Home
http://www.faz.net/-gqp-74eaf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Griechische Steuersünderliste Journalist Vaxevanis muss wieder vor Gericht

Ein Gericht in Athen hat Kostas Vaxevanis erst Anfang November freigesprochen. Der Journalist hatte Namen von 2000 mutmaßlichen Steuerhinterziehern veröffentlicht. Nun muss er sich wieder vor Gericht verantworten.

© dapd Vergrößern Der Journalist Kostas Vaxevanis muss sich abermals vor Gericht verantworten

In Griechenland muss sich ein Journalist wegen der Veröffentlichung der Namen von mehr als 2000 mutmaßlichen Steuerhinterziehern abermals vor Gericht verantworten. Wie ein Gerichtssprecher am Freitag mitteilte, weist der Freispruch vom 1. November nach Ansicht der Strafverfolger rechtliche Fehler auf. Die Athener Staatsanwaltschaft hatte gegen die Entscheidung zugunsten von Kostas Vaxevanis Berufung eingelegt. Damit drohen ihm bis zu zwei Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe.

Ein Gericht in Athen hatte Kostas Vaxevanis erst Anfang November freigesprochen. Der Chefredakteur der Zeitschrift „Hot Doc“ hatte eine Liste mit 2059 angeblichen Steuersündern veröffentlicht, die unversteuerte Gelder in die Schweiz überwiesen haben sollen. Das zuständige Gericht befand Vaxevanis für unschuldig. Ihm war vorgeworfen worden, gegen das Gesetz zum Schutz privater Daten verstoßen zu haben. Vaxevanis hatte erklärt, das Verfahren sei politisch motiviert. Eine „unberührbare reiche Elite“ solle geschützt werden.

Nun sagte Vaxevanis gegenüber dem Guardian, er sei „verblüfft“. Er schreibe die Wende der Justiz zu, die versuchen wolle, die Presse zum Schweigen zu bringen. Ein Gerichtssprecher sagte der Nachrichtenagentur Reuters: „Der Staatsanwalt meint, dass die Entscheidung für den Journalisten rechtlich falsch war.“

Mehr zum Thema

Der Fall hat nicht nur in Griechenland für Empörung gesorgt. Die rasche Festnahme von Vaxevanis Ende Oktober stand für viele Griechen im scharfen Kontrast zu den nur schleppenden Ermittlungen gegen griechische Steuerhinterzieher. Vaxevanis hat die Vorwürfe gegen ihn als politisch motiviert bezeichnet. Mit der Veröffentlichung der sogenannten Lagarde-Liste habe er als Journalist im öffentlichen Interesse gehandelt.

Das Magazin „Hot Doc“ hatte die Liste mit mehr als 2000 Namen mutmaßlicher Steuerhinterzieher Ende Oktober veröffentlicht. Bei den Personen auf der Liste handelt sich es um Kunden der Bank HSBC in der Schweiz. Das Dokument war Griechenland bereits 2010 von den französischen Behörden übergeben worden, um nach Hinweisen auf Steuerflucht zu suchen. Nach Angaben des Magazins wurde die Liste der Redaktion anonym zugespielt.

Die nach der IWF-Chefin Christine Lagarde benannte Liste führt die Namen von wohlhabenden Griechen mit Bankkonten in der Schweiz auf. Sie war den griechischen Behörden noch während Lagardes Amtszeit als französische Finanzministerin übergeben worden. In dem vom Bankrott bedrohten Griechenland steigt die Wut auf Politiker und Reiche. Viele Griechen werfen der Elite vor, ihr Geld im Ausland in Sicherheit zu bringen, während der Großteil der Bevölkerung unter dem drakonischen Sparkurs zu leiden hat.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Anschlag in Ottawa Video des Attentäters belegt politische Motive

Die kanadische Polizei hat ein Video sichergestellt, das offenbar politische und ideologische Motive des Attentäters von Ottawa belegt. Michael Zehaf-Bibeau hatte am vergangenen Mittwoch einen Soldaten erschossen und bewaffnet das Parlament gestürmt. Mehr

27.10.2014, 08:47 Uhr | Politik
Polizei filmt geheimes Mafia-Treffen

Es ist ein seltener Einblick in die Welt der Mafia, den die italienische Polizei veröffentlicht hat. In dem Video hält ein mutmaßlicher Mafia-Boss eine Ansprache an seine Leute im schweizerischen Frauenfeld. Mehr

28.08.2014, 08:44 Uhr | Gesellschaft
Hackerangriff Datendieb bedient sich im Goldladen der AfD

Die AfD hat ihren Goldhandel im Internet nach einer Sicherheitspanne gestoppt. Ein Unbekannter hatte sich Zugang zu dem Server verschafft und konnte auf Kunden-E-Mails zugreifen. Die Partei vermutet ein politisches Motiv. Mehr

21.10.2014, 04:55 Uhr | Politik
Athen Schäden nach Unwetter in Griechenland

Ein heftiger Sturm hat in Athen schwere Schäden hinterlassen. Wassermassen rissen Menschen mit und schoben Autos ineinander. Nach Angaben des griechischen Wetterdienstes soll das Unwetter den ganzen Samstag über noch andauern. Mehr

25.10.2014, 13:42 Uhr | Gesellschaft
Amoklauf nahe Seattle Schüler schoss in der Kantine auf seine Freunde

Ein Jugendlicher hat an einer amerikanischen High School eine Person erschossen und drei Schüler lebensgefährlich verletzt. Anschießend tötete er sich selbst. Zuvor hatte er im Internet mit seiner Schusswaffe geprahlt. Mehr

24.10.2014, 20:33 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 16.11.2012, 14:17 Uhr

Geld rettet Japan nicht

Von Carsten Germis

Die japanische Zentralbank überrascht die Märkte mit einer noch weiteren Öffnung der geldpolitischen Schleusen. Doch das rettet das Land nicht. Mehr 5 9

Umfrage

Sparen Sie angesichts der niedrigen Zinsen noch?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Womit im Umweltschutz am meisten verdient wird

Deutsche Wind- und Solarenergie sind weltweit gefragt. Das gilt auch für andere Bereiche aus dem Umweltschutz, wie unsere Grafik des Tages zeigt. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden