten. Dann würde jede Zahlung tatsächlich die Schuld verringern, während nach der heutigen Regelung – bei kleinen Rückzahlungsraten –die Gesamtsumme sogar ansteigen kann. Beiden Seiten wäre gedient, nur die Anwälte und Inkassofirmen würden wenige profitieren. Das Wort "Schuldenfalle" würde seine Bedeutung verlieren, weil Schuldner wieder Chancen hätten, langsam aber sicher aus der Falle zu klettern.
Was ist zu tun? Eine kleine Änderung im BGB, mehr nicht. Es wäre wirklich sehr einfach.

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Thomas Wenzel

Gläubiger und Schuldner 1/2

ich denke Deutschland muss sich wandeln und den Einzelfall betrachten. Es gibt die menschen die können nichts dafür die haben einfach nur Pech und dann gibt es Menschen die legen es drauf an. Die Ausrede ich bekomme zu leicht Kredite zählt nicht. jeder kennt seine Einnahmen und kann sich zurechtlegen welche Belastung er verträgt. Außerdem kann er zu seiner Hausbank gehen und sich beraten lassen. Als Hausbank meine ich nicht Santander oder Citybank!!!!! Als ich einen Autokredit wollte sagte mir mein Sparkassenberater ich hätte eine Unterversorgung von 400€/Monat. Obwohl ich spare. Das wusste er aber laut seiner Tabelle eigentloch nicht. Daher hätte er mir einen kredit gegeben aber nur zu hohen Zinsen. Santander hat diese Überprüfung nicht gemacht, mein Auto war finanziert. Das habe ich aber nur gemacht weil ich für mich wusste ich kann den kredit zurückzahlen und 50% des Autos habe ich vorfinanziert. unseriös war das trotzdem. Keine haushaltsbrechnung keine Beratung nur Kredit bitte und weg. Dann lieber zur Hausbank gehen und sich richtig beraten lassen. Wer einen guten berater hat erfährt auch ins Gesicht - sie sind nicht kreditwürdig lassen sie die finger davon.

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Thomas Grunwald
Thomas Grunwald (tho_mi) - 23.07.2009 09:13 Uhr

@Zorro1

Schön, wenn das funktioniert, aber wohl auch, wenn man schon lange genug im Geschäft ist und genug andere hat, die pünktlich zahlen. Jungen Unternehmensgründern hilft das aber wohl nicht weiter. Wenn man schon bei den ersten Aufträgen 9 Monate lang auf sein Geld warten soll, wie sollen dann die Unkosten bezahlt werden wie Löhne und Kredite. ich glaube kaum, dass eine Bank 9 Monate warten wird, bis die erste Rate eingeht. Leider gehen viele Jungunternehmen wegen der schlechten Zahlungsmoral den Bach runter bevor sie überhaupt oberhalb des Flusses angekommen sind.

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Torsten Klier

Haben die Freunde des Kreditbetruges schon mal

im Fremdwörterbuch nachgesehen, was „Kredit“ bedeutet?
Nein? Das sollten Sie aber tun, Herr Kray, bevor Sie den Stuss mit „Schuldner ins Wirtschaftsleben zurückkehren“ absondern.
Kredit bedeutet „Glaubwürdigkeit“. Davon lebt das System.
Die Wirtschaft funktioniert nur in Ländern, in denen es ein zuverlässiges Kreditwesen gibt. D.h. der Gläubiger muss darauf vertrauen können, dass der Schuldner das Darlehen zurückzahlt oder notfalls das Gericht das Geld eintreibt.
Es gibt nicht viele Länder, in denen das geht. In den meisten Ländern gibt es keine Glaubwürdigkeit. Dort kann man weder auf die Aufrichtigkeit der Geschäftspartner vertrauen noch auf die Unabhängigkeit der Gerichte.
Unter welch erbärmlichen Umständen die Menschen dort leben, wo es keine pösen kapitalistischen (siehe Zinsknechtschaft) Blutsauger gibt und keine ach so unbarmherzigen Gerichte - das können Sie in den alltäglichen Jammerschreiben der raffgierigen Helferindustrie nachlesen.
Nun scheint sich also Europa aus dem Kreis der glaubwürdigen System zu verabschieden um ins Paradies der „unbürokratischen Lösungen“ aufzusteigen.
Ich habe Angst.

