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HSH Nordbank Die Skandalbank

24.08.2010 ·  Spionagekameras und Wanzen: Nach Milliardenverlusten erschüttert die HSH Nordbank nun eine Spitzelaffäre. Aber der Spitzel will niemanden abgehört haben.

Von Timo Kotowski, Hamburg
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Nur zwei Minuten - einmal quer über die Hamburger Einkaufsmeile Mönckebergstraße - dauert der Fußweg von der HSH Nordbank zum Büro einer hanseatischen Anwaltskanzlei. In deren Räumen ging an einem Mittag Ende Juli eine Auseinandersetzung in die nächste Runde, die die skandalgeplagte Landesbank nun unter dem Schlagwort Spitzelaffäre erschüttert. Stand das Institut in der Vergangenheit hauptsächlich wegen missglückter Geschäfte und Milliardenverlusten in der Kritik, ist der Stoff der neuen Affäre delikater. Es geht um eine Spionage-Spezialkamera, Wanzen in Vorstandsbüros, einen möglichen Einbruch in die Wohnung eines Bankmanagers und das Verbreiten von Geschäftsgeheimnissen.

Ein Wirtschaftskrimi könnte kaum besser ausgestattet sein. Darüber hinaus erweist sich die Spionageaffäre als Lehrstück, wie stark die Atmosphäre in der Bank von einem bis in die obersten Etagen vorhandenen Misstrauen vergiftet war - und zuweilen wohl auch noch ist. Konkret ging es bei dem Treffen, das am 29. Juli gegen 11 Uhr in der Hamburger Kanzlei begann, um die Vorgänge, die im April 2009 zur Entlassung des damaligen Vorstands Frank Roth führten. Der Aufsichtsrat hatte Roth schweren Geheimnisverrat vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft Hamburg stellte jedoch vor zwei Monaten das Verfahren gegen ihn ein, weil kein hinreichender Tatverdacht bestehe. Diesen Beschluss hat die HSH wiederum angegriffen und dringt auf ein neues Verfahren. Für dessen Ausgang dürfte von großer Bedeutung sein, was an dem Julitag in den Kanzleiräumen besprochen wurde.

Getroffen hatten sich Olaf Behm, Betriebsratschef und Vize-Aufsichtsratsvorsitzender der Bank, eine weitere Vertreterin der Arbeitnehmerseite, der frühere Leiter der HSH-Sicherheitstechnik, ein externer Sicherheitsberater und dessen Anwalt. Darüber, was sie besprachen, kursieren zwei sehr unterschiedliche Versionen, die dieser Zeitung schriftlich vorliegen.

Zur Selbstanzeige bereit

Eine Version schrieb Behm auf und ließ sie dem HSH-Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper in den Urlaub hinterherfaxen. Demnach bestätigte der Sicherheitsberater, er habe in Roths Büro eine Wanze angebracht, sei in dessen Wohnung eingedrungen und habe eine Mail mit Dokumenten verschickt, die zu Roths Entlassung führte. Der Berater kündigte zudem an, er sei zu einer Selbstanzeige bereit. Dadurch hoffe er, wieder Aufträge der HSH zu erhalten. Denn die Bank hatte die Kontakte zu ihm abgebrochen, nachdem sie ihren Sicherheitschef entlassen hatte. Nach dieser Variante sähe es für den Vorstandsvorsitzenden Dirk Jens Nonnenmacher äußerst schlecht aus. Denn laut Behms Protokoll war der Leiter der HSH-Rechtsabteilung, Wolfgang Gößmann, in alle Vorgänge „involviert“, und Gößmann untersteht direkt Nonnenmacher.

Allerdings gibt es eine zweite Version - und die lässt Behm in einem schlechten Licht dastehen. Der Betriebsratschef, dem Unzufriedenheit über die Aufklärungsarbeit Koppers und ein angespanntes Verhältnis zu Nonnenmacher nachgesagt werden, müsste dann um seinen Posten im Aufsichtsrat fürchten. Diese zweite Version diktierte der Sicherheitsberater. Aufgeschreckt durch die jüngsten Medienberichte eilte er am gestrigen Montagmorgen zu seinem Notar, um seine Darstellung niederschreiben zu lassen. Nie habe er in der HSH eine Abhöreinrichtung eingebaut, nie den Telefonanschluss von Roth manipuliert, sei nie in Roths Wohnung eingebrochen und habe auch nie vertrauliche Dokumente verschickt, um Vorständen zu schaden. Eine Selbstanzeige habe er auch nie beabsichtigt. Allerdings habe er während des Gesprächs „wahrgenommen, dass Herr Behm von mir erwartet - abweichend vor der Realität - bei der Staatsanwaltschaft oben benannte Punkte zuzugeben“. Im Gegenzug sollte nach Möglichkeiten gesucht werden, dass der Beratervertrag der HSH mit dem Sicherheitsexperten wieder aufleben könnte.

Bislang ist kein Schuldiger identifiziert

Die Auseinandersetzungen über die Vorgänge, die zur Demission Roths führten, kommen diesem gerade recht. „Ich bin froh, dass meine Unschuld vollständig erwiesen ist und ich mich vor diesem Hintergrund nun auch neuen beruflichen Aufgaben stellen kann“, frohlockt er. Seine Anwälte würden nun „mögliche straf- und zivilrechtliche Konsequenzen“ prüfen. Damit käme ein weiteres Verfahren auf die Landesbank zu. Bislang war das Institut vor Gericht gegen ehemalige Mitarbeiter jedoch kaum erfolgreich. Den Chef der New Yorker Niederlassung hatte die Bank rausgeworfen, nachdem gegen ihn eine Mischung von Vorwürfen aufgekommen war. Mittlerweile hat sich die HSH jedoch mit ihm verglichen.

Anhängig ist noch ein Verfahren, dass im Zusammenhang mit den verlustträchtigen Omega-Geschäften steht. Einige Ermittler wollten ihre Untersuchungen gegen ehemalige und amtierende HSH-Vorstände bereits einstellen, kurzerhand wechselte der zuständige Staatsanwalt jedoch seine Truppe aus. Zudem hatte die HSH im Frühjahr unter anderem ihren früheren Londoner Niederlassungsleiter angezeigt, der bei der Vorbereitung der Omega-Geschäfte eine maßgebliche Rolle gespielt haben soll. Er wurde im vergangenen Herbst auch im Zusammenhang mit ominösen Geldabflüssen genannt. Die HSH hatte damals die Londoner Finanzpolizei eingeschaltet. Bislang ist allerdings kein Schuldiger in dieser Sache identifiziert worden. Jetzt scheint die Reihe ungeklärter Verfahren um ein weiteres länger geworden zu sein.

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