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Hans-P. Vosseler

Was mir persönlich an der ganzen Geschichte

in Deutschland nicht gefällt, daß jeder, der zwangsläufig Insolvenz anmelden mußte,
automatisch als "Verbrecher" oder als "Versager" abgestempelt wird. Wer das schon
einmal mitgemacht hat, weiß, wovon ich spreche. Viele Gläubiger, Anwälte und GV's
machen sich sogar Späße daraus, einen bis zur völligen Erschöpfung zappeln zu
lassen, obwohl man alles menschlich mögliche versucht, seine Verbindlichkeiten zu
bedienen. Jahrelang. Bis nix mehr geht. Das ist unmenschlich und unwürdig, zumal es
in der Mehrzahl Menschen trifft, die "plötzlich" vor dem Ruin stehen, sei es durch
Arbeitsplatzverlust, Scheidung, Betriebsstilllegung oder wegbrechens der Aufträge.
Bin selbst selbständig. Ich mahne lediglich 1x. Wenn der Kunde nicht bezahlt oder
nicht bezahlen kann, schreibe ich den Betrag ab. Basta. Fahre nicht schlecht damit.
Habe Kunden, die noch nach 9 Monaten (ohne Mahnung) bezahlen und sich bedanken.
Was in Deutschland und deren Neidgesellschaft abgeht, spottet jeder Beschreibung.
Bei uns wird alles von der EU verordnet aber beim Insolvenzrecht bleiben die
Deutschen stur. Es ist doch wohl ein Unterschied, ob ich einem Freund einen
Betrag schulde oder einer Bank, die mich eh über den Tisch ziehen will.
Das IR gehört in der EU angepaßt.

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Kevin Müller

Auch nicht optimal

Da gefällt mir die spanische Lösung besser. Dort haben private Schuldner im Vergleich zu Deutschland sehr weitgehende Rechte, Pfändungen und sogar Zwangsversteigerungen sind praktisch unmöglich. Das führt dazu, dass Kredite von vornherein kaum gegeben werden und ein Leben auf Pump gar nicht erst einreisst - die Gläubiger wissen schliesslich um das Risiko, nichts mehr zurückzubekommen.
Das vermindert den riesigen deutschen Wasserkopf von Insolvenzberatern, Gerichtsvollziehern, Insolvenzgerichten, den übergeordneten Behörden, Anwälten was sich da sonst noch alles an Pleiten bereichert. Freilich nicht alles, denn häufigster Grund für Insolvenzen in Deutschland sind Trennungsfolgen. Das aberwitzige deutsche Unterhaltsrecht macht Menschen und "Pflichtigen" und treibt auch finanziell gesunde Menschen ohne mit der Wimper zu zucken in den totalen Ruin.

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Peter Keul
Peter Keul (hildennet) - 22.07.2009 17:45 Uhr

Die Fallensteller sollten das Risiko tragen

So manch eine Schuldenfalle ist trickreich von unseriösen Teilzahlungsbanken aufgestellt worden. Gerne werden an eigentlich bereits insolvente kleine Beamte Kredite vergeben. Da gibt es den netten Trick mit der Schrottimmobilie. Da hat einer bereits 30000,- Schulden. da kommt hilfreich ein Verkäufer, der ein Abkommen mit einer Bank hat und verkauft ihm 2 Wohnungen, kosmetisch sanierter Sozialbau aus den 50er Jahren. Und verspricht ihm: ich leihe dir nicht nur das Geld für den Kauf der Wohnungen, sondern auch die 30000,- für deine Altschulden. Das ganze bezahlen dann deine Mieter. Die es dann nicht gibt. In unserem Rechtssystem wird dieser bewusste Betrug durch eine Bank nicht bestraft. Die Bank hat Erfahrungswerte. In vielen Fällen helfen die Familien . Dadurch läßt sich die Sache für die Banken rechnen. Es wird Zeit, das der Gesetzgeber die Vergabe so unseriöser Kredite mit dem Verlust des Kapitals bestraft. Denn es ist volkswirtschaftlich unsinnig, solche Schuldner in die Sozialhilfe zu treiben. Arbeit wird sinnlos, weil der Lohn abgeschöpft wird, am langen Ende betreuen wir dann von Staats wegen einen weiteren Alkoholiker.

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Thomas Wenzel

so einfach ist das nicht

In Deutschland kann man nur einmal in Insolvenz gehen. Beim 2. mal droht eine Anklage wegen Betrug. Wieso eigentlich toter Mann spielen und erst nach 7 Jahren in die wirtschaft zurückkehren? Klar wird vom gehalt was gefändet aber nicht so viel wie beim Unterhalt für Ehegatten oder Kinder. Da nehmen sie einen jeden grund der Weiterarbeit. Aber bei der Insolvenz wird nur so und so viel vom Einkommen genommen. Des Weiteren kann man ruhig versuchen seine Schulden zurückzuzahlen. Man hat ja auch die Leistung in Anspruch genommen. Die Insolvenz ist für Leute gedacht, die wegen einem Schicksalschlag nicht mehr in der Lage sind ihre Schulden abzuzahlen inkl der Zinsen. In erster Linie soll die insolvenz vor weiteren belastungen schützen nicht aber den Schuldner die Schulden nehmen. Die Einstellung mancher Privatleute stimmt da nicht. Auch Herr Dauhmann kann 7 Jahre lang arbeiten bzw. seine pension beschneiden lassen und einen Teil zurückzahlen. Reine Geldgier treibt ihn nach England. Er könnte wenigstens versuchen klarzukommen und nach 6-7 Jahren wird er erlöst und darf wieder mehr von seinen 1700€ behalten. So viel habe ich nicht netto trotz 40h/Woche und ohne Schulden. Denn eines sollte er sich fragen: Wenn nicht er wer zahlt dann?

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Ge.Se. Lo.
Ge. Se. Lo. (geselo) - 22.07.2009 15:51 Uhr

Besser als gar nicht

Das heutige deutsche Insolvenzrecht für Privatleute mag nicht optimal sein, es ist aber besser als vor zehn Jahre, da es für Privatleute KEIN Insolvenzrecht gab, und nur Kapitalgesellschaften sich über eine Insolvenz "entschulden" konnten.
Die Lücke in unserer Gesetzgebung ist nun behoben. Ob es in absehbarer Zeit eine Nachbessserung geben wird, werden wir sehen. Europa beeinflusst in diesen Bereichen unsere Gesetzgebung mehr, als wir an der Oberfläche wahrnehmen, und möglicherweise wird es hier in absehbarer Zeit eine Angleichung der Rechtsstrukturen geben.
Das Elsaß war deshalb so interessant, weil dort noch das alte (!) deutsche Insolvenzrecht gilt.
Aber die Frist ist in Deutschland länger, denn man muss erst einmal einen Betreuer finden, und bis das Verfahren anläuft, vergeht schon mal ein Jahr oder zwei - und DANACH beginnen die sechs Jahre.
Weiterer Wermutstropfen: in Deutschland muss man die Forderungen, die gegen einen Schuldner bestehen, alle auflisten, und nur die aufgelisteten Forderungen sind in der Privatinsolvenz abgedeckt. Wird ein Kredit vergessen, so besteht dieser nach der Privatinsolvenz weiterhin.
Auf der anderen Seite schreckt diese Frist in Deutschland manchen Wiederholungstäter ab.

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Michael Meier
Michael Meier (never1) - 22.07.2009 15:25 Uhr

So schön es klingt....Privatinsolvenz

Der Dumme ist immer der Gläubiger. Als Privatperson auch mit kleinen AUßenständen wünschen Ich mir des öfteren Moskau-Inkasso o.ä. Zentrale Datenbanken über durchgemachte Insolvenzen oder laufende Verfahren sind notwendig.

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Jahrgang 1978, Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